Stand: 26.08.2019 21:18 Uhr

Saviano-Verfilmung über Mafiakids in Neapel

Paranza - Der Clan der Kinder
, Regie: Claudio Giovannesi
Vorgestellt von Katja Nicodemus

"Gomorrha" hieß ein viel beachtetes Buch, das der italienische Autor und Journalist Roberto Saviano über die Mafia schrieb - es führte zu einer ebenfalls viel beachteten Verfilmung durch den Regisseur Matteo Garrone. Nun wurde ein weiteres Saviano-Buch verfilmt: "La Paranza dei Bambini - Der Clan der Kinder". Es ist Savianos erstes fiktionales Werk nach mehreren Recherchebüchern. Die Verfilmung feierte im Wettbewerb der Berlinale 2019 ihre Weltpremiere.

Szene aus dem Film "Paranza - Der Clan der Kinder" © 2019 PROKINO Filmverleih GmbH / Angelo Turetta

Filmtrailer: "Paranza - Der Clan der Kinder"

"Paranza - Der Clan der Kinder" ist die dokumentarisch anmutende Romanverfilmung von Roberto Saviano über Kinder, die in mäfiöse Strukturen geraten und die Macht übernehmen.

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Skrupellos bei ihrem Vorgehen in Neapel: die Jungen Nicola (Francesco di Napoli, l.) und Agostino (Pasquale Marotta).

Wahrscheinlich sollte eine Mutter stutzig werden, wenn der Sohn das Geld zum Ausgehen nicht annimmt. Besonders in Sanità, einem von der Gomorrha kontrollierten Viertel von Neapel. Der 15-jährige Nicola wird sein Geld bald durchs Drogendealen verdienen. Seine kriminellen Ambitionen gehen noch weiter. Alles beginnt mit der Anbiederung an den örtlichen Mafia-Clan.

In seinem Buch "Der Clan der Kinder" erzählt der italienische Autor und Mafia-Spezialist Roberto Saviano von einer Gruppe Halbwüchsiger, die in Neapel den mächtigen Mafiabossen nacheifern.

"Paranza - Der Clan der Kinder" spielt in den schmalen Gassen Neapels

Claudio Giovannesis gleichnamiger Film beobachtet seine jugendlichen Figuren mit einer dokumentarischen Kamera, die sich eng an ihre Fersen heftet. Sie zeigt ihre Körper in den engen Gassen so, dass man nicht immer weiß, welcher Arm oder welches Bein nun zu wem gehört. In jugendlichem Überschwang und mit sich langsam hochschaukelnder krimineller Energie wird alles gemeinsam gemacht - und am liebsten zusammen im Sportwarenladen eingekauft.

Roman zum Film

Roberto Saviano stellt neuen Mafia-Roman vor

Mit seinem Mafiabuch "Gomorrha" hat sich der Journalist und Autor Roberto Saviano vor zwölf Jahren viele Feinde gemacht. Nun hat er über jugendliche Mafia-Gangs geschrieben. mehr

Ist es Gier, Geltungsbedürfnis, eine fehlende Perspektive fürs Leben? Ist es die Stadt, die für ihre Kinder nur Abrackern oder Arbeitslosigkeit vorsieht? Oder ist es alles zusammen? Unaufhaltsam schlittern Nicola und seine Kumpel in eine mafiöse Karriere hinein. Als sich im örtlichen Gefüge der Clan-Bosse ein Machtvakuum ergibt, beschließen Nicola und sein Freund Agostino zum Angriff überzugehen. Nicola wird, wie all die anderen Jungs seiner Gang, von einem Laiendarsteller gespielt: Francesco Di Napoli.

 

Film orientiert sich an klassischen Mafia-Verfilmungen

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Die Freunde geraten immer tiefer in den Sog der Mafia. Der Gebrauch von Waffen ist für sie normal.

Nicola wird, wie all die anderen Jungs seiner Gang, von einem Laiendarsteller gespielt: Francesco Di Napoli. Dadurch, dass an Originalschauplätzen gedreht wurde und durch die unruhige Kamera entsteht ein gewisses realistisches Flair. Doch die Geschichte von "Paranza - Der Clan der Kinder" orientiert sich an Kinovorbildern und deren klassischen Stationen: Machtübernahme, erster Mord, das Verprassen des plötzlichen Geldregens, die ersten Rückschläge. So mafiakritisch sich der Film gibt, neigt er doch zu einer gewissen Verklärung. Nicola, die Hauptfigur, wird als Robin-Hood-Nachahmer gezeichnet, der eigentlich nur sein Viertel von den Schutzgelderpressungen befreien will. Ohne Knarre geht halt nichts.

Zwischen Sozialkritik und Romantisierung

Vor Jahren zeigte die Verfilmung von Roberto Savianos Recherchebuch "Gomorrha" die Trostlosigkeit von jungen Mafiakarrieren. Man folgte halbwüchsigen Aufschneidern, die irgendwann von einem Bagger am Strand vergraben werden. "Paranza - Der Clan der Kinder" kann sich nicht entscheiden: zwischen der Kritik an einer die Jugend verschlingenden Mafia und der Romantisierung der Nachwuchskriminellen, zwischen dokumentarischem Anspruch und fiktionaler Ausschmückung, zwischen Sozialkritik und dem faszinierten Blick auf ein AK47-Gewehr, das von sehr jungen Teenagern am Nationalfeiertag ausprobiert wird.

Paranza - Der Clan der Kinder

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Italien
Zusatzinfo:
mit Francesco Di Napoli, Ar Tem, Viviana Aprea, Alfredo Turitto, Valentina Vannino
Regie:
Claudio Giovannesi
Länge:
112 Min
FSK:
ab 16 Jahren
Kinostart:
22. August 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 22.08.2019 | 07:20 Uhr

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