Stand: 17.07.2019 12:30 Uhr

Disney im Realverfilmungs-Wahn

von Anna Wollner

1994 hat Disney hat einen echten Klassiker erschaffen: "Der König der Löwen". 25 Jahre später, also jetzt, kommt die Geschichte um Simba, seinen Vater Mufasa und Onkel Scar erneut ins Kino. "Der König der Löwen" ist eine Realverfilmung - wenn man davon im Zusammenhang mit Löwen überhaupt sprechen kann.

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Die wohl bekannteste Szene aus "Der König der Löwen" - die Geburt von Löwenbaby Simba.

Es sind Bilder, die fast jeder sofort präsent hat. Die ersten Minuten aus "Der König der Löwen". Die aufgehende Sonne über der Steppe, ein langer Kameraflug über die spektakuläre Landschaft, die Tiere, die sich um den Felsen der Löwen versammeln um einen Blick auf den neuen Thronfolger zu werfen, das Löwenbaby Simba. Es ist altbekannt und doch neu. Zumindest visuell. Denn im "König der Löwen" sitzt jedes Tierhaar, jeder Grashalm in der Savanne bewegt sich im richtigen Winkel und jedes Sandkörnchen vibriert an der richtigen Stelle, wenn ein Löwe vorbei sprintet und seinen Fußabdruck hinterlässt.

Szene aus dem Remake von "Der König der Löwen" © 2019 Disney Enterprises, Inc.

Filmtrailer: "Der König der Löwen"

Im Jahr 1994 schuf Disney den Filmklassiker "Der König der Löwen". Jetzt kommt der Film erneut ins Kino - doch diesmal sind die Tiere so real wie möglich.

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Tierdoku oder Animationsfilm?

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Schauspieler und Produzent Jon Favreau ist der Regisseur des neuesten Disney-Films "Der König der Löwen".

Ein Film, so fotorealistisch, dass er verblüffend echt aussieht, mehr wie eine echte Tierdoku als ein Animationsfilm aus dem Hause Disney. Doch so spektakulär die Bilder sind, so altbekannt ist die Geschichte. Regisseur Jon Favreau erzählt nahezu Eins zu Eins den Klassiker nach. Seine Version ist kein Remake, sondern eher ein Cover. Für ihn war das eine bewusste Entscheidung. "Anders als noch bei 'Das Dschungelbuch', glaube ich, dass die Leute zu vertraut mit der ursprünglichen Geschichte sind, um da wirklich etwas zu verändern. Egal, ob sie den Film kennen oder das Musical", sagt der Regisseur. "Wir haben ein paar ikonische Szenen wirklich Bild für Bild, Satz für Satz, Einstellung für Einstellung übernommen. In anderen Momenten hatten wir mehr Freiheiten, aber wir wollten immer nah am Original bleiben."

Geschichten mit neuer Technologie erzählen

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In den Remakes geben sich Hollywoodstars die Ehre, wie Will Smith als Genie in "Aladdin".

Nah am Original bleiben, die Nostalgie-Welle ausnutzen und die Vormachtstellung in Hollywood weiter ausbauen. Das ist die aktuelle, erfolgreiche Strategie von Disney, das zum größten Player in Hollywood geworden ist. Vier, der bisher erfolgreichsten Filme des Jahres stammen alle von Disney. Das Studio hat Star Wars, Pixar, das Marvel Universum und das Konkurrenzstudio Fox geschluckt. Seit ein paar Jahren legt Disney zudem noch den eigenen Katalog neu auf. Egal ob "Cinderella", "Die Schöne und das Biest", "Mary Poppins" oder "Aladdin" - die Realverfilmungen der Zeichentrick-Klassiker sind ein lukratives Geschäft. Für Jon Favreau gehört das wie selbstverständlich zur Tradition Hollywoods, Geschichten mit neuer Technologie noch einmal zu erzählen: "Es ist doch spannend zu sehen, wie über die Jahrzehnte Geschichten erzählt werden und sich verändern. 'Der König der Löwen' von 1994 wird immer der Film sein, mit der eine ganze Generation groß geworden ist. Aber die nächste Generation wird vielleicht mit meinem groß werden. Sie wollen einen anderen Look, einen anderen visuellen Ansatz. Und den haben sie jetzt."

Absurde Kritik für Remake von Arielle

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"Das Dschungelbuch" war 2016 die erste Disney-Realverfilmung von Regisseur Jon Favreau.

Dabei öffnet sich Disney ganz langsam und behäbig auch dem Zeitgeist - und erntet mitunter absurde Kritik. Bei der Ankündigung des Remakes von "Arielle, die Meerjungfrau" - mit der schwarzen Sängerin Halle Bailey in der Hauptrolle - löste die Hautfarbe der Schauspielerin, unter dem Hashtag #notmyarielle, einen Shitstorm von weißen Menschen aus. Absolut überflüssig, findet Jon Favreau: "Es ist eine Möglichkeit, eine Geschichte dem Zeitgeist anzupassen und in den gegenwärtigen Kontext des Entstehungsprozesses zu integrieren. Immerhin haben wir das Jahr 2019. Solange wir der Geschichte und den erzählerischen Mythen, auf denen sie basiert, treu bleiben, sollten wir jede Chance nutzen, uns zu öffnen und von alten Traditionen lösen. Vor und hinter der Kamera."

Bei "Der König der Löwen" hat Disney allerdings eine Chance liegen lassen. Der Film ist eine Eins-zu-Eins-Replik des Originals, mit atemberaubender Technik - aber ohne Herz.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 18.07.2019 | 15:55 Uhr

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