"Offline för een Avend": Turbulente Premiere am Ohnsorg

Stand: 23.08.2021 16:35 Uhr

Mit kräftigem Applaus hat das Publikum im Ohnsorg-Theater die Uraufführung der Komödie "Offline för een Avend" gefeiert. Im Stück des Erfolgsautors Sönke Andresen geht es um einen turbulenten Abend während einer Betriebsfeier im Möbelhaus.

von Daniel Kaiser

Das Ohnsorg ist 75 Minuten lang auf Betriebstemperatur: Tür auf. Tür zu. Rein in den Schrank. Und wieder raus. Flucht durch den Lüftungsschacht. Auf der Bühne ist ständig Action. Im Möbelhaus "Ahoy" geht es drunter und drüber - und das ausgerechnet zum Firmenjubiläum.

Durch den Lüftungsschacht in die Chefetage gerobbt

Beate Kiupel, Meike Meiners, Nele Larsen, Markus Gillich und Erkki Hopf in "Offline för een Avend" im Ohnsorg Theater © Ohnsorg Theater Foto: Oliver Fantitsch
Beate Kiupel, Meike Meiners, Nele Larsen, Markus Gillich und Erkki Hopf (v. l.) in "Offline för een Avend"

Kassiererin Carla bricht ins Büro ihres Chefs ein. Sie will sich dafür rächen, dass sie und ihre Kolleginnen so schlecht behandelt werden. Beate Kiupel spielt die resolute Rothaarige mit Revoluzzer-Gen, die sich durch den Lüftungsschacht in die Chefetage robbt, mit Körpereinsatz und herrlich komisch. Ihr Boss (Erkki Hopf in seiner Paraderolle als überforderter Hierarch) hat eigene Probleme: Die Urenkelin (Nele Larsen) des Firmengründers steht auf ihn, dabei blättert er selbst lieber im Kalender mit halbnackten Feuerwehrmännern. Versehentlich sendet Carla ihm ein Video mit einer anzüglichen Botschaft und will nun sein Handy in die Finger bekommen, um sie zu löschen.

"Offline för een Avend": Zwischen Turbulenz und Klamauk

Dazwischen funken dann noch Meike Meiners als redliche, vorsichtige Kollegin Debbie und Carlas Ex-Mann, Gabelstaplerfahrer Horst, der reichlich angeschickert in einem grellgrünen Meerjungfrauen-Kostüm fürs Firmenjubiläum durchs Möbelhaus tippelt. Gillich spielt diesen liebenswerten Loser bei aller Komik auch mit einer tragischen Facette. Kurz: Es ist eine Verwechslungs-Komödie, die mit "turbulent" nur unzureichend beschrieben ist - kurz vor Klamauk.

Generalabrechnung mit Internet-Konsum wirkt etwas konstruiert

Beate Kiupel in der Uraufführung der Komödie "Offline för een Avend" im Ohnsorg Theater. © Ohnsorg Theater Foto: Sinje Hasheider
Beta Kiupel als Kassiererin Carla: resolute Rothaarige mit Revoluzzer-Gen

Die Bühne brummt. Die haben alle so viel Freude am Pointen-Abfeuern! Der Abend lebt vor allem von den Schauspielerinnen und Schauspielern. Die Stärke des Stücks ist der Tumult. Allzu viel Tiefe darf man von der Handlung nicht erwarten. Dass der Streit um das Handy des Chefs zur Generalabrechnung mit unserem Internet-Konsum wird, wirkt am Ende ein bisschen konstruiert. So richtig passt es nicht zum Stück, wenn Carlas Plädoyer erklingt: "Uns Leven warrt blots noch vun Apps kontrolleert. Bald warrt wi all vun en Super-Logarithmus stüert."

Mit Tempo und Timing inszeniert

Der Oberspielleiter des Ohnsorg Theaters Murat Yeginer hat das Stück von Sönke Andresen - ins Plattdeutsche mit Pfiff übersetzt von Christian Richard Bauer - mit Tempo und Timing, kurz und knackig inszeniert. Die Corona-Auflagen spürt man überhaupt nicht. Das mag auch am Bühnenbild von Beate Zoff liegen, das bis ins letzte Sonderangebots-Preisschild wunderbar stimmig geraten ist. Am Ende steht ein kurzer, kurzweiliger Abend, an dem man wirklich nicht auf die Uhr geguckt hat.

Weitere Informationen
Der Eingang zum Ohnsorg Theater im Hamburger Bieberhaus © NDR Foto: Petra Volquardsen

Kulturpartner: Ohnsorg-Theater

Seit über 100 Jahren gehört das Ohnsorg-Theater als feste Institution zu Hamburg. Der Großteil aller Vorstellungen findet auf Plattdeutsch statt. extern

"Offline för een Avend": Turbulente Premiere am Ohnsorg

Mit kräftigem Applaus hat das Publikum die Uraufführung der Komödie von Sönke Andresen gefeiert. Die Stärke des Stücks ist der Tumult.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Ohnsorg-Theater
Heidi-Kabel-Platz 1
20099 Hamburg
Telefon:
040 / 35 08 03 21
E-Mail:
kasse@ohnsorg.de
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 23.08.2021 | 19:00 Uhr