Stand: 07.12.2017 09:58 Uhr

"DARK": Krimidrama im Gewand einer Mystery-Serie

von Uli Sarrazin

Amerika und Großbritannien sind bislang die großen Player, was die Produktionen beim Streamingdienst Netflix angeht. Verständlich also, dass die erste deutsche Serie, die jetzt auf Netflix läuft, mit großer Spannung erwartet wurde. Seit Anfang Dezember nun, läuft "DARK". Ein Gespräch dazu mit Kino-Redakteur Uli Sarrazin.

NDR Kultur: Worum geht es in der Serie?

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Louis Hofmann spielt die Figur des jungen Jonas Kahnwald.

Uli Sarrazin: Der Ausgangspunkt der Geschichte liegt im Jahr 2019 In der deutschen Kleinstadt Winden, dort ist ein Junge verschwunden und keiner weiß, ist der weggelaufen oder ist ihm etwas zugestoßen. Als dann noch ein weiteres Kind unter mysteriösen Umständen von der Bildfläche verschwindet, macht sich natürlich langsam Panik breit und der Druck auf die ziemlich ahnungslose Polizei wächst. Soviel zum Krimidrama.

Sarrazin: Zur Mystery-Story wird das Ganze, weil wir erfahren, dass sehr ähnliche Vorfälle 1986 schon einmal passiert sind und die Protagonisten aus dem Hier und Jetzt damals auch schon beteiligt oder betroffen waren und das Gleiche gilt ebenfalls für das Jahr 1953. Also, immer im Abstand von 33 Jahren verschwinden Kinder oder - und da wird es dann endgültig mysteriös - sie tauchen auf. Die Erklärung ist: Unter der Kleinstadt, genauer unter dem örtlichen Atomkraftwerk, gibt es einen Tunnel und der ist so etwas wie ein Zeitloch und durch das verschwinden Menschen oder tauchen eben wieder auf.

Klingt ziemlich kompliziert. Ist "DARK" also keine leichte Serienkost?

Sarrazin: Ich habe eine Folge sogar zweimal geschaut, weil es irgendwann doch ziemlich dramatisch relativitätstheoretisch wurde. Das soll aber gar keine Kritik sein, denn was die Autoren und das Regieteam da konstruiert haben, ist schlüssig - nur eben manchmal sehr kompliziert.

Haben Sie ein Beispiel?

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Jonas Kahnwald (Louis Hofmann) und Martha Nielsen (Lisa Vicari) kommen sich näher.

Sarrazin: Der Hauptdarsteller, dessen kleiner Bruder 2019 verschwunden ist, ist der erste, der diesen Zeittunnel für uns entdeckt. Was er auch herausfindet ist, dass besagter Bruder durch diesen Tunnnel verschleppt wurde, also folgt er ihm ins Jahr 1986. Dort findet er den Kleinen auch, kann ihn aber nicht mit zurücknehmen. Er erfährt, dass der kleine Bruder im Jahr 2019 als erwachsener Mann eine Familie mit zwei Söhnen haben wird. Und nun raten sie mal, wer die beiden Söhne sind.

Klingt, als ob man einen Abschluss in Astrophysik bräuchte. Und was ist Ihr Resümee? Lohnt sich die erste deutsche Netflix-Serie oder nicht?

Sarrazin: Die Antwort ist ein entschiedenes "Jein". Der amerikanische Einfluss ist Fluch und Segen zugleich. Die Story an sich ist ziemlich genial und schlüssig. Das Gleiche gilt für das Casting. Soll heißen: durchgängig tolle Schauspieler von Louis Hofmann über Jördis Triebel, Karoline Eichhorn oder Oliver Masucci. Das Problem ist nur, die Schauspielleistung säuft in der Produktion ziemlich ab. Das liegt zum einen am übermächtigen Soundtrack, der mir immer wieder mit den gleichen Motiven signalisiert: Achtung! Jetzt wird's unheimlich, doch das Gegenteil tritt dadurch ein. Und außerdem kriegt die Story irgendwann zu viele Handlungsstränge - eine typische Schwäche amerikanischer Serien. Abschließend: Das Ende ist dermaßen offensichtlich auf eine mögliche Fortsetzung getrimmt, dass es einen fast anödet. Als Serienfan würde ich sagen: Das ist, als ob man seine Lieblingsspeise vorgesetzt bekommt - es ist aber zu viel Gewürz drin.

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