Stand: 05.09.2019 15:34 Uhr

Bergen-Belsen zeigt Schau über KZ-Überlebenden

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Shaul Ladany steht vor einem Bild, dass ihn kurz nach seiner Ausreise in der Schweiz zeigt.

Die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen hat am Donnerstag eine Ausstellung mit Erinnerungsstücken des Holocaust-Überlebenden Shaul Ladany eröffnet. Der 83-jährige Wissenschaftler und Sportler entkam nicht nur im Jahr 1944 dem Konzentrationslager bei Celle. Er überlebte auch 1972 bei den Olympischen Spielen in München die Geiselnahme der israelischen Mannschaft durch palästinensische Terroristen. Die Schau "Lebensläufe. Verfolgung und Überleben im Spiegel der Sammlung von Shaul Ladany" ist bis zum 20. Dezember zu sehen

Ein Symbol für viele andere Menschen

"Ich stehe hier für alle, die in Bergen-Belsen waren", sagte Ladany, der gemeinsam mit seiner Tochter aus Israel zur Eröffnung anreiste. Die Ausstellung repräsentiere Zehntausende Menschen, die grauenvolle Jahre in dem Lager verbracht hätten. Er fühle sich geehrt, dass sein Leben exemplarisch vorgestellt werde, so Ladany.

Schätze aus der Sammlung von Ladany

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Ladany hat zahlreiche Erinnerungsstücke aus dem KZ und von den Olympischen Spielen 1972 gesammelt.

Für die als Wanderausstellung konzipierte Schau sichtete eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte Tausende Fotos, Dokumente, Postkarten und Zeichnungen im Haus von Ladany im israelischen Omer. "Sein Haus ist ein riesiges Holocaust-Museum in der Wüste", sagte der Leiter der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner. Ausgewählte Stücke der einzigartigen Sammlung zeigt die Ausstellung eingerahmt als Reproduktionen. Außerdem informieren Tafeln in sechs Kapiteln über die Hintergründe von Ladanys Lebensstationen.

Ausreise im Dezember 1944

Ladany war im Juli 1944 von den Nazis mit seiner Familie aus Ungarn in das KZ in der Lüneburger Heide deportiert worden. Er gehörte zu den wenigen jüdischen Häftlingen, die nach Verhandlungen von jüdischen Organisationen mit der SS im Dezember 1944 in die Schweiz ausreisen durften. Allein zwischen Januar und Mitte April 1945 starben in Bergen-Belsen Zehntausende Menschen, darunter auch die 15-jährige Anne Frank, die mit ihrem Tagebuch weltbekannt wurde.

Trauerfeier bei den Olympischen Spielen 1972 in München © picture-alliance / dpa

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Als Geher bei den Olympischen Spielen

Später wanderte der gebürtige Serbe nach Israel aus und wurde ein erfolgreicher Wissenschaftler und Sportler. Im Gehen stellte er über die 50-Meilen-Distanz einen Weltrekord auf. Beim Anschlag auf die israelische Delegation bei den Olympischen Spielen in München kamen am 5. September 1972 elf israelische Sportler und ein deutscher Polizist ums Leben. Ladany hatte sich zum Zeitpunkt des Überfalls in einem anderen Gebäude befunden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 05.09.2019 | 17:00 Uhr

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