Stand: 10.10.2019 10:44 Uhr

"Systemsprenger": Drama über ein Problemkind

Systemsprenger
, Regie: Nora Fingscheidt
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Auf der diesjährigen Berlinale erhielt der Film "Systemsprenger" den Alfred-Bauer-Preis. Es war der internationale Durchbruch für das Spielfilmdebüt der Regisseurin Nora Fingscheidt. Vor Kurzem wurde der Film über ein neunjähriges Mädchen, das aufgrund seines aggressiven Verhaltens durch alle Raster fällt, als deutscher Beitrag für die Kategorie "Bester internationaler Spielfilm" bei der Oscarverleihung vorgeschlagen.  

Ein Kind lutscht einen Lolli und schaut herausfordernd - Szene mit Helena Zengel aus Nora Fingscheidts Film "Systemsprenger" im Wettbewerb der Berlinale 2019 © kineo / Weydemann Bros. / Yunus Roy Imer

"Systemsprenger": Oscar-Kandidat aus dem Norden

Kulturjournal -

Benni wechselt häufig die Pflegefamilie, weiß nicht wohin mit ihrer Wut. Der aufrüttelnde Film "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt hat nun die Chance auf einen Oscar.

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"Systemsprenger" ist Nora Fingscheidts Herzensprojekt

Filmemacher, das war schon immer ihr Traumberuf und schon immer wollte die 36-jährige Nora Fingscheidt etwas über ein wütendes, wildes Mädchen machen. Aber diverse Ansätze für ein Drehbuch scheiterten.

"Ich habe in Stuttgart einen Dokumentarfilm gedreht über ein Heim für wohnungslose Frauen. Eines Tages zog ein 14-jähriges Mädchen ein. Ich war geschockt und die Sozialarbeiterin sagte nur, "die Systemsprenger, die dürfen wir immer an ihrem 14. Geburtstag aufnehmen." Das war der Moment wo ich dachte: System-was? Das ist ja spannend und habe angefangen zu recherchieren", erzählt die Regisseurin.

Das Resultat ist einer der außergewöhnlichsten und kraftvollsten deutschen Filme seit langem. Eine anstrengende, emotionale Achterbahnfahrt für alle Beteiligten, bei der sich Mitgefühl und Angst abwechseln.

Benni kommt immer wieder zu neuen Pflegefamilien

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Ruhige Momente gibt es selten. Manchmal hat die Mutter (Lisa Hagmeister) sogar Angst vor ihrer Tochter.

Benni ist neun und schwer traumatisiert. Immer wieder muss sie zu neuen Pflegefamilien, keiner kommt mit ihr zurecht. Wenn dieses unbändige Mädchen wütend wird, springen bei ihr alle Sicherungen raus. Dann kann sie kein Erwachsener mehr halten.

Der Begriff "Systemsprenger" stammt von Praktikern, die damit konfrontiert werden, dass das System für manche nicht funktioniert. Für Kinder wie Benni. Sie ist deshalb auch in ärztlicher Behandlung.

Überforderte Mutter wird von Lisa Hagmeister gespielt

Eigentlich möchte Benni nur zu ihrer Mutter, die von Lisa Hagmeister gespielt wird. Aber die Mutter ist hoffnungslos überfordert und hat Angst vor ihrem eigenen Kind. Es gibt immer einen Grund für sie, sich nicht um Benni zu kümmern und es ist herzzerreißend zu sehen, wie sich die verletzte Kinderseele immer wieder sehnsüchtig die Mutterliebe einfordert: Wenn Benni wegläuft und nachts vor der Tür steht, oder die Mutter anruft und das kranke Schwesterlein wieder einmal Vorrang hat.

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Frau Bafané (Gabriela Maria Schmeide) kümmert sich liebevoll um Benni.

Es gibt sie, die engagierten Mitarbeiter in den Heimen, wie Frau Befané, die sich liebevoll und unermüdlich um Benni kümmert und versucht, die Mutter zu motivieren.

Aber das System kann denen, die es sprengen, nicht helfen. Auch der Jugendpfleger Micha kann nichts tun. Als er sich zu sehr für Benni engagiert, bringt er seine eigene Familie in Gefahr.

Hauptdarstellerin Helena Zengel dreht mit Tom Hanks

Benni wird von der Kinderdarstellerin Helena Zengel mit einer unvergesslichen Wucht und Energie gespielt. Die Kleine steht derzeit mit dem großen Tom Hanks vor der Kamera.

Die Regisseurin ist derweil mit ihrem Herzensprojekt auf Kinotour, denn so großartig dieses Debüt ist, so ambivalent kann man der Thematik natürlich gegenüberstehen. Soll man sich das als Zuschauer wirklich antun? Man sollte.

Systemsprenger

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Helena Zengel, Albrecht Abraham Schuch, Gabriela Maria Schmeide
Regie:
Nora Fingscheidt
Länge:
125 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
19. September 2019

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NDR Info | Kultur | 18.09.2019 | 06:40 Uhr

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