Dirk Löscher im Porträt © picture alliance / Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/ZB | Stefan Sauer Foto: Stefan Sauer

Theater Vorpommern: Dirk Löschner beendet Intendanz

Stand: 28.07.2021 08:39 Uhr

Am Theater Vorpommern räumt Dirk Löschner Ende Juli das Intendantenbüro. Bei einem Besuch blickt der Theatermacher zurück auf seine Arbeit.

von Juliane Voigt

Dirk Löschner hat sich selbst zum Abschied eine Inszenierung geschenkt. "Endlich Schluss" von Peter Turini. Eine gescheiterte Existenz redet mit sich selbst. Premiere war Ende Juni im Gustav-Adolf-Saal. Das Stück war 1997 der Abschieds-Knüller von Claus Peymann, der Österreich während seiner Intendanz am Wiener Burgtheater mehr als einmal auf den Kopf gestellt hatte.

Dirk Löschner wollte sich der Symbolik dieser Vorlage bedienen. Immerhin hält er sich zugute, die Theater in Vorpommern gerettet zu haben: "Als ich kam, hatte das Theater keine Zukunft. Die Zuschüsse waren seit 20 Jahren nicht angehoben worden. Niemand sprach über Dynamisierung. Allen musste ich das Wort erst erklären und das zog sich von der Kommunalpolitik in den verschiedenen Fraktionen bis zur Landespolitik durch. Und der starke Kampf in den Jahren 15 bis 18, der musste offenbar sein, damit alle etwas lernen. Und das, was zu lernen war, das habe ich am Anfang immer vorgebetet. Und immer mitleidig lächelnde Gesichter gesehen. Nämlich dass ein Theater nur dann eine Zukunft hat, wenn die öffentlichen Zuschüsse nicht nur stabil sind, sondern wenn sie auch dynamisiert sind."

Reibung mit dem Aufsichtsrates des Theaters

Dirk Löschner hat in dem jahrelangen Streit um die Fusion der Theater in Vorpommern mit der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg Neustrelitz nie deutlich eine Position geäußert. Das verhärtete die Fronten, sagt die Vorsitzende des Aufsichtsrates des Theaters Vorpommern, Ulrike Berger: "Seine ganze Intendanzzeit war eigentlich geprägt von diesen Diskussionen um die Zukunft des Theaters. Und auch um die Zukunft der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Theaters. Und es ist auch, glaube ich, kein Geheimnis, dass wir da unterschiedliche Vorstellungen hatten, wie es mit dem Theater weitergehen wird. Und es waren ganz starke Diskussionen, die wir mit dem Aufsichtsrat, den Gesellschaftern und vor allem mit dem Land bis zum Schluss geführt haben."

Ob er nun für oder gegen die Fusion war, einfach waren die neun Jahre seiner Intendanz wohl nicht. 105 Stellen waren wegen der Deckelung der Landesgelder schon abgebaut worden: "Das durfte nicht weiter runtergehen und es ist nicht weiter runtergegangen, das ist mein großer Stolz. Es hat kein weiterer Theaterabbau stattgefunden in meiner Zeit. Im Gegenteil durch diese Kämpfe, ist es gelungen, ein wirklich stabiles wirtschaftliches Fundament zu schaffen, damit in Zukunft auch auf dieser Basis weiter Kunst gemacht werden kann und das Theater eine echte Zukunft hat."

Mehr als 200 Inszenierungen in Löschners Amtszeit

Für den Aufsichtsrat steht dagegen noch nicht fest, wie das Theater weiter finanziert wird, denn das Land halte sich nicht an seine Zusagen. Das zu klären, sei Aufgabe des Intendanten gewesen, meint Ulrike Berger: "Und trotzdem hat es mich total gefreut, dass es Dirk Löschner gelungen ist, Kooperationen über Ländergrenzen hinweg aufzubauen. Ganz stark mit der Opera Na Zamku in Stettin, wo ja ganz schöne Projekte entstanden sind. So zum Beispiel zum 100. Jahrestag des Endes des 1. Weltkrieges, zusammen mit der Oper Na Zamku und dem Theater in Klaipeda, Benjamin Brittens "War Requiem". Was den Auftakt nahm hier im Greifswalder Dom und dann über Klaipeda und Stettin schließlich im Berliner Dom endete."

Neun Jahre Intendanz Dirk Löschner, das waren mehr als 200 Inszenierungen eben nicht nur auf den verschiedenen Bühnen des Theaters Vorpommern, sondern auch in großen Stadtkirchen, auf Freilichtbühnen und vor allem in Klassenzimmern.

Übergreifende Zusammenarbeit

Ein großer Gewinn war auch die Zusammenarbeit mit anderen Häusern wie dem Theater in Schwedt oder dem Theater Handgemenge. Peter Müller aus Ballwitz vom Theater Handgemenge hat drei Stücke mit dem Theater Vorpommern inszeniert: "Bei 'Surrgates' haben wir ja einen Live-Film produziert. Es gab eine riesengroße Leinwand und davor haben wir aufgebaut mit sechs Live-Kameras und der Zuschauer konnte immer zusehen, wie wir das erzeugt haben. Es war natürlich sowohl für uns als auch für die Schauspieler nicht ganz alltäglich und wir hatten durch die Förderungen natürlich auch mehr Zeit, so etwas auszuprobieren."

Anstieg der Zuschauerzahlen

Während der Löschner-Intendanz sind die Stadttheater in Stralsund und Greifswald 100 Jahre alt geworden, das Theater Putbus 200 Jahre - mit großen Festveranstaltungen und Publikationen. Unter seiner Theaterleitung sind auch die Zuschauerzahlen gestiegen.

"Das Publikum ist das Publikum und das ist eben sehr vielgestaltig in dieser Region," meint Löschner. "Auf der einen Seite gibt es eine Universitätsstadt mit einem extrem hohen Anteil an hochgebildeten Menschen, die bestimmte Ansprüche stellen und auf der anderen Seite gibt es einen weiten ländlichen Raum mit ganz anderen Ansprüchen. Und alle werden ans Theater gestellt. Und allen diesen Ansprüchen muss das Theater gerecht werden, das ist ein Spagat, aber dieser Spagat ist durchaus zu bewältigen, das haben wir glaube ich in den letzten Jahren ganz gut gezeigt."

Abschied auch mit Wehmut

Dirk Löschner verlässt die Region nach neun Jahren auch mit Wehmut. "Wir wissen alle, Theater ist immer ein Zusammenwirken auf Zeit. Und das macht diese Zeit auch wiederum so kostbar. Man nutzt sie intensiv, weil man weiß, sie dauert nicht ewig. Und dann beginnt eine neue Zeit, andere Zusammensetzungen der Ensembles und da kann man gespannt sein und natürlich werde ich das aus der Ferne beobachten." Im Sommer 2022 tritt dann Dirk Löschner die Intendanz der Theater Zwickau und Plauen an. Die Intendanz des Theaters Vorpommern übernimmt nach Löschner, Ralf Dörnen.

 

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