Stand: 25.03.2020 12:33 Uhr  - NDR Info

Kinos in der Krise: Alle haben die gleichen Probleme

von Bettina Peulecke

Wie alle Bereiche des öffentlichen Lebens sind auch die Kinos von der Corona-Krise betroffen. Erst wurden Kinostarts wie der neue James-Bond-Film "Keine Zeit zum Sterben" verschoben, dann wurden flächendeckend die Kinos geschlossen. Zunehmend haben sie mit existenziellen Nöten zu kämpfen.

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Egal ob Programmkino oder große Kette: Für fast alle Kinos in Deutschland ist die Krise existenzbedrohend.

Für fast alle Filmtheater sind die Schließungen eine Frage der Existenz. Ein oder zwei Wochen wären für die meisten Kinos noch gut zu verkraften gewesen, doch die Maßnahmen könnten durchaus noch bis in den Juni hinein andauern. Es trifft die großen Ketten genauso wie die Kleinen Arthouse-Häuser.

Tobias Roßmann ist Geschäftsführer des Programmkinos "Casablanca" in Oldenburg. Ein Familienunternehmen in zweiter Generation, das sich Sorgen um seine Mitarbeiter macht. Das Kurzarbeitergeld, das die Bundesregierung im Rahmen ihres großen Hilfspakets angekündigt hat, hat Roßmann für die betroffenen Mitarbeiter bereits beantragt. "Wir haben aber auch viele Studenten, die als Minijobber arbeiten. Für die gibt es das zum Beispiel nicht, was glaube ich in der öffentlichen Diskussion auch manchmal ein bisschen untergeht", sagt Roßmann. "Wir überlegen, was wir da für eine Lösung finden können. Doch man wohl auch noch abwarten, ob da noch weitere Entscheidungen aus der Politik kommen."

Deutsche Kinos verlieren jede Woche 17 Millionen Euro

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17 Millionen Euro verlieren die deutschen Kinos laut Christine Berg jede Woche.

Abwarten müssen alle Kinobetreiber - und alle haben die gleichen Probleme. 17 Millionen Euro Verlust machen die Kinos in Deutschland jede Woche, wie Christine Berg vom Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino) sagt.

"Das Problem ist, dass es hohe Fixkosten gibt, die kaum zu reduzieren sind", sagt Berg. "Jeder muss seine Miete zahlen, jeder muss Strom zahlen." Was die Kinos aber eben auch versuchen - und was ganz wichtig sei -, ist, die Beschäftigten zu halten. "Denn sie sind ein Teil der Familie. Kino hat ja auch viel mit Leidenschaft und mit Familie zu tun. Und wenn die Kinos wieder aufmachen, braucht man auch wieder Manpower", schildert Berg. "Das sind alles Fixkosten und die 17 Millionen sind leider nicht zu reduzieren."

Filmförderung, Politik und Kino-Fans helfen

Inzwischen gibt es auf zwei Ebenen Hilfe. Zum einen überlegen die Filmförderungsanstalten, wem sie wie unter die Arme greifen können: vom Produzenten über die Verleiher bis zu den Kinos. Zum anderen gibt es für die ganz kleinen Kinos die Direktmaßnahmen für Unternehmen bis zehn Mitarbeiter. Die meisten Betriebe beschäftigen allerdings mehr.

Außerdem gibt es Solidaritätsaktionen und Spenden von Privatpersonen, dem Publikum - ohne das das Kino nicht leben kann und das wiederum ohne sein Kino nicht leben möchte. Matthias Ellwardt vom unabhängigen Zeise-Kino in Hamburg sieht die Hilfsbereitschaft, ordnet sie aber auch realistisch ein: "Wenn man sich überlegt, was unsere täglichen und monatlichen Kosten sind, dann ist das über eine Solidaritätsaktion gar nicht abzubilden. Das ist quasi ein Tropfen auf den heißen Stein."

Doch steter Tropfen höhlt bekanntlich auch den Stein - und Optimismus, Kreativität und Durchhaltevermögen sind gefragt. "Ich bin zuversichtlich, dass das Kino als sozialer Ort weiter attraktiv sein wird", sagt Tobias Roßmann vom Oldenburger "Casablanca". "Das Kino hat schon viele Krisen überstanden und ich denke, wir werden auch diese Krise überstehen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 26.03.2020 | 09:55 Uhr

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