Stand: 16.01.2019 17:00 Uhr

Michael Moore über Donald Trump und die USA

Fahrenheit 11/9
, Regie: Michael Moore
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Michael Moore gehört zu den erfolgreichsten Dokumentarfilmern Amerikas, mit "Bowling for Columbine" gewann er einen Oscar. Sein Stil ist unverwechselbar: Er polarisiert und beschäftigt sich in seinem neuen Film "Fahrenheit 11/9" mit einem Mann, der das ebenfalls tut - Donald Trump.

Die Präsidentschaftswahl 2016

Es ist der Morgen des 9. November 2016 - auf dieses Datum spielt der Filmtitel an - der Tag also, an dem ein Wahlsieg Trumps für ziemlich unmöglich gehalten wurde. Der Filmemacher und politische Aktivist Michael Moore allerdings, Aushängeschild des linken Amerika, war einer der wenigen, die schon im Vorfeld ahnten, was da auf ihr Land zukommen könnte. Er sollte Recht behalten. Im Film schildert er, wie es zu diesem - aus seiner Sicht - Unrecht hatte kommen können. Er zeigt die Fassungslosigkeit bei den Demokraten als die Niederlage immer klarer wurde und Reaktionen bei Donald Trump und seinen Helfern.

In der ersten halben Stunde wird der Schock aufgearbeitet: Wie konnte es dazu kommen, dass dieser "bösartige Narzist" Präsident werden konnte? Die Antworten sind zunächst reine Satire.

Ernste Satire mit Unterhaltungswert

Moore beschäftigt sich, zwar unterhaltsam wie immer, aber dennoch sehr ernsthaft mit Ursachenforschung. Er zeigt Rick Snyder, den Gouverneur von Michigan, der eiskalt wirtschaftliche Interessen verfolgte und dafür die Bürger mit vergiftetem Wasser versorgte, als Vorbild für Trump.

Moore geht ins Landesinnere und spricht mit Menschen in Gegenden, in die sich Politik-Kommentatoren selten verirren. Auch die Demokraten kriegen ihr Fett weg und Moore deckt auf, dass die Demokraten bei den Vorwahlen Ergebnisse gefälscht haben, zu Gunsten von Hillary Clinton.

Für Moore ein Grund dafür, dass das Gros der Amerikaner daraufhin nicht wählen gegangen ist. Er sagt: "Wenn Menschen immer wieder spüren, dass ihre Stimme nicht zählt, dass sie vollkommen egal ist, und wenn sie das verinnerlichen, wird dieser Vertrauensbruch zum Todesurteil für die Demokratie."

Michael Moore ist ein Anwalt der kleinen Leute

Dass Moore am Ende Trump mit Hitler gleichsetzt, könnte selbst seinen Freunden zu weit gehen. Aber er veranschaulicht sehr nachvollziehbar, Schritt für Schritt, was einen Autokraten ausmacht - und sieht es bei Trump bestätigt. Die Deutschen werden dabei das seinerzeit "intelligenteste Volk der Erde" genannt- und trotzdem: "Im November 1932 wählten sie einen österreichischen Einwanderer zu ihrem Führer. Er hatte keine politische Erfahrung und redete nicht wie die etablierten Politiker. Er nannte die Dinge einfach beim Namen. Wie erfrischend."

Mit "Fahrenheit 11/9" ist Michael Moore fast zu seiner alten Form zurückgekehrt. Erneut zeigt er sich als Sprachrohr und Anwalt derer, die sonst nicht gehört werden. Er schafft es, die Probleme der kleinen Leute in den großen Zusammenhang zu stellen und nach Alternativen Ausschau zu halten. Einmal mehr ist eine Stärke des Films dabei auch seine Schwäche: Wer Moore und seine Agitprop-Methoden nicht mag, wird wahrscheinlich auch vor den scharfen Analysen und Denkansätzen die Augen verschließen. Das ist schade, denn diesen Film sollten wirklich viele Menschen sehen.

Fahrenheit 11/9

Genre:
Dokumentation
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
USA
Regie:
Michael Moore
Länge:
128 Min.
Kinostart:
17. Januar 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 17.01.2019 | 06:20 Uhr

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