Ilna Ewers-Wunderwald hat sich selbst als Tempeldienerin rechts neben die Göttin Kali ins Bild gezeichnet. © NDR Foto: Helgard Füchsel

Expedition Jugendstil: Auf den Spuren Ilna Ewers-Wunderwalds

Stand: 21.05.2021 14:34 Uhr

Einst gefeiert, nun wiederentdeckt: Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg zeigt ab dem 21. Mai in einer Sonderausstellung die Arbeiten der Jugendstilkünstlerin Ilna Ewers-Wunderwald.

von Helgard Füchsel

Ilna Ewers-Wunderwald war um 1900 eine bekannte Jugendstilkünstlerin. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde sie von der Kunstkritik gefeiert. Sie stellte erfolgreich in wichtigen Ausstellungen aus - wie der Berliner und Münchner Secession und der Großen Berliner Kunstausstellung. Aber dann wurde sie praktisch vergessen. Nach mehr als 100 Jahren wurde sie nun wiederentdeckt. Es gab bereits Ausstellungen in Berlin und am Bodensee. Die bisher größte Schau nach ihrer Wiederentdeckung wird am 21. Mai in Oldenburg im Horst-Janssen-Museum eröffnet.

Ilna Ewers-Wunderwald: geheimnisvoll, morbide, märchenhaft verwunschen

Geheimnisvoll, manchmal morbide und auch märchenhaft verwunschen - so wirken die Unterwasserwelten von Ilna Ewers-Wunderwald. Da starrt eine Seeschlange den Betrachter selbstbewusst aus goldenen Augen an. Ein Riesenkalmar schlingt seine Tentakel um alles, was ihm in die Quere kommt und ein Rotfeuerfisch präsentiert sein ausuferndes Flossenkleid. Die Museumsdirektorin Jutta Moster-Hoos ist fasziniert:

Eine Lupe oder Lesebrille bietet sich an, rechts die Kuratorin Antje Tietken. © NDR Foto: Helgard Füchsel
Die Arbeiten Ilna Ewers-Wunderwalds sind detailreich. Es bietet sich eine Lupe oder Lesebrille an, merkt auch Kuratorin Antje Tietken.

"Klar wir erkennen den Seestern und die Korallen, aber was sie daraus macht, sind solche mustergültigen Ornamente, ganz typisch. Und sie macht das mit einer unfassbaren Präzision und Kleinteiligkeit. Das ist echt irre. Wir überlegen, unseren Besuchern Lupen in die Hand zu geben, weil man ganz viel in diesen Blättern entdecken kann."

Eine Lupe oder Lesebrille empfiehlt sich besonders für die Zeichnungen, die von ihrer Reise nach Indien inspiriert sind - wie die Göttin Kali, über und über verziert mit feinen Ornamenten. Offensichtlich war die Künstlerin von ihrem Motiv beeindruckt, denn neben die Göttin hat sie kurzerhand sich selbst gezeichnet - als indische Tempeldienerin.

Wunderwald lässt indische Mythologie in Bilder einfließen

Ilna Ewers-Wunderwald gehört zu den ersten deutschen Künstlerinnen und Künstlern, die Indien bereist haben, berichtet der Kurator Sven Brömsel: "Demzufolge auch zu den Ersten, die die indischen Motive und indische Mythologie in ihre Bilder haben einfließen lassen. Sie war beispielweise schon vor Hesse in Indien und hat sich dann auch dementsprechend sehr intensiv damit auseinandergesetzt, bevor dieser Boom in den 1920er-Jahren begann."

Ehepaar bereist die Welt

Kurator Sven Brömsel neben der Weinkarte von Ilna Ewers-Wunderwald. © NDR Foto: Helgard Füchsel
Kurator Sven Brömsel deutet auf eine Weinkarte, die Ilna Ewers-Wunderwald gezeichnet hat.

Sie bereiste zusammen mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Hanns Heinz Ewers, die ganze Welt. Geld hatten sie kaum. Also schrieb er Reiseberichte und sie zeichnete Menükarten für die Schifffahrtsgesellschaft. Die kunstvollen Karten sind im Museum zu sehen.

"Und aus heutiger Sicht ist das natürlich irrwitzig: schon die Anfrage, sich mit Menükarten eine Weltreise von einer großen Schifffahrtsgesellschaft finanzieren zu lassen. Aber es hat funktioniert", berichtet Sven Brömsel.

Ausstellung zeichnet das Bild einer starken, emanzipierten Frau

Sie waren erste Hippies, sagt der Kurator. Insgesamt sind rund 75 Werke in der Schau zu sehen - Tier- und Pflanzenbilder, Skizzen, Buchillustrationen, eine Sitzbank, die sie entworfen hat und auch ein Kleid. Die Schneidermeisterin Dorothea Schachtschneider hat es eigens nach dem Entwurf von Ilna Ewers-Wunderwald genäht. Ein Abendkleid für eine freiheitsliebende Frau.

Schneidermeisterin Dorothea Schachtschneider hat dieses Reformkleid nach einem Entwurf der Künstlerin genäht. © NDR Foto: Helgard Füchsel
Schneidermeisterin Dorothea Schachtschneider hat dieses Reformkleid nach einem Entwurf der Künstlerin genäht.

"Es gibt viel Platz für Bewegung, was im Gegensatz dazu steht, dass vorher halt alles mit Schnürmiedern eingeschnürt war. Und deshalb nennt man diese Kleider auch Reformkleider, weil die Frau sich emanzipiert hat von diesem festen Zugeschnürten", erklärt die Schneidermeisterin.

Wen überrascht es da noch, dass Ilna Ewers-Wunderald sogar Herrenkleider trug, bevor das in den 1920er-Jahren in Mode kam. Der Kurator Sven Brömsel aus Berlin ist durch Zufall auf die Künstlerin gestoßen - durch eine Buchillustration. Darüber hinaus sei es schwer gewesen, Werke von ihr zu finden. Museen haben zu ihrer Zeit meist die Kunst der männlichen Kollegen angekauft, berichtet der Kurator.

Werke von Ilna Ewers-Wunderwald eröffnen einen inspirierenden Kosmos

"Ich habe versucht, bei nahen und entfernten Verwandten anzuklopfen, die dann auch Verwandte angerufen haben, die dann geguckt haben, ob noch jemand ein paar Bilder hat. Da gab es noch ein paar private Sammler, die dann wiederum mit der Hanns-Heinz-Ewers-Gesellschaft bekannt waren, woher ich dann eine Telefonnummer bekommen habe. Das war ganz, ganz mühselig und zeitaufwändig", so Brömsel.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Denn mit den Werken von Ilna Ewers-Wunderwald eröffnet sich den Betrachtern ein eigener inspirierender Kosmos.

Weitere Informationen
An der Fassade eines ovalen Gebäudes hängt der Schriftzug Horst Janssen Museum. © NDR Foto: Julius Matuschik

Kulturpartner: Horst-Janssen-Museum

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Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg zeigt die Ausstellung "Ilna Ewers-Wunderwald: Expedition Jugendstil".

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Horst-Janssen-Museum
Am Stadtmuseum 4-8
26121  Oldenburg
Telefon:
0441 235-2891
E-Mail:
info@horst-janssen-museum.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 21.05.2021 | 07:20 Uhr