Melanie Laurent als Liz im Film "Oxygen" © ZUMAPRESS.com / Getaway Films

Filmtipp: Alexandre Ajas Science-Fiction-Thriller "Oxygen"

Stand: 09.06.2021 17:00 Uhr

Das Drehbuch von Alexandre Ajas Science-Fiction-Thriller "Oxygen" landete 2016 auf der Liste der besten unverfilmten Ideen Hollywoods. Nun ist der Film des französischen Horror-Spezialisten mit Mélanie Laurent bei Netflix zu sehen. 

von Hartwig Tegeler

Der Horrorfilm hat sich in den letzten Jahren als Filmgenre erwiesen, um uns unsere Zeit, unsere Gesellschaft und deren Entwicklungsgefahren in einer Art prophetischem Blick sinnlich spürbar werden zu lassen. Hinter der Genre-Hülle. "Oxygen" ist ein Thriller, der nur in einem Raum spielt, aber Potenzial für schlechte Träume hat.

Die Luft in "Oxygen" wird immer dünner

Liz erwacht in der Kapsel, liegend - und Mélanie Laurent, die diese Frau spielt, wird in im Science-Fiction-Film "Oxygen" nicht laufen, nicht stehen, nicht sitzen: nur liegen. Eingesperrt. Irgendwo in einer sargähnliche Hülle. Irgendwo unter der Erde? Oder jenseits der Erde? Liz erwacht. Alptraum. Horror-Kammerspiel!

"Lass mich raus. Lass mich raus." "Ich fürchte, dass ich diesem Wunsch zurzeit nicht nachkommen kann", antwortet MILO, das "medizinische Interface zur Lebenserhaltung von Organismen", so die Selbstauskunft dieser KI. Aber für Liz wird es immer enger, die Luft immer dünner: "Noch 34 Prozent Sauerstoff."

Der Horror des Eingesperrtseins mit Mélanie Laurent

Der allwissende, aber auch Wissen zensierende Computer wird mit Liz kommunizieren, wird auch Kommunikation nach außen herstellen. Langsam findet Liz, die anfänglich nichts erinnert, heraus, was passiert ist. 

Hinter dem Horror des Eingesperrtseins wartet noch ein böserer Albtraum: Wir sehen eine Erinnerung von Liz, die aufblitzt: Menschen in Krankenhäusern, mit Masken oder Ganzkörperschutzanzügen - ein sehr realer Albtraum, von heute aus gesehen. Eine Pandemie hat in dieser Science-Fiction-Geschichte das Leben auf unserem Planeten unmöglich gemacht. So muss die Menschheit da draußen nach Lebensraum suchen. Ist das Liz' Aufgabe? Doch ein Asteroid demoliert das Raumschiff und 433 Überlebenskapseln von 10.000 werden zerstört. Und Liz wird durch einen technischer Fehler aufgeweckt.

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"Oxygen": Verbeugung vor anderen Klassikern

Gegen Ende dieses Kampfes ums Überleben, den Verstand, die Erinnerung und die Identität passiert einer der wenigen Kameraschwenks nach Außen, ins All: ein rotierendes Raumschiff und eine liebevolle Verbeugung von Filmemacher Alexandre Aja vor Stanley Kubricks "2001 Odyssee im Weltraum" und den anderen Klassikern des Genres. Und wir dürfen außerdem staunen, wie es möglich ist, eine Figur 97 Prozent der Filmzeit liegend in einer Art High-Tech-Sarg mit diversen Kommunikationseinheiten zu platzieren und dabei die Spannung aufrechtzuerhalten, die es braucht, um zur Grundfrage des Science-Fiction-Films zu kommen: Was sind wir? Und was haben wir mit unserem Planeten angerichtet, dass wir uns so weit da draußen im All herumtreiben müssen? Übrigens ist dieser böse Thriller, in dem sich sozialer, physischer, psychischer Horror und Science-Fiction herrlich verquicken, nichts für Spritzenphobiker und Klaustrophoben.

Oxygen

Genre:
Science-Fiction
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
mit Mélanie Laurent
Regie:
Alexandre Aja
Länge:
101 Min.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 09.06.2021 | 06:40 Uhr

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