Stand: 18.02.2020 15:34 Uhr  - NDR Kultur

Sprengel Museum erforscht Begriffe der Fotografie

von Agnes Bührig

Mit welchen Schlüsselbegriffen können wir die jüngere Entwicklung der Fotografie im Kontext der Kunst einordnen? Mit dieser Frage befasst sich die Ausstellungsreihe "Kleine Geschichte(n) der Fotografie" im Sprengel Museum. Der zweite Teil verhandelt dabei so ungewöhnliche Begriffe wie "installative Fotografie" und "Leerstelle". Am Ende steht die Einzelposition "Night Watch" des britischen Fotograf Ian Wiblin.

Riesige rotstichige Fotos von einer Wohnung, die gerade renoviert wird. Kahle Wände, ungewöhnliche Blicke in Räume sind da auf den Bildern, durch bunte Farbflächen im Ausstellungsraum um sie herum werden sie noch plastischer. Eine Konzept, das gewollt ist, denn hier geht es um installative Fotografie, um Aufnahmen, die durch räumliche Gestaltung erweitert werden. Zugleich ist es ein Konzept der jüngeren Fotografiegeschichte, sagt Kurator Stefan Gronert.

Die ganze Ausstellung sei motiviert durch viele Reaktionen von Interessierten, von Besuchen, auch von Studierenden, die immer wieder sagen: "Na ja, ich finde eigentlich keinen richtigen Überblick über die neuere Fotografie und viele Bücher können das auch nicht bieten", erzählt Gronert. Er habe sich gedacht: "Wie kann man so etwas vermitteln?"Dabei habe er an den Essay von Walter Benjamin, 'Kleine Geschichte der Fotografie' gedacht.

In drei Teilen veröffentlichte Benjamin 1931 seine Gedanken zur zeitgenössischen Fotografie. Sein Essay war eine Art Komposition aus Rezensionen über Fotobücher der damaligen Zeit. Daraus leitete er Kategorien und Positionen der frühen, modernen Fotografie ab, die Orientierung boten. Doch eine kontinuierliche, historisch lineare Erzählweise ihrer Entwicklung fehlte seitdem.

Serien, Leerstellen und Poesie

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Für den Begriff der Serie werden in der Ausstellung Architekturfotografien von Hilla und Bernd Becher einer Fotoserie von Annette Kelm gegenübergestellt, in der sie in fünf Bildern unterschiedliche Stellungen zweier Waagschalen einer bunten Waage zeigt. Das Phänomen der Leerstelle verdeutlicht der Konzeptkünstler John Baldessari mit einer Arbeit, die kreisrunde Löcher in einem Foto zeigt, darüber der ausgeschnittene Bereich auf weißem Hintergrund. Eine weitere Ebene der Leerstelle zeigt der amerikanischen Fotograf Lewis Baltz.

Wie in den Kapiteln eines Lexikons lassen sich in den Räumen sehr anschaulich Konzepte der künstlerischen Fotografie durchdringen. Am Ende steht "Night Watch" des britischen Fotografen Ian Wiblin, Jahrgang 1960. 30 Schwarz-Weiß-Fotografien des nächtlichen Cambridge von 1995. Bilder an der Grenze von Stadt und Land - poetisch, fast schwarz, mit dem alten Silbergelatineverfahren aufgenommen. Als sei die Zeit stehen geblieben, ein Phänomen, das Wiblin als Fotografen und Filmemacher interessiert.

Orientierung in der neueren Entwicklung der künstlerischen Fotografie, ein spannender Ansatz der neuen Ausstellungen im Sprengel Museum.

Barbara Probst: "Exposure#32:N.Y.C., 249W. 34th Street, 01.02.05, 5:04 p.m.", 2005 Galerie Kuckei + Kuckei, Berlin © VG Bild-Kunst Bonn, 2020

Foto-Doppelausstellung im Sprengel Museum Hannover

NDR Kultur Klassisch unterwegs

Mit Schlüsselbegriffen der neueren Fotokunst befasst sich der zweite Teil der Ausstellungsreihe "Kleine Geschichte(n) der Fotografie" im Sprengel Museum in Hannover.

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