Stand: 18.05.2019 21:37 Uhr

Hark Bohm: Der Vater des Autorenfilms wird 80

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Der Filmemacher lebt heute im Haus seines Großvaters in Hamburg.

Sein Vater drängte ihn zum Jurastudium, doch Hark Bohm wollte lieber Geschichten erzählen - und wurde einer der bekanntesten Filmemacher Deutschlands. Am Sonnabend feierte der Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler und Produzent seinen 80. Geburtstag.

Kindheit auf Amrum

Geboren in Hamburg-Groß Flottbek, verbringt Hark Bohm seine Kindheit bei seinem Großeltern auf der Nordseeinsel Amrum. Er soll dort dem Krieg entgehen. Die Insel, die Natur, das Dörfliche und der weite Horizont prägen ihn tiefgreifend: "Da hatte man nicht mal ein Radio. Man hatte das, was die Omas erzählten", so Hark Bohm heute.

Der Regisseur Hark Bohm steht in einem Sendestudio. © NDR

Hark Bohm im Gespräch

NDR Info - Der Talk -

Er ist Filmregisseur, Drehbuchautor und gibt sein geballtes Fachwissen an junge Filmschaffende weiter: Der Hamburger Hark Bohm prägt seit Jahrzehnten die deutsche Filmszene.

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Nach Abitur und Studium in Hamburg geht er für sein Referendariat Ende der 1960er-Jahre nach München. Dort bekommt er über seinen Bruder, den 2006 verstorbenen Schauspieler und Drehbuchautor Marquard Bohm, Kontakt zu jungen Filmschaffenden. "Es gab Kneipen, in denen man zusammen hockte. Und so fing man an, herumzuspinnen", erinnert sich Hark Bohn.

Keimzelle des Neuen Deutschen Films

Er lernt die jungen Filmemacher Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog und Volker Schlöndorff kennen und spielte in ihren Filmen Nebenrollen, so etwa in den Fassbinder-Filmen "Der Ehe der Maria Braun" (1978) und "Berlin Alexanderplatz" (1980).

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Der junge Filmemacher Bohm - hier 1976 in der "Aktuellen Schaubude" - bringt politische und sozialkritische Themen ins Kino.

Doch auch die Arbeit hinter der Kamera fasziniert ihn. Mit Wim Wenders, Hans W. Geissendörfer und anderen Autorenfilmern gründet Hark Bohm 1971 den Filmverlag der Autoren. Der Filmverleih versteht sich als Gegenmodell zur auf seichte Unterhaltung ausgelegten deutschen Filmindustrie. Der Filmverlag entwickelt sich zur Keimzelle des Neuen Deutschen Films, der für seinen politischen Anspruch bekannt wird - und dafür, dass die Regisseure ihre Drehbücher weitgehend selbst schreiben.

Erste Spielfilme handeln von Jugendthemen

1972 dreht Hark Bohm mit "Tschetan, der Indianerjunge" seinen ersten großen Spielfilm: Das Regiedebüt wird mehrfach ausgezeichnet. Sein Kameramann ist Michael Ballhaus - für den jungen Regisseur ein Glücksfall, Ballhaus habe ihm das Filmen beigebracht, so Bohm. "Der erklärte mir erst, wie man ein Bild auflöst." 1975 und 1977 folgen mit "Nordsee ist Mordsee" und "Moritz, lieber Moritz" sozialkritische Jugendfilme. Bis heute genießt "Nordsee ist Mordsee", die Geschichte zweier jugendlicher Ausreißer, zu der Udo Lindenberg die Filmmusik verfasste, Kultstatus.

Hark Bohm als Lehrer und Drehbuchautor

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Mit dem Hamburger Regissseur Fatih Akin ist Hark Bohm freundschaftlich verbunden.

1979 initiiert Hark Bohm zusammen mit den Regisseuren Werner Herzog, Volker Schlöndorff und Wim Wenders das Filmfest Hamburg. 1992 gründet er den Studiengang Film der Universität Hamburg, der 2004 in die Hamburg Media School integriert wird und hat dort auch einen Lehrstuhl inne. Ab 1992 hat er dort auch eine Professur inne. Viele seiner Studentinnen und Studenten werden später selbst bekannt.

2016 schreibt Bohm gemeinsam mit dem Hamburger Regisseur Fatih Akin und Lars Hubrich das Drehbuch zur Verfilmung des Romans "Tschick" von Wolfgang Herrndorf. Gemeinsam mit Akin entsteht auch das Drehbuch zu "Aus dem Nichts" (2017), für das Akin und Bohm 2018 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet werden.

Hark Bohm privat

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Hark Bohm mit seiner Frau Natalia Bowakow 2018 bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises.

Mit seiner Frau, der Mongolei stammenden Filmproduzentin Natalia Bowakow, zieht Hark Bohm sechs Adoptiv- und Pflegekinder auf, darunter Uwe Bohm, der bereits eine Hauptrolle in "Nordsee ist Mordsee" spielte und später als Schauspieler bekannt wird. Neben der großen Leidenschaft für den Film und für seine Familie hat Hark Bohm vor allem zwei weitere Interessen: das Beobachten von Vögeln und das Segeln. Er lebt mit seiner Frau in Hamburg.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Der Talk | 17.05.2019 | 21:05 Uhr

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