Tänzer in Bewegung © Joel Janse van Vuuren/Kampnagel Foto: Joel Janse van Vuuren

Gogols "Die Nase" als wilde Tanz-Rap-Oper in Hamburg

Stand: 29.10.2021 14:24 Uhr

In der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel hatte am Donnerstag "The Nose" Uraufführung. Die Hamburger Choreografin Jessica Nupen hat Gogols Fabel "Die Nase" in eine wilde Tanz- Rap-Oper verwandelt.

von Annette Matz

Sie ist weg: die Nase von Major Kov. Eines Morgens wacht er ohne auf und das absurde Schicksal nimmt seinen Lauf. Die Nase wandert durch die Stadt, ist ihrem Besitzer abhanden gekommen. Er muss eine Suchanzeige aufgeben und schämt sich - da nützt auch seine hohe gesellschaftliche Stellung nichts.

Im Polizeirevier trifft der mächtige Mann auf die tiefenentspannte Polizistin, die seine Not nicht ganz ernst nimmt. Und wir werden mitgenommen auf die Wanderung einer stolzen Nase durch das südafrikanische Johannesburg. Sie will sich selbst gehören und niemandem sonst.

Gogols Geschichte wird in die Gegenwart geholt

Jessica Nupen holt Gogols groteske Geschichte, 1836 geschrieben, in die Gegenwart. Bedrückend, komisch und außergewöhnlich inszeniert. Live auf der Bühne spielt das achtköpfige Orchester. Jessica Nupen hat mit dem weltweit bekannten kanadischen Musiker und Filmemacher Socalled zusammengearbeitet. Er hat Musik und Libretto entwickelt. Wie in einer Art Stummfilm-Setting begleiten die hervorragenden Musiker die auf riesige Wände projizierten Szenen.

Auf der Bühne stehen vier sieben Meter hohe, tonnenschwere Hauswände, auf denen der Film zu sehen ist. Immer wieder werden sie auf der großen schwarzen Fläche verschoben, nehmen uns mit in unterschiedliche Szenen – in die Polizeibehörde, auf ein Hochhaus, in eine Industrieruine in den Townships, in die Clubs zum Tanzen.

Auf der Bühne steht nur das Orchester, getanzt wird im Video

Tänzer in Bewegung © Joel Janse van Vuuren/Kampnagel Foto: Joel Janse van Vuuren
Die Tänzer waren nur im Video zu sehen. Der Film wurde an 14 Orten in Johannesburg aufgenommen.

An 14 unterschiedlichen Orten in Johannesburg haben Jessica Nupen und ihr Team gedreht. Alle Darstellerinnen und Darsteller dieser Produktion stammen aus Südafrika - die professionellen Tänzerinnen genauso wie die Opernsänger. Wie exzellent sie sind zeigt der Film. Und sehr sehnsüchtig wünscht man sich, durch die Türen der großen grauen Wände mögen sie alle kommen, in echt und wirklich.

Kein Tanz live - geplant war das einmal anders. Doch nur wenige Tage vor der Premiere im Frühjahr letztes Jahr kam der Lockdown. Nichts ging mehr. Die Tänzer und Tänzerinnen aus Südafrika mussten abreisen. Die Pandemie hat die Produktionsbedingungen weiter bestimmt. So ist dieses neue Format entstanden. Eine auch mutige, konsequente Inszenierung, der das Atmen der echten Tänzer fehlt. Aber dieser Abend spiegelt die Corona-Situation noch einmal auf besondere Weise wider: Wie oft haben wir alle uns nur per Video gesehen und Kunst und Kultur zum Anfassen so schmerzlich vermisst. Wie gestern Abend.

"The Nose" von Jessica Nupen gibt noch heute und morgen in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel zu sehen, jeweils um 20 Uhr.

Gogols "Die Nase" als wilde Tanz-Rap-Oper in Hamburg

Die Hamburger Choreografin Jessica Nupen hat Gogols Fabel "Die Nase" in die Gegenwart geholt. Was fehlte, waren die Tänzer.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Kampnagel
Jarrestraße 20
22303 Hamburg
Preis:
ab 14 Euro
Kartenverkauf:
Tageskasse
Öffnungszeiten: Montag - Freitag / 15 - 18 Uhr
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 29.10.2021 | 19:30 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/buehne/Jessica-Nupen,nosekampnagel100.html