Stand: 09.03.2017 06:20 Uhr

"Wilde Maus": Zahme Komödie mit Wiener Humor

Wilde Maus
, Regie: Josef Hader
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Josef Hader ist Österreichs erfolgreichster Kabarettist. Hierzulande ist er hauptsächlich durch seine Rolle als Privatdetektiv Brenner in diversen Verfilmungen von Wolf-Haas-Krimis bekannt. Nun gibt er sein Regiedebut auf der Leinwand: "Wilde Maus".

Filmbilder aus der Krimikomödie "Wilde Maus"

Vom Musikjournalisten zum Achterbahnbetreiber

"Wenn ich Sie weiterbeschäftige, dann müsste ich stattdessen drei Junge Redakteure rausschmeißen. Familienväter, alleinerziehende junge Mütter", sagt Georgs Chef, als er ihm kündigt. "Ah, mir kommen so die Tränen, wirklich..." In Wirklichkeit kommen dem gerade entlassene Musikkritiker, den Hader in seinem Film auch selbst spielt, nicht die Tränen, sondern in ihm steigt vor allem Wut empor. Denn seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind definitiv ziemlich eingeschränkt.

Josef Hader, der nach eigener Aussage nichts gelernt hat und daher Kabarettist wurde, hat sein berufliches Betätigungsfeld hingegen erweitert: Er ist Autor, Regisseur und Hauptdarsteller in "Wilde Maus". Das ist übrigens die Bezeichnung für einen bestimmten Typ von Achterbahn. Ein derartiges Fahrgestell findet sich auch auf dem berühmten Wiener Prater. Denn genau dort findet Georg eine neue Arbeit.

Für Josef Hader eine folgerichtige Kombination: "Dann hab ich mir gedacht, es soll ein Kritiker sein für klassische Musik; weil ich wirklich gern klassische Musik im Film haben wollte. Und dann habe ich mir gedacht, wo schick ich den hin, wo ich von der Bürgerlichkeit und von der Klassik irgendwohin schneiden kann, wo die mit Abstand grässlichste Musik spielt in der Nähe. Und dann hab ich mir gedacht, dass ist im Prater. Immer wenn ich da bin, ich finde es super dort, aber nach anderthalb Stunden krieg ich Schädelweh."

Die knackigen Dialoge verlieren an Biss

Es wäre übertrieben zu behaupten, man bekäme Kopfschmerzen beim Anschauen des Films, aber die anfangs messerscharfen Pointen und knackigen Dialoge verlieren nach einer guten halben Stunde deutlich an Biss. Georg, der arbeitslose Mann in der Midlifecrisis, grantelt sich so durchs Leben. Neben seiner Arbeitslosigkeit, von der er natürlich seiner Freundin nichts erzählt, bringt ihn auch noch ihr Kinderwunsch ziemlich ins Schleudern.

Es ist der wunderbare Wiener Schmäh, der vieles in der Geschichte rettet, der es nicht an Zutaten mangelt, aber an Schärfe. Denn wenn Georg zunehmend auf Rachefeldzug gegen seinen ehemaligen Chefredakteur geht - und das geht von Einbruch bis hin zum Mordversuch - oder sich gockelhaft in die Freundin seines Kompagnons verliebt, die natürlich seine Tochter sein könnte, hat das durchaus Potenzial und lässt auch vielfach subtil Gesellschaftskritik erkennen. Aber es bleibt zu zahm.

Als Schauspieler gibt Hader einen Mann, der in seiner Tonart durchaus an seinen Detektiv Brenner aus den Wolf-Haas-Verfilmungen erinnert. Sich selbst und seine Kollegen inszeniert er durchaus feinfühlig. Nur diese Satire über Mittelstandsexistenzen ist es leider über lange Strecken schlicht langweilig.

Wilde Maus

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Österreich, Deutschland
Zusatzinfo:
mit Josef Hader, Pia Hierzegger, Jörg Hartmann
Regie:
Josef Hader
Länge:
103 Min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
9. März 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 09.03.2017 | 06:20 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/film/Komoedie-Wilde-Maus,wildemaus132.html

Weitere Neustarts der Woche

Oscar-Gewinner: "Moonlight" von Barry Jenkins

In seinem Film "Moonlight" erzählt Barry Jenkins vom Erwachsenwerden eines schwarzen Jungen aus dem Armenviertel von Miami. Viele Passagen sind auch Teil seiner eigenen Geschichte. mehr

Mehr Kultur

00:38 min
03:52 min