Ein abstraktes Gemälde in rötlichen Tönen und dunkel gezeichneten Figuren. © Camille Henrot - Courtesy of the artist and kamel mennour Foto: Camille Henrot Studio

Kestner Gesellschaft eröffnet vier Ausstellungen digital

Stand: 15.04.2021 12:37 Uhr

Die Kestner Gesellschaft eröffnet am Sonnabend ab 19 Uhr gleich vier Ausstellungen digital. Mit dabei: "Mother Tongue" - die erste umfassende Einzelausstellung von Camille Henrot in Deutschland.

von Agnes Bührig

Wer sich dieser Tage der Kestner Gesellschaft in Hannover nähert, wird mit der Hoffnung auf bessere Zeiten begrüßt: "The Future Should Always Be Better" prangt da in blau leuchtenden Großbuchstaben an der Fassade. Eine Arbeit der amerikanischen Konzept-Künstlerin Sharon Lockhart. "Wir planen, unsere Fassade jetzt konsequent das Jahr über zu bespielen mit unterschiedlichen künstlerischen Aktionen. Wir hoffen auch sehr, dass wir die Kapelle auf der Goseriede auch nutzen können für eine Performance oder eine Soundinstallation im öffentlichen Raum", sagt Lea Altner von der Kestner Gesellschaft. "Das sind so ein paar Lösungsansätze im Moment zu versuchen, zumindest im öffentlichen Raum sichtbar zu sein und zu interagieren."

Camille Henrot: "Unsere erste Sprache ist eine taktile Sprache"

Den überwiegenden Teil der Ausstellungsfläche im Gebäude der Kestner Gesellschaft bespielt Camille Henrot mit Malerei, Zeichnungen, Skulpturen - und hält das in einem Video fest. Die 1978 in Paris geborene Künstlerin ist derzeit mit ihrem zweiten Kind schwanger. Ein Anlass zu fragen, wie Sprache entsteht und wie der Mensch seine Umwelt mit Wörtern erforscht. "Was löst das Suchen nach Worten aus? Für mich hat das viel mit dem Skulpturalen zu tun. Bevor wir Wörter gebrauchen, stecken wir uns Gegenstände in unseren Mund", schildert die Künstlerin. "Unsere erste Sprache ist eine taktile Sprache. Sie wird geprägt durch die Erfahrungen, die das Berühren und In-den-Mundstecken vermitteln."

Neue Skulptur für die Ausstellung "Mother Tongue" in der Kestner Gesellschaft

Bronzestatue mit einem Vogel oben drauf. © ADAGP Camille Henrot. Courtesy of the artist and Kunstgiesserei St. Gallen Foto: Annik Wetter
Camille Henrot - "3, 2, 1" (2021 Bronze, Flussstein, Polyurethan, Aluminium, Messing, Gips, Stahl, Wachs, Holz, verschiedene Abfallmaterialien, ADAGP Camille Henrot. Courtesy of the artist and Kunstgiesserei St. Gallen).

Im 3D-Film "Saturday" beschäftigt Henrot das Eintauchen in die Welt des Glaubens. Zu sehen sind Ganzkörpertaufen einer evangelikalen Freikirche. Erwachsene verschwinden komplett in großen Becken, auf dem unteren Rand des Bildschirms laufen Nachrichtentexte durch. Eine beeindruckende Reihe großformatiger Fresken im Obergeschoss zeigt Begegnungen. Fast graphisch muten die bunten Figuren an, die im Stil von Henry Matisse gemalt sind. Eigens für die Ausstellung erschaffen hat Camille Henrot die rätselhaft wirkende, drei Meter hohe Bronzeskulptur "3, 2, 1", die an ein Mensch-Vogelwesen erinnert. "'3, 2, 1' entspringt einer Serie, die sich System of Attachement nennt und darin geht es viel um Beziehungsgefüge - um Entwicklung, Bindung und Trennung", erklärt Kuratorin Julika Bosch. "Es kommen viele Mutter-und-Kind-Beziehungen in diesen Serien vor, die exemplarisch für Bindung und Trennung allgemein stehen können. Aber es geht auch um die Entwicklung von Körpern und um Anforderungen an Körper."

Weitere Werke von Susan Hiller und Moyra Davey in Hannover

Ganz anders die Ausstellung "Lost and Found" der vor zwei Jahren verstorbenen Künstlerin Susan Hiller. Ausgestellt werden unter anderem Glasflaschen, in denen die US-Amerikanerin über 40 Jahre lang Weihwasser heiliger Stätten sammelte. "First Aid: Hommage an Joseph Beuys" hat sie die Installation genannt. Dem Werk der kanadischen Künstlerin Moyra Davey kann man sich mit dem Film "My Saints" nähern, der den Dramatiker Jean Genet thematisiert. Er wird im neu erschaffenen Projektraum der Kestner Gesellschaft "Shifting Present" gezeigt. Gleich vier Künstlerinnen bespielen die Innenräume und die Außenfassade der Kestner Gesellschaft. Ein intensives und durchaus forderndes Kunsterlebnis. Derzeit ist die Ausstellung für Besucher nicht zugänglich. Zur digitalen Eröffnung am Sonnabend (ab 19 Uhr im Stream), wird die Kestner Gesellschaft ein neues Videokunstwerk von Camille Henrots im Internet veröffentlichen.

Kestner Gesellschaft eröffnet vier Ausstellungen digital

Unter anderem zu sehen: "Mother Tongue", die erste umfassende Einzelausstellung der Französin Camille Henrot in Deutschland.

Datum:
Ende:
Ort:
Kestnergesellschaft
Goseriede 11
30159Hannover
E-Mail:
kestner@kestnergesellschaft.de
Preis:
Einzelticket 7 Euro, ermäßigt 5 Euro
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 15.04.2021 | 09:20 Uhr