Stand: 03.12.2019 12:07 Uhr

Sprengel Museum zeigt Werke von Jussuf Abbo

von Agnes Bührig

Er gehörte zum Freundeskreis um Else Lasker-Schüler und Kurt Schwitters und stellte wie dieser in der Hannoverschen Sezession aus, doch sein Name ist heute fast vergessen: Jussuf Abbo. Nicht zuletzt Dank einer Schenkung des Privatsammlers Ernst J. Kirchertz in diesem Jahr besitzt das Sprengel Museum inzwischen die weltweit größte Sammlung der Werke des Künstlers. Jussuf Abbo flüchtete 1935 vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach Großbritannien und starb 1953 krank und verarmt in London. Jetzt wird sein Werk in einer neuen Ausstellung in Hannover präsentiert.

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Der Bildhauer Jussuf Abbo wurde in Safed im Osmanischen Reich als Sohn jüdischer Eltern geboren.

Eine Frau, sitzend und vornübergebeugt, die Beine übereinander geschlagen, vom Kopf sind nur Haare und ein Dutt auszumachen. Mit schwarzer Kreide auf bräunlichem Papier hat Jussuf Abbo 1919 diesen weiblichen Akt gezeichnet. Eine typische Arbeit für den aus Palästina stammenden Bildhauer, sagt die Kuratorin der Ausstellung, Karin Orchard: "Ich finde seine Zeichnungen deshalb so interessant, weil er ganz ungewöhnliche Posen und Ausschnitte, Körperausschnitte und Verdrehungen zeigt oder manchmal auch mehrere Körperelemente auf einem Blatt. Das ist typisch für Bildhauerzeichnungen, so verschiedene Sichtweisen auf einen Gegenstand durchzuexerzieren, denn sie müssen eine Figur ja auch dreidimensional schaffen."

Kunst von Jussuf Abbo

Jussuf Abbo: Geboren im Osmanischen Reich

Geboren zwischen 1888 und 1890 in Safed im Osmanischen Reich als Sohn jüdischer Eltern, arbeitet Jussuf Abbo zunächst als Steinmetz und Zeichner. So kommt er in Kontakt mit dem preußischen Hofbaumeister Otto Hoffmann, der am Bau der Kaiserin-Auguste-Victoria-Stiftung in Jerusalem beteiligt ist. Hoffmann erkennt Abbos Talent, vermittelt ihm 1913 einen Studienplatz an der Königlichen Akademischen Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Galerist Herbert von Garvens in Hannover präsentiert seine erste größere Einzelausstellung. "Von Garvens hat ihn 1921 in seiner Galerie gezeigt, dann sehr viele Werke von ihm angekauft und sogar eine Büste von sich selbst anfertigen lassen, was ja eine ziemliche Herausforderung und auch Ehre für einen Künstler ist", sagt Karin Orchard. "Dadurch kam der Kontakt zu den Hannoveranern zustande. Jussuf Abbo wurde dann Ende der 1920er-Jahre Mitglied der Hannoverschen Sezession und eines der wenigen auswärtigen Mitglieder und einer der wenigen Bildhauer."

Sprengel Museum Hannover zeigt 60 Werke

60 Werke von Jussuf Abbo sind in der Ausstellung zu sehen, daneben zeigen drei Dutzend Arbeiten von Zeitgenossen wie Ernst Ludwig Kirchner und Wilhelm Lehmbruck die Verankerung des Künstlers in seiner Zeit. Den Grundbestand der Sammlung legte in den 1920er-Jahren das Provinzialmuseum sowie ein Sammler aus Hannover. Dieses Jahr erhielt das Sprengel Museum 52 Werke vom Privatsammler Ernst J. Kirchertz aus Bad Münder, der das Werk seit 40 Jahren auf zum Teil verschlungenen Pfaden erworben hat. "Eine wichtige Quelle tat sich über den Altgaleristen Rudolf Springer in Berlin auf, der mich auf Ben Wargin, den Baumpaten, hinwies, der in den 60er-Jahren eine Galerie betrieben hat und versucht hat, 1965 mit einer Einzelausstellung von Jussef Abbo eine Art Renaissance zu kreieren", sagt Kirchertz. 

Zu sehen sind Skizzen, Zeichnungen und Lithografien

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Der Zinnkopf von Jussuf Abbo entstand 1928.

Diese ist jetzt mit der Ausstellung in Hannover und einer zeitgleich im Kunsthaus Dahlem in Berlin stattfindenden Schau gelungen. Das Sprengel Museum stellt vor allem Skizzen, Zeichnungen und Lithografien sowie drei Plastiken aus - immer wieder mit ungewöhnlichen Körperhaltungen. Die Bronzeplastik von 1915 etwa, bei der ein Paar zu sehen ist, das sich auf dem Rücken nebeneinander liegend umarmt. Sie schiebt dabei ihre angewinkelten Beine seitlich unter seinen hindurch. Jussuf Abbo sei vor allem an den Formen einer Figur interessiert gewesen, sagt Karin Orchard: "Er war nicht der ganz avantgardistische Künstler. Seine Bildhauerei, wegen der er vor allem in den 1920er-Jahren auch geschätzt wurde, ist sehr kubisch und sehr streng aufgebaut. Man kann das schön an dem Zinnkopf von 1928 sehen, den die Stadt Hannover gekauft hat. Bei dieser Skulptur hat er die kubischen Formen eines Gegenstandes ausgeforscht."

Die Ausstellung "Jussuf Abbo. Schenkungen und Bestand im Sprengel Museum Hannover" ist die späte, aber wichtige Würdigung eines Werkes, das vor allem durch die Begegnung von Malerei und Bildhauerei besticht. Sie ist noch bis zum 29. März 2020 im Sprengel Museum Hannover zu sehen.

Sprengel Museum zeigt Werke von Jussuf Abbo

Jussuf Abbo gehörte wie Kurt Schwitters zur Hannoverschen Sezession, doch sein Name ist heute fast vergessen. Das Sprengel Museum Hannover widmet dem Bildhauer nun eine Ausstellung.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
30169  Hannover
Telefon:
(0511) 16 84 38 75
E-Mail:
Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de
Preis:
7 Euro, ermäßigt 4 Euro.
Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag: 10 bis 20 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Hinweis:
An allen Tagen ist der Eintritt für Kinder bis zwölf Jahre und Schulklassen frei. Freitags auch für Erwachsene.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 03.12.2019 | 11:20 Uhr

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