Leeres Theater © picture-alliance | Michael Memminger / CHROMORANG Foto: Michael Memminger

Moderne "Tosca" in Flensburg feiert Premiere

Stand: 24.09.2022 10:53 Uhr

Im Jahr 1800 spielen die Ereignisse, im Jahr 1900 war die Uraufführung und Sonnabend war Premiere in Flensburg: Puccinis Oper "Tosca" in einer Inszenierung von Kornelia Repschläger.

von Peer-Axel Kroeske

Puccinis Oper "Tosca" führt uns nach Rom, zurück in eine Zeit, als französische Truppen auf der einen Seite und österreichisch-russische auf der anderen dort um die Vorherrschaft rangen. Aber es geht natürlich vor allem um Tosca, eine schöne Frau, die der Polizeichef erpresst: Wenn sie ihm nicht gefügig ist, wird er ihre große Liebe, den Maler Cavaradossi, hinrichten lassen. Denn der hatte einen politischen Flüchtling versteckt.

Macht, sexuelle Begierde und der Kampf um politische Freiheit - alles in einem Stück - und mit genau der richtigen Primadonna: "Ich bin Italienerin. So ist es viel leichter auf Italienisch zu singen und auch zu sprechen. Und ich wohne in Rom in der Triangel vom ersten, zweiten und dritten Akt von "Tosca". Ich bin in der Mitte. So habe ich mein Tosca-Leben. Nicht sein Ende, hoffentlich", lacht Sängerin Shelley Jackson.

Shelley Jackson ist Idealbesetzung

Die Opernsängerin spielt die Opernsängerin Tosca. Eine Idealbesetzung: Auf der Bühne ist sie sehr präsent mit Gestik und Mimik und vor allem ihr Gesang - schwierige Passagen unverkrampft mit Leichtigkeit hervorgebracht. Sie kommt ursprünglich aus den USA und nimmt seit vier Jahren Engagements als Gastsängerin in ganz Europa an. So auch jetzt beim Landestheater und in der Saison 2019/20 im schwedischen Malmö - dort das erste Mal als Tosca.

"Unsere Tosca in Malmö war sehr traditionell", berichtet sie. Diesmal tauchen moderne Elemente auf - schon der erste Vorhang: kein Stoff, sondern ein Wellblechtor. Cavaradossi, ihr Partner, erscheint in einem Mantel mit der Aufschrift "Nothing Changes" (Nichts ändert sich). Dazu gibt es eine Tosca, die eben nicht naiv, sondern als starke Frau agiert. Vielleicht liegt das auch daran, dass eine Frau das Stück inszeniert, meint Shelly Jackson.

"Tosca" in Flensburg: Erpressung und Missbrauch

In diesem Fall: Kornelia Repschläger, die Operndirektorin in Flensburg, die auch einige andere eindrückliche Akzente setzt, etwa am Ende des ersten Akts: Es ist der Moment, an dem Polizeichef Scarpia seine Chance sieht, Tosca zu erpressen. Der Deal: Ihr geliebter Cavaradossi wird nur zum Schein hingerichtet, wenn sie sich körperlich fügt. Vorne steht Scarpia, dahinter graue Gestalten, grau maskiert. Tosca betritt im weißen Hemd die Bühne. "Eigentlich ist es das "Te Deum", es findet also ein religiöser Gottesdienst statt. Wir haben das so interpretiert, dass das die Phantasmagorie [Anm. d. Red.: künstliche Darstellung von Trugbildern auf der Bühne] von Scarpia ist. Tosca wird jetzt von diesen vielen grauen Männern beschmutzt, befingert, befasst, missbraucht."

Ein eindrücklicher Schluss

Dass der Chor des Landestheaters dabei so kräftig singt, dafür ist Avishay Shalom verantwortlich, der neue Chorleiter: "Die Atmosphäre von den Kollegen ist wirklich wunderbar. Ein Opernchor ist immer eine ganz gespannte Institution von sehr vielen Solisten. Alle möchten und alle sollen ihren Platz bekommen, um ihre Stimmen wirklich zu zeigen. Aber gleichzeitig müssen wir auch als Einheit klingen."

Das gelingt. Und dann spielt ein Mädchen eine Rolle: Toscas Alter Ego - sie als Kind, gespielt von drei wechselnden Nachwuchsdarstellerinnen. Dieses Mädchen wird beim tragischen Schluss eine Rolle spielen, nachdem Tosca glaubt, auf der sicheren Seite zu sein: Sie hat Scarpia erdolcht. Doch dann stellt sie fest, dass Cavaradossi tatsächlich hingerichtet wurde und eben nicht nur zum Schein. So weit ist es bekannt. Aber das Mädchen? Nur so viel: Die Zuschauer erwartet ein eindrücklicher Schluss.

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Moderne "Tosca" in Flensburg feiert Premiere

Im Jahr 1900 war die Uraufführung und Sonnabend war Premiere in Flensburg: Puccinis Oper in einer Inszenierung von Kornelia Repschläger.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Stadttheater Flensburg
Rathausstraße 22
24937  Flensburg
Preis:
Ab 25 Euro
Hinweis:
Die Inszenierung wird auch in Itzehoe, Rendsburg, Schleswig, St. Peter-Ording und Neumünster zu sehen sein.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 24.09.2022 | 15:40 Uhr

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