Blick auf das im italienischen Renaissancestil gebaute Oldenburgische Staatstheater. © NDR Foto: Julius Matuschik

Oldenburger Ballettcompagnie übt "Alice im Wunderland"

Sendedatum: 06.03.2021 07:20 Uhr

Theater dürfen noch nicht öffnen, aber es wird weitergeübt. Denn gerade Profitänzer können sich wochenlange Trainingspausen nicht erlauben. Die Ballettkompanie am Oldenburgischen Staatstheater probt "Alice im Wunderland".

Blick auf das im italienischen Renaissancestil gebaute Oldenburgische Staatstheater. © NDR Foto: Julius Matuschik
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von Helgard Füchsel

Ein Hase mit langen braunen Stoffohren, Alice im blauen Kleidchen, der Hutmacher und viele mehr tanzen über Tisch und Stühle bei der verrückten Teegesellschaft. Dabei klopfen sie immer wieder mit riesigen Teetassen auf die lange Teetafel. Was chaotisch wirkt, ist genau geplant und eng miteinander verzahnt. Die vierzehn Tänzerinnen und Tänzer proben auf der großen Bühne des Oldenburgischen Staatstheaters "Alice im Wunderland", als wenn sie kurz vor der Premiere wären.

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Der Ballettdirektor Antoine Jully erwartet, dass sie alles geben: "Also das ist unsere Kunst. Man muss dran bleiben für diese Periode. Das ist für mich ganz normal, dass ein Künstler nicht nur in der Probe oder im Training dabei ist, sondern auch in der Dusche - auch, wenn man kocht - es gibt keine Ende."

"Das ist nicht gut!"

Das Theater nutzt bei "Alice im Wunderland" was die Technik hergibt. Tänzerinnen und Tänzer fliegen an Seilen über die Bühne oder versinken im Theaterboden. Darauf müssen sie sich konzentrieren, sagt Antoine Jully, für ein Interview bleibt da kein Platz.

"Das Stück ist sehr kompliziert für die Körper für den Kopf. Es gibt viel, was Backstage, in den Kulissen passiert. Und dieses Interview meint auch, das Training kürzer zu machen. Das ist nicht gut", so der gebürtige Pariser.

Freundeskreis des Theaters spendiert Corona-Tests

Während der Probe gibt es große Choreografien und viel Nähe bei Partnertänzen. Das geht nur, weil alle Beteiligten regelmäßig einen Corona-Test machen, finanziert vom Freundeskreis des Theaters. Sie sollen möglichst keine Kontakte außerhalb des Ensembles haben. Kein großes Opfer, sagt die Ballettmeisterin Carolina Sorg, denn sie haben einander. Vor einem Jahr mussten sie allein zu Hause proben. Das sei schwerer gewesen.

"Die Motivation jeden Tag, das schafft man nicht allein", erklärt Sorg und ergänzt: "Man braucht schon diese Energie von der Gemeinschaft. Die Kompanie macht das aus. Auch das Training zusammen das macht schon viel aus."

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Jüngere Tänzer weniger stabil

Was jetzt noch fehlt, ist ein Ziel - ein Auftritt. Gerade die jüngeren Tänzerinnen und Tänzer seien deprimiert. Einige haben gerade erst ein Engagement am Theater bekommen und jetzt dürfen sie nicht auftreten, berichtet Sorg: "Manchmal merke ich: Heute ist so ein kleines Tal im Training, aber dann kommen die wieder zurück nach dem Motto: Ja, wir müssen dagegen ankämpfen."

Der Premiere entgegenfiebern

Nach den Generalproben muss die Tanzcompagnie im Training bleiben. Sie probt "Alice im Wunderland" immer weiter, sagt die Dramaturgin Telse Hahmann. Aber nicht nur die Tänzerinnen und Tänzer sehnen sich nach einem Auftritt.

"Jetzt haben wir viele Monate daran gearbeitet", sagt Hahmann und fügt hinzu: "Das ganze Haus und alle Werkstätten haben da sehr viel gearbeitet und es wäre für alle zusammen einfach toll, wenn es dann zur Premiere kommen darf."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 06.03.2021 | 07:20 Uhr