Stand: 21.08.2018 11:21 Uhr

"Phänomen der Rechten ist weltweit im Gange"

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Spike Lee beschäftigt sich auch in seinem neuen Film ""BlacKkKlansman" mit Rassismus.

Spike Lee hat schon viele Filme gemacht, in denen die afroamerikanische Bevölkerung im Mittelpunkt steht. Die gesellschaftspolitischen Entwicklungen - nicht nur in den USA - verleihen diesem Film jedoch eine Aktualität, die für den Regisseur einen dringenden Aufruf zum Handeln darstellt.  In "BlacKkKlansman" geht es um die wahre Geschichte eines schwarzen Polizisten, der sich in den Ku-Klux-Klan einschleicht.

Ron Stallworth heißt der Mann, der all das, was Ihr Film trotz ernstem Hintergrund mit einer außergewöhnlichen Leichtigkeit erzählt, wirklich erlebt hat.  Eine unglaubliche Story - wieso ist noch niemand vorher darauf gekommen, diesen Stoff zu verfilmen?

Spike Lee:  Keine Ahnung, ich hatte weder von Ron Stallworth noch von dem Buch je gehört. Aber einer meiner Produzenten hat den Stoff ausgegraben und als er sagte es gehe um einen Schwarzen, der den Ku-Klux-Klan infiltriert, fand ich das von Anfang an verdammt witzig.

In der afroamerikanischen Geschichte war Humor immer eine Verteidigungswaffe. Ich kann mir kein ernsthafteres Thema vorstellen als das Ende der Welt. Und auch das ist schon auf sehr humorvolle Weise behandelt worden in Stanley Kubricks Meisterwerk "Dr. Strangelove - Oder wie ich lernte die Bombe zu lieben". Man muss nur aufpassen, dass man die Balance hält, sonst macht man alles kaputt.

Eine gute Mischung aus alt und neu ist auch inszenatorisch gelungen...

Lee:  Wir haben eine Menge Filme aus den 70ern geschaut, besonders "French Connection". Und wir haben auf 35-mm-Kodak-Film gedreht - damit wir den richtigen Look haben. Aber es sollte ja auch keine Geschichtsstunde werden, zwar historisch akkurat, aber eben auch aktuell.

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Regisseur Spike Lee bekam bei den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme für "BlacKkKlansman".

Ihr Film zeigt Historisches im Aktuellen und Aktualität im Historischen. "BlacKkKlansman" feierte seine Weltpremiere in Cannes, wo er mit dem großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Die Präsidentin, Cate Blanchett sagte, sie liebe den Film und er zeige eine spezielle Betrachtungsweise dessen, was aktuell in Amerika passiere ...

Lee: Ich liebe Cate Blanchett und halte sie für eine der größten Schauspielerinnen unserer Zeit - aber sorry, das ist falsch! Das Phänomen der Rechten ist weltweit im Gange! Und wenn Zuschauer außerhalb der USA denken, das sei ein amerikanisches Problem, weil sie keine Ku-Klux-Klans haben, dann kann ich nur sagen: "Wacht auf!" Die Rechten-Bewegungen weltweit werden genährt durch das Schüren von Angst vor Emigranten. Und das Ziel ist die Abschottung. Und wir müssen wachsam sein und dagegen angehen, egal wer sie sind und in welchem Land sie sind!

Viele Medien in den USA haben ihren Film positiv besprochen. Der TV-Sender "Fox News" hat sich bisher nicht dazu geäußert, und es gibt auch noch keinen Tweed von Trump diesbezüglich ...

Lee: Na ja, vielleicht kommt der noch ... Aber ehrlich, Ich brauche "Fox News" nicht, um meinen Film zu beurteilen. Es gibt viele Leute, die sich "Fox News" nicht anschauen, weil sie wissen, dass die sowieso nur alles unterschreiben, was Trump verbreitet,  als wäre es das Evangelium. Ich habe das wirklich noch nie erlebt. Ich meine, Politiker sind eben Politiker, aber diese Leute haben keine Scham! Sie lügen und sie wiederholen ihre Lügen so oft, bis sie sicher sind, dass sie geglaubt werden. Trump ist kein guter Mensch, er hat kein Gewissen und keine Seele. Er kniet nieder vor dem allmächtigen Dollar und es geht ihm nur um eines: Geld, Geld, Geld.  

Die Frage, ob Filme die Welt verändern können ist auch nicht neu ...

Lee: Die Frage, ob Kunst die Welt verändern kann ist so alt wie die Kunst selbst. Ich glaube fest daran, dass Kultur die Welt beeinflussen kann - und das beinhaltet Filme. Und ich habe den persönlichen Beweis dafür: Ende der 90er-Jahre habe ich einen Dokumentarfilm gemacht: "Four little Girls", beschäftigt sich mit einem Bombenanschlag auf eine Baptistenkirche in Birmingham, Alabama, 1963. Der Ku-Klux-Klan war dafür verantwortlich. Gut eine Woche nach dem Anschlag wusste man, wer die Täter waren. Viele Jahre wurde nicht ermittelt. Am Tag nach der Filmpremiere in New York hat das FBI mich angerufen und gefragt, ob sie eine Kopie haben könnten. Die Ermittlungen wurden wieder aufgenommen und die Täter kamen ins Gefängnis! 

Das Interview führte Bettina Peulecke

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 22.08.2018 | 06:55 Uhr

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