Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi) und die Polizistin Zoë (Bettina Burchard) rätseln. Szene aus "Bretonische Spezialitäten" der Serie "Kommissar Dupin" © ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach Foto: Wolfgang Ennebach

"Kommissar Dupin" und andere Landschaftskrimis mit Traumquoten

Stand: 30.05.2021 06:00 Uhr

2020 ging es mit der Einschaltquote für die Serie "Kommissar Dupin" nach oben. Jetzt stellte "Bretonische Spezialitäten" einen neuen Publikumsrekord auf. Wieso erfreuen sich diese Krimireihen mit Landschaftsbezug zur Zeit so großer Beliebtheit?

von Bettina Peulecke

Mit mehr als sieben Millionen Zuschauern stellte "Kommissar Dupin" der neunte Film der Reihe "Bretonische Spezialitäten" einen neuen Publikumsrekord auf. Die Folge ist noch bis zum 6. November in der ARD-Mediathek zu sehen. Die Serie läuft inzwischen in 46 Ländern! Neben Dupin in der Bretagne sind die ermittelnden Kommissar-Kolleginnen und Kollegen in Kroatien und Lissabon ebenfalls erstaunlich erfolgreich unterwegs.

Krimi ist populäres Genre durch das Mitraten

"Generell ist Krimi ein sehr populäres Genre, weil er sehr vielen Wunschkonstellationen entspricht und er stellt Ordnung wieder her, was ja in der Wirklichkeit nicht immer der Fall ist", sagt Joan Bleicher, Professorin für Medienwissenschaft an der Universität Hamburg. Der Krimi liefere Spannung als Unterhaltungsprinzip und Partizipationsmöglichkeiten durch das Mitraten. "Das macht Krimis generell sehr attraktiv."

Krimis an touristischen Hotspots dienen als Ersatzreise

Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi) und die Polizistin Zoë (Bettina Burchard) ermitteln im Familienmord in der Folge "Bretonische Spezialitäten" der Serie "Kommissar Dupin" © ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach Foto: Wolfgang Ennebach
Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi) und die Polizistin Zoë (Bettina Burchard) betrachten die Tatwaffe in "Bretonische Spezialitäten"

Außerdem beobachtet die Medienwissenschaftlerin: "Hinzu kommt natürlich bei Krimis, die an touristischen Handlungsorten spielen, so diese zusätzliche Dimension der Ersatzreise. Also man ist in Regionen, wo man im Moment gar nicht hin kann oder sonst nur unter finanziellem Aufwand hin kann. Und dieses Gefühl des Handlungsortes, die Atmosphäre ist natürlich auch noch ein besonderer Reiz."

Die steinalten Festungsmauern der malerischen Hafenstadt Saint-Malo bieten eine großartige Kulisse für den neusten Fall von Kommissar Dupin. Eigentlich hat er aus privaten Gründen ein Spitzenrestaurant am Strand aufgesucht, aber als die Köchin ermordet wird, steckt er mittendrin in einem Fall mit Familiengeschichte. Dabei geht es um die Schwester der Toten, die lange Zeit den Ort verlassen hatte.

Pariser Kommissar Dupin: ortsfremd in der Bretagne

Kommissar Dupin stammt auch nicht aus der Bretagne, und für den Produzenten Mathias Loesel, der seit einem Schüleraustausch vor Ort eine persönliche Beziehung zur Bretagne hat, liegt darin auch das Geheimnis der Erfolges der Reihe: "Es ist das universelle Erzählen, was auch schon in den Romanvorlagen von Jean-Luc Bannalec drin steckt. Dass man durch einen Fremden, also den Pariser Kommissar Dupin, der strafversetzt wird, die Bretagne mit ihm entdeckt." Dies sei wahrscheinlich eine universelle Erzählform, die da gelungen sei. So dass egal sei, "ob ich als Deutscher, oder Franzose, oder Spanier oder Norweger diese Bretagne mit ihm entdecke."

Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi) und die Polizistin Zoë (Bettina Burchard) rätseln. Szene aus "Bretonische Spezialitäten" von "Kommissar Dupin" © ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach Foto: Wolfgang Ennebach
AUDIO: Traumquoten für Europa-Krimis wie "Kommissar Dupin" (5 Min)

Dafür spricht, dass Kommissar Dupin inzwischen in 46 Ländern läuft. Und das eigene Entdecken von anderen Ländern und Orten in Corona-Zeiten unmöglich oder nur sehr eingeschränkt machbar ist. Darauf weist auch Bleicher hin: "Diese Krimis gehören zu den Corona-Gewinnern. Es ist im Moment so eine gewisse Eskapismusfunktion zu beobachten. Die Leute flüchten sich aus ihrem etwas depressiven Alltag in die Welten der Fernsehunterhaltung und können sich dort ablenken."

Ablenkung und Eskapismus durch Regionalkrimis

Das Filmteam in der Folge "Bretonisches Vermächtnis" der Serie "Kommissar Dupin" © ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach Foto: Wolfgang Ennebach
Das gemütliche Sichten im Fernsehen dieser Krimi-Reihen stillt die Sehnsucht nach Altbewährtem.

Viele Zuschauer haben auch zunehmend bei Streaming-Diensten nach Ablenkung geschaut. Deren Serien sind aber häufig in dem aufeinander aufbauenden, sogenannten horizontalen Erzählformat produziert. Zur Zeit sehnen sich viele nach weniger Neuem und mehr Altbewährten, so Professorin Bleicher: "Man will auch zurück in das alte Leben und Streaming-Dienste stehen für das neue, digitale Leben. Das Fernsehen steht so ein bisschen für die alte Couch-Potato, für das passive Auf-dem-Sofa-Sitzen und sich einfach berieseln lassen. Streaming-Dienste erfordern sehr viele Eigenaktivitäten." Gerade dieser relativ passive Fernsehkonsum entspreche auch den Bedürfnissen der Menschen Zuhause.

Meistens abgeschlossene Einzelfolgen dieser Krimis

Die Erfolgskrimiserien aus der Bretagne, Portugal oder Kroatien sind nicht hochgradig kompliziert erzählt. Meistens handelt es sich um abgeschlossene Einzelfälle. Und dieses traditionelle Muster, die Kombination aus klassischer Polizeiarbeit mit bekanntem Frage-Antwort Schema und wunderbaren Landschaften und Sehnsuchtsorten trifft momentan mehr denn je den Nerv der Fernseh-Krimi-Zeit.

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NDR Info | Kultur | 27.05.2021 | 11:54 Uhr

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