Stand: 14.11.2018 08:57 Uhr

Delia Jürgens erhält den Sprengel-Preis

von Agnes Bührig

Künstlerinnen und Künstler auszeichnen, die einen Bezug zu Niedersachsen haben und deren Schaffen einen wichtigen Beitrag zur zeitgenössischen Kunst leistet - das will der Sprengel-Preis für Bildende Kunst der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Alle zwei Jahre wird er vergeben, in diesem Jahr geht er an die in Hannover geborene Künstlerin Delia Jürgens. Anlässlich der Preisverleihung am Freitag zeigt das Sprengel Museum ihre Arbeiten in der ersten Museums-Einzelausstellung der Künstlerin - der Titel: "The future is but a second away". NDR Kultur hat bei der Entstehung der Ausstellung zugeguckt.

Delia Jürgens im Sprengel Museum

Delia Jürgens steht mit Kuratorin Carina Plath in der hohen Einblickshalle des Sprengel Museums und lässt den Blick gen Decke wandern. Dort, zwischen den Lampen auf dem Betonträger, müssen die Bohrlöcher für die Aufhängung eines ihrer Werke für die neue Ausstellung hin: eine flache, hohe Platte, gegossen in verschiedenen Lagen aus Paraffin. Die Position im Raum sei dabei nicht unwichtig, sagt Delia Jürgens.

"Fragmentierte Landschaften" hat sie eine ihre vier eigens für die Ausstellung gegossenen Paraffinflächen genannt. Es sind Wachsbilder in verschiedenen Grün- und Erdtönen. Wie die Lasierungen eines Aquarells haben sich die Farben übereinandergelegt und erinnern daran, dass die 32-Jährige neben Szenografie an der Hochschule Hannover auch Malerei an der HBK Braunschweig studiert hat. Durch die Temperatur in der Halle werden sich die Bilder dann weiter verändern, auch, wenn sie vermeintlich konserviert sind.

"Diese fragmentierten Landschaften sind ein Innehalten im Sinne eines Anhaltens", meint Delia Jürgens und ergänzt: "Um genauer zu beobachten, um sich auf das Visuelle einzulassen. Wenn das schnell vorbeiziehen würde, dann könnte man das ja gar nicht so greifen, als wenn man es anhielte. Und es gibt ja diesen fließenden Moment in der Gesamtkomposition."

Flüssigkeit als roter Faden

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Delia Jürgens lebt in Hannover und Los Angeles.

Denn etliche der acht Kunstwerke, die Delia Jürgens insgesamt im Raum positioniert, haben mit dem Thema Flüssigkeit zu tun. Die wassergefüllten, schwarzen Perlen etwa, die in Glaskuben langsam verdunsten werden und so deren Flächen kaum merklich verändern sollen. Dazu kommen frühere Arbeiten, bei denen sie reale Objekte wie Schlafsäcke mit Bildern von Natur aus der Foto-Datenbank überzogen hat.

Geschickte Überlagerungen und Schichtungen von analogem und digitalem Material, die die Jury des Sprengel-Preises überzeugten, sagt deren Vorsitzende Carina Plath und erklärt: "Ganz viele Sachen kommen zusammen, die eben auch in unserer Empfindung oder Lebenswirklichkeit längst zusammenkommen, was wir aber schon teilweise gar nicht mehr merken. "

Doppeldeutige Spielerei im Ausstellungsnamen

In der Ausstellungshalle ist inzwischen die Position für das vertikale Paraffinbild gefunden. Und schemenhaft lässt sich erahnen, wie alles zusammenkommen wird, ganz im Sinne des Titels der Ausstellung: "The future is but a second away".

"Ich finde es erst mal ganz gut, dass es auf so etwas Banales anspielt, also: Die Zukunft ist, aber eine Sekunde entfernt", beschreibt Delia Jürgens den Ausstellungsnamen: "Ich finde, da ist irgendwo auch ein sehr großer Humor drin und gleichzeitig birgt es natürlich auch eine Ernsthaftigkeit - inwieweit ist die Zukunft genau jetzt, obwohl sie auch schon wieder entschwunden ist und inwieweit etwas Ungreifbares greifbar und doch nicht greifbar ist."

Ab Sonnabend, den 17. November, ist Delia Jürgens' Ausstellung im Sprengel Museum zu sehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 14.11.2018 | 19:00 Uhr

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