Sendedatum: 01.05.2012 16:20 Uhr  | Archiv

Unberührte Landschaften in Niedersachsen

von Katja Weise

Die Liebeserklärungen, die der Naturfotograf Norbert Rosing seiner Heimat Deutschland macht, sind von besonderer Art. In Sachsen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern hat er bereits nach dem Ursprünglichen, Wilden in der Landschaft gesucht. Nun liegt "Wildes Niedersachsen" vor. Katja Weise über Norbert Rosings Bilder von Wattenmeer, Harz und Heide.

Norbert Rosing: Wildes Niedersachsen (Buchcover) © National Geographic Verlag
Die Fotos von Norbert Rosing zeigen Landschaften, die sich dem Einfluss des Menschen weitgehend entziehen konnten.

Was ist wild? Die Wildpferde, die in der Lüneburger Heide grasen, die Adlerklippe im Harz, deren schroffe Kanten überzogen sind von einem Hauch Schnee, die Wellen, die schäumend brechen am Strand von Spiekeroog? Norbert Rosing sucht nicht nach vordergründigen Antworten. Er zeigt das Ursprüngliche, das Urwüchsige. Menschen ahnt man nur, sie haben allenfalls Platz am Rande der Bilder, in einem winzigen Schiff zwischen windbewegtem Dünengras und pausbäckigen Wolken

Der Mensch bleibt draußen

Die Natur ist Rosings Bühne, auf der als Akteure allenfalls Tiere zugelassen sind. Stolz stakst eine Silbermöwe am Strand entlang, der Wind fährt ihr durchs Gefieder. Um die leeren Muschelschalen hat er bereits kleine Berge aufgetürmt und die Äste der einsamen Kiefer auf der Düne steif in eine Richtung gedrückt. Der Sausewind, wie Eduard Mörike ihn nennt.

Vielfalt der Bilder im Watt

Atemlos machen jedoch vor allem die Inselbilder, für die der Fotograf selbst in die Lüfte gestiegen ist: Gold glänzen die Nordseepriele kurz vor Sonnenuntergang im Wattenmeer, schieben sich wie schmale Finger zwischen den grobkörnigen Sand.

Auch die Salzwiesen auf Spiekeroog hat Norbert Rosing aus der Vogelperspektive aufgenommen: In lichten Blau- und Grüntönen schillern sie - als hätte ein Kind mit dem Strohhalm dicke Kleckse aus Wasserfarbe verpustet, sie malerisch auf dem Papier verteilt.

Landschaft in Watte

Mit den Effekten des Nebels spielt Rosing vor allem auf den Bildern aus der Heide. In der Wilseder Heide hat er den von der Sonne gefärbten Morgennebel zwischen den Wacholderbüschen goldgelbe Streifen ziehen lassen, in der Lüneburger Heide steht er weiß im Tal, im hellgrün belaubten Totengrund.

Um die Einsamkeit, die Hermann Hesse in seinem Gedicht beschreibt, geht es dem Fotografen jedoch nicht - er zeigt die Faszination, die von der menschenleeren Natur ausgeht. Wie Schutzpanzer liegen dicke Flechten auf Bäumen und Granitfelsen im Harz, Das Moos umschließt die weiße Kappe des noch jungen Pilzes.

Hommage an die Natur

Norbert Rosing hat sein wildes Niedersachsen gefunden, zu allen Tages- und Jahreszeiten war er in scheinbar unberührter Natur unterwegs, im Watt, am Strand, im Tal und auf dem Berg. Viele überraschende Bilder hat er unterwegs mit unendlicher Geduld eingefangen - eines der schönsten zeigt spitze Eiskristalle im Wattenmeer: Dicht an dicht klammern sie sich in die Strömungsrillen, die das ablaufende Wasser gezogen hat und funkeln.

Norbert Rosings Buch ist eine Hommage an die Natur, die zeigt, dass man nicht weit zu reisen braucht, um sie zu entdecken. Nur Zeit.

Wildes Niedersachsen - Wattenmeer, Harz und Heide

von Norbert Rosing
Seitenzahl:
160 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
National Geographic
Bestellnummer:
978-3866902695
Preis:
24,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 01.05.2012 | 16:20 Uhr

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