Mit der Janosch-Geschichte "Oh, wo schön is Panama" hat die Fritz-Reuter-Bühne die Spielzeit am Mecklenburgischen Staatheater eröffnet - undzwar im Schweriner Zoo und auf Plattdeutsch. © NDR Foto: Thomas Naedler

Theater in Schwerin: Janosch zum Spielzeitauftakt im Zoo

Stand: 02.09.2022 13:13 Uhr

Ins Land ihrer Träume reisen Bär und Tiger in der neuen Inszenierung der Fritz-Reuter-Bühne. "Oh, wo schön ist Panama", so der plattdeutsche Titel, wird im Schweriner Zoo gespielt und soll danach durch das Land reisen.

von Thomas Naedler

Von fern brüllt der Löwe, flöten die Gibbons, Papageien kreischen in den Volieren: Die Athmosphäre, in der Bär und Tiger in dieser Inszenierung der Janosch-Geschichte "Oh, wie schön ist Panama" auf ihre Reise gehen, könnte passender nicht sein. Zwischen Gebüschen und hohen Bäumen steht die kleine Bühne im Zoo, darauf ein Haus mit Sofa und Schaukelstuhl, der Bühnenrand wird zum Flussufer, links und rechts wachsen die Pilze und das Publikum lernt kennen: Zwei Freunde im Glück. Weil sie einander haben. Und ein Haus neben einem großen Baum an einem Fluss.

Janoschs universale Wahrheiten zauberhaft erzählt

Der Tiger ist ein Meister im Pilzesammeln, der Bär ein Angler, dem kein Fisch entkommt. Und wenn doch, dann liegt es am Tiger, der dem Bären gleich mehrfach seinen Lieblingstopf an den Haken hängt. Die beiden schreiben einander Briefe, bauen aus Trichter und Gartenschlauch ein Telefon, kochen und träumen und die Kinder verstehen: Bär und Tiger sind beste Freunde. Und wer Freunde hat, muss keine Angst haben. Keine Angst. Das ist eine dieser wunderbar universalen Botschaften, die in Geschichten von Janosch sich verstecken und Leser - in diesem Fall Zuschauer - je nach Alter ganz unterschiedlich anrühren.

Drei Schauspielerinnen, sieben Kostüme und viel Musik

"Für mich ist einfach soviel Wahrheit da drin, soviel Ehrlichkeit, soviel Menschlichkeit, soviel Liebe, soviel Zärtlichkeit", sagt Regisseur Elmar Thalmann. "Man merkt, da ist ein Mensch, der viel erlebt und durchlebt hat, um diese Bilder als Hoffnungsträger zu schaffen." Diesen besonderen Janosch-Stil auf die Bühne zu bringen, das ist die Herausforderung für Elmar Thalmann. Dabei kann er sich ganz auf sein Ensemble verlassen. Kerstin Westphal tritt auf als gutmütig fröhlicher Bär, Anna Reinhard als verspielter Tiger, der nichts so sehr hasst, wie alleine zu sein und Stefanie Fromm meistert einen Kostümwechsel nach dem anderen, ist Rabe, Gans, Hase, Fuchs und Igel. Stefanie Fromm hat außerdem den Janosch-Text ins Plattdeutsche übersetzt.

Lernen nebenbei: Die ersten Wörter Plattdeutsch fürs Publikum

Janosch auf Platt für Kinder ab vier Jahren? Geht das? Ja. Sprache nämlich wird dank des körperlichen Spiels der Schauspielerinnen fast zur Nebensache. Das ist gut für eine Inszenierung, die Kinder ab vier Jahren begeistern soll. Aber mehr noch: wenn ganz und gar kindgerecht Passagen und kleine Szenen sich immer wieder wiederholen, ist das nicht nur amüsant, sondern sorgt auch dafür dass die eine oder andere plattdeutsche Wendung direkt hängen bleibt, nicht nur beim ganz jungen Publikum. Und auch das ist gut und gewollt, soll doch das Stück nach der Zeit im Zoo durchs Land ziehen und auch in Schulen und Kindergärten gezeigt werden. Lehrer, Erzieher oder Eltern können sich dafür bei der Fritz-Reuter-Bühne melden und Termine absprechen.

Es kommt nicht darauf an wo man ist, sondern mit wem

Mit einer Holzkiste beginnt in der Geschichte für die Freunde die Sehnsucht. Der Bär angelt sie aus dem Fluss. Und auf der Kiste steht Panama und sie riecht nach Bananen und der Bär beschließt: Panama muss das Land der Träume sein, das Land, das ganz nach Bananen riecht. Und wer Sehnsucht hat, muss reisen und wer mit einem Freund reist, muss vor nichts und niemandem Angst haben. Also: reisen die beiden und lernen neue Freunde kennen, um am Ende aus Versehen wieder vor ihrem Haus zu stehen, einem Haus mit Couch und Küche und Schaukelstuhl, das zu ihrem Panama wird, zu ihrem Traumland, in dem sie glücklich leben. So glücklich wie zuvor. Weil sie einander haben.

Bis zum 18. September im Zoo zu sehen

"Oh, wo schön is Panama" ist eine Inszenierung mit viel Musik, mit Gesangsnummern und Choreographien, die musikalische Leitung hat der Kapellmeister des Mecklenburgischen Staatstheaters Michael Ellis Ingram. Das Stück ist zu sehen bis zum 18. September im Schweriner Zoo, immer freitags, sonnabends und sonntags, jeweils um 16 Uhr.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 02.09.2022 | 13:20 Uhr

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