Stand: 29.09.2017 08:31 Uhr

"Lichtsicht" in Bad Rothenfelde

von Marlena Maerz

Alle zwei Jahre verwandelt sich der Kurpark von Bad Rothenfelde in der dunklen Jahreszeit in eine Art Freilichtmuseum. Unter dem Titel "Lichtsicht" werden in dem Kurort im Landkreis Osnabrück Licht- und Videoinstallationen gezeigt. Die Projektions-Biennale ist mittlerweile ein Publikumsmagnet: Vor zwei Jahren kamen mehr als 160.000 Besucher. In diesem Jahr feiert die Veranstaltung ihr zehnjähriges Bestehen.

Projektoren werfen die Umrisse von zwei Männchen auf eine Wand. Sie kämpfen gegeneinander. Mit Mikado-Stäben. Dann tauchen auf der Wand Geldscheine auf, fangen Feuer und verbrennen. Erschaffen hat diese Szene der Künstler Kanjo Také: "Der Geldschein wird zur Ikone in unserer heutigen Zeit. Also alles, was zählt, ist heutzutage Geld."

Früher wurde hier Salz gewonnen

Diese Botschaft projiziert Také auf einen ganz besonderen Hintergrund: Das Gradierwerk in Bad Rothenfelde. Das Gradierwerk ist eine Riesenwand aus Schwarzdorn-Ästen. Zehn Meter hoch und mehr als 400 Meter lang. Wasser rieselt die Äste hinab. Früher wurde das Gradierwerk genutzt, um aus Sole Salz zu gewinnen. Heute dient es Künstlern wie Také als ungewöhnlicher Hintergrund für Projektions-Kunst.

Zum zehnjährigen Bestehen zeigt die "Lichtsicht" in diesem Jahr die besten Werke der vergangenen Schauen. Manfred Schneckenburger hat mehrmals bei der Lichtsicht als Kurator gearbeitet. In diesem Jahr hat er geholfen, die Werke für das Jubiläum auszuwählen. Schneckenburger war dabei vor allem wichtig, "dass es tatsächlich nur in dieser Größe, in dieser Umgebung, vor diesem Hintergrund, auf dieser Projektionsfläche so funktioniert, dass es ein neues Bild ist."

Versenktes Auto sorgte 2011 für Aufsehen

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Für die Installation von Claudia Wissmann wurde ein Auto im Teich des Kurparks versenkt.

Für die Installation von Claudia Wissmann wurde im Teich des Kurparks extra ein echtes Auto versenkt. Nur ein Teil des Wagens ragt noch aus dem Wasser. Auf die Frontscheibe des Wagens wird eine Filmszene projiziert. Ein Mann und eine Frau sind im Auto vom Wasser eingeschlossen, Luftblasen steigen aus ihrem Mund, sie kämpfen ums Überleben. 2011 habe das Werk für zahlreiche Reaktionen gesorgt, sagt die Künstlerin: "Tagsüber in der Form, dass Leute sich gemeldet haben, bei der Feuerwehr angerufen haben und gesagt haben: Da ist jemand reingefahren, die brauchen Hilfe. Und nachts in der Form, dass sogar in echt mal jemand reingestiegen ist. Der dachte, da sind welche drin, der wollte die auch retten."

Zukunft der "Lichtsicht" ist unklar

Ob solche und andere Kunstwerke auch künftig in Bad Rothenfelde gezeigt werden können, ist unklar. Der Hauptförderer der Biennale hat angekündigt, dass er das Projekt künftig nicht mehr unterstützen wird. Die Gemeinde versucht nun, genug Geld zusammen zu bekommen, um die Lichtsicht weiterzuführen. Nach Angaben des Bürgermeisters brauche man dafür mindestens 300.000 Euro. Doch das ist Zukunftsmusik. Fest steht: Die aktuelle Schau mit 20 Werken ist noch bis Ende Februar in Bad Rothenfelde zu sehen.

"Lichtsicht" in Bad Rothenfelde

Die "Lichtsicht-Projektions-Biennale" verwandelt den Kurpark in Bad Rothenfelde in eine Art Freilichtmuseum. In diesem Jahr feiert die beliebte Veranstaltung ihr zehnjähriges Bestehen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Historisches Gradierwerk Bad Rothenfelde
Frankfurter Straße 3
49214   Bad Rothenfelde
Preis:
Eintritt frei
Öffnungszeiten:
Beginn der täglichen Projektionen
30.09.2017 - 15.10.2017 - 20:00 Uhr
16.10.2017 - 28.10.2017 - 19:00 Uhr
29.10.2017 - 28.01.2018- 17:30 Uhr
Kartenverkauf:
Tickets für öffentliche Führungen gibt es im lichtsicht-Shop vor dem Kurmittelhaus, Frankfurter Straße 3
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 29.09.2017 | 07:20 Uhr

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