Stand: 13.09.2022 12:13 Uhr

"Moonage Daydream": Umwerfende Ton- und Bildcollage über David Bowie

von Bettina Peulecke

Der fulminant in Szene gesetzte Dokumentarfilm über David Bowie trägt kaum klassisch biografische Züge. Regisseur Brett Morgan hat bewusst auf bewährte Formen verzichtet und eine faszinierende visuelle Symphonie geschaffen.

Er war einer der einflussreichsten Musiker der Rock- und Popgeschichte: David Bowie hat sich wie kaum ein anderer immer wieder selbst neu erfunden. Er schlüpfte im Laufe seiner Karriere in verschiedene Rollen, verkörperte Kunstfiguren wie "Ziggy Stardust" oder "Major Tom", er probierte immer wieder neue Musikstile, war Schauspieler, Produzent und Maler. Jetzt kommt der Dokumentarfilm "Moonage Daydream" über den Ausnahmekünstler in die Kinos.

Der Film beginnt mit Bildern vom Mond. Oft wurde darüber spekuliert, ob David Bowie nicht vielleicht ein Außerirdischer sei - dieser Mensch mit den markanten Gesichtszügen, einer größeren und einer kleineren Pupille, der mysteriösen Aura und androgynen Anmutung und der glänzenden Bühnenpräsenz eines nach den Sternen Greifenden.

"Moonage Daydream" trägt kaum klassisch biografische Züge

Dann sieht man den jungen David Bowie in verschiedenen Rollen, schillernden Kostümen und mit grellem Make-up. Man hört kreischende Fans und eine Reporterstimme im Off zählt die Fragen auf, die in Bezug auf Bowie kursieren.

Wer oder was er sei, ob Mann oder Frau, wo er herkommt, ist er ein Alien oder ein Roboter? Letztlich heißt es im Film: Was ist "Das"? "Das" ist das Phänomen David Bowie, das auch nach 140 Filmminuten nicht gänzlich enträtselt werden wird, Gott sei Dank. Denn der fulminant in Szene gesetzte, faszinierende Film des Dokumentarfilmers Brett Morgan trägt kaum klassisch biografische Züge. Er ist vielmehr eine umwerfende Ton- und Bildcollage, in der hauptsächlich der Künstler selbst zu Wort kommt. Eine Hommage, eine visuelle Symphonie, das dokumentarfilmische Äquivalent zum Werk und Künstler Bowie. Der Regisseur Brett Morgan hat bewusst auf bewährte Formen verzichtet.

"Dummerweise erwarten die meisten Menschen bei einem Dokumentarfilm über jemanden, besonders, wenn es sich um eine Ikone handelt, das ganz viele biografische Fakten und eine chronologische Erzählweise darin enthalten sein müssen", so Brett Morgen. "Obwohl das oft für die künstlerische Form des Films dann gar nicht von Vorteil ist."

Brett Morgan konnte aus dem Fundus von Bowies Archiv schöpfen

Von großem Vorteil war es, dass der Regisseur uneingeschränkten Zugang zum Privatarchiv David Bowies hatte. Als der Künstler 2016 verstarb hinterließ er ein enormes privates Archiv an Ton- und Bildmaterial. Die Rede ist von 5 Millionen Dokumenten aller Art. Aus diesem vollen Fundus konnte Brett Morgan schöpfen und sich der Figur so annähern, wie er es immer für seine Filme tut, denn der Regisseur dringt tief in die Materie ein. Wäre er ein Schauspieler, würde man es "method acting" nennen.

"Ich war schon immer daran interessiert keine Filme über etwas oder jemanden zu machen, sondern Filme, die selbst Ausdruck des Themas oder der Menschen sind, um die es geht", sagt Morgen. "Es ist ein bisschen wie die Personifizierung einer Sache. Und dafür muss ich mich sehr tief in die Denk- und Verhaltensweise, die Mentalität und Persönlichkeit hineinfinden, damit ich mich damit identifizieren kann."

David Bowie als selbstreflektierter Mensch & Künstler

Mal philosophiert Bowie, der Zeit seines Lebens dem Buddhismus zugetan war, über die Vergänglichkeit des Lebens, mal sinniert er darüber, ob er seine eigene, schüchterne Persönlichkeit hinter seinen Bühnenfiguren versteckte. Und immer vermittelt sich der Eindruck eines ungeheuer talentierten und selbstreflektierten Menschen, der Mitte 40 durch seine Ehe mit dem Model Iman scheinbar erstmals und endgültig zur Ruhe und zu sich selbst fand.

Oder um es mit den Worten David Bowies zu sagen: "Life is fantastic!" "Moonage Daydream" ist fantastisch. Wer vor diesem Film kein Bowie-Fan war, wird es danach garantiert sein.

 

Weitere Informationen
Julia Roberts und George Clooney am Set der Komödie "Ticket ins Paradies" von Regisseur Oli Parker ab September im Kino © 2022 Universal Studios. All Rights Reserved.

Filme 2022: Diese Highlights liefen im Kino

Das Kinojahr bot "Im Westen nichts Neues", Neues über Batman und Hits wie "Triangle of Sadness", "Minions 2", "Mittagsstunde" und "Top Gun: Maverick". mehr

"Moonage Daydream"

Genre:
Dokumentation | Musikfilm
Produktionsjahr:
2022
Produktionsland:
USA
Regie:
Brett Morgen
Länge:
134 Minuten
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
15. September 2022

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 14.09.2022 | 07:55 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Spielfilm

Rebecca Ferguson mit einer Tribal-Maske im Dunkeln als Lady Jessica im Film "Dune Part two" © 2023 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

Filme 2024: Diese Highlights kommen ins Kino

2024 locken Blockbuster wie "Poor Things" und "Dune 2" ins Kino. Auch von Nora Fingscheidt, Moritz Bleibtreu und vom "Joker" gibt's Neues. mehr

Der Arm einer Frau bedient einen Laptop, der auf einem Tisch in einem Garten steht, während die andere Hand einen Becher hält. © picture alliance / Westend61 | Svetlana Karner

Abonnieren Sie den NDR Kultur Newsletter

NDR Kultur informiert alle Kulturinteressierten mit einem E-Mail-Newsletter über herausragende Sendungen, Veranstaltungen und die Angebote der Kulturpartner. Melden Sie sich hier an! mehr

NDR Kultur App Bewerbung

Die NDR Kultur App - kostenlos im Store!

NDR Kultur können Sie jetzt immer bei sich haben - Livestream, exklusive Gewinnspiele und der direkte Draht ins Studio mit dem Messenger. mehr

Mehr Kultur

Schauspielerin Iris Berben am Eröffnungsabend der Berlinale 2024. © picture alliance/dpa Foto: Jens Kalaene

Iris Berben über Antisemitismus-Vorwürfe bei Berlinale: "Bin verstört"

Bei der Berlinale-Gala haben Redner Israel einen "Genozid" und "Apartheid" vorgeworfen - und dafür Applaus erhalten. Schauspielerin Iris Berben hat das am Bildschirm verfolgt. mehr