Buch-Cover: The Rebel's Wardrobe © gestalten Verlag
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AUDIO: Bildschöne Bücher: "The Rebel's Wardrobe" (4 Min)

Bildband "The Rebel's Wardrobe" zeigt "rebellische" Männermode

Stand: 21.01.2023 06:00 Uhr

Der Bildband "The Rebel's Wardrobe" ist ein Streifzug durch mehrere Jahrzehnte Männermode - mal amüsant, mal redundant. Nicht jede Klamotte taugt als Rebellen-Gewand. Aber im Buch zu blättern, macht Spaß.

von Benedikt Scheper

Lederjacke, Bluejeans und weißes Unterhemd - reicht das schon, um aus einem Mann einen Rebellen zu machen? In vielen Filmen der 50er- und 60er-Jahre waren Rebellen immerhin so gekleidet und prägten damit ein gewisses Image. Viele der Kleidungsstücke sind im Laufe der Zeit zu unverzichtbaren Stücken der Männergarderobe geworden. Ein neuer Bildband präsentiert nun die wichtigsten Klamotten.

Marlon Brando und das weiße T-Shirt

Marlon Brando liegt lässig auf Tank, Sattel und Schutzblech eines Motorrads, die Arme verschränkt. Verwegen blickt der junge Schauspieler auf dem Schwarz-Weiß-Bild aus dem Jahr 1953 in die Linse, als würde er sein Gegenüber kritisch mustern. Er trägt eine dunkelblaue Jeans und schwarze Arbeiterstiefel mit silberner Schnalle, dazu ein weißes T-Shirt. Die kurzen Ärmel spannen durch Brandos muskulösen Bizeps. Ein Idol, dessen coole Garderobe für Generationen vorbildlich wurde.

"Marlon Brando war sicherlich nicht der erste Rebell, der Jeans, T-Shirt und Arbeiterstiefel trug, aber er brachte diesen Look des 'Outlaws' auf die Leinwand und machte ihn erstrebenswert. Der Stil des Rebellen schien sich um ihn herum herauszukristallisieren, nicht nur wegen der Kleidung, die er trug, sondern WIE gut er sie trug." Bildunterschrift

Das weiße T-Shirt als Oberbekleidung war damals eine Provokation, denn bis dato wurde es meist nur als Unterhemd getragen. Viele Prominente, wie Steve McQueen oder David Bowie, folgten dem Beispiel Brandos. Heute gehört das Stückchen Baumwoll-Stoff zur Standard-Garderobe von Männern - und Frauen.

Die Piloten-Jacke: Ein fast magisches Stück Mode

Konzentriert blickt der Pilot auf die Armaturen vor sich in dem engen Cockpit eines Militärflugzeugs. Seine dunkelbraune Lederjacke glänzt teilweise weiß - wahrscheinlich durch den Blitz des Fotoapparates. Der weiche, cremefarbene Lammfell-Kragen schmiegt sich an die Schultern des Air Force-Soldaten. Der Pelz wirkt - durch die leichte Überbelichtung - fast wie flüssiges Gold, das über das Leder läuft. Zwischen den zahlreichen Fotos von Bomber-Piloten des Zweiten Weltkrieges und einem Bild der Band "The Police" vor einem Hubschrauber mit ihrem "Chef" Sting in der legendären Piloten-Jacke liegen vier Jahrzehnte. Ein fast magisches Stück Mode - versucht der Band so zu erzählen.

Manche der 49 Beispiele im Buch wirken allerdings etwas weit hergeholt. Etwa, warum Fotos von Bob Dylan und Herbie Hancock im Rollkragenpullover allein schon reichen sollen, um der ursprünglichen Fischer- und U-Boot-Fahrer-Kleidung etwas Rebellisches anzuheften.

Gut gelingt "The Rebel’s Wardrobe" der bildliche Brückenschlag dagegen bei der kastenförmigen M-51-Army-Jacke. Zahlreiche Fotos belegen, wie zeitlos und beliebt sie auch bei vielen Zivilisten ist. Dunkles Oliv, Seiten- und Brusttaschen sowie Schulterklappen zierten anfangs nur US-Soldaten im Feld, später Vietnam-Veteranen bei Protestzügen durch Washington. Schauspieler trugen sie vor der Kamera, wie Robert de Niro in "Taxi Driver", oder auch dahinter, wie Paul Newman als Privatmann. Die Band Public Enemy inszenierte sich mit dem Field Jackett auf Werbefotos, um so ihre militanten, musikalischen Botschaften zu unterstreichen.

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Tolle, aber oft auch belanglose Fotografien

Sean Connery trug es im ersten James Bond-Film "Dr. No", ebenso Bryan Ferry auf seinem privaten Tennis-Platz in London. René Lacoste gilt als einer der Erfinder: das Polo-Hemd mit kurzen Ärmeln und drei Knöpfen. Sportlich und elegant zugleich kleidet es Herren seit 1926, wie tolle, aber oft auch belanglose Fotografien zeigen. Was am Polo so aufrührerisch ist, erklärt der Text nicht.

Der Bildband - ein Streifzug durch mehrere Jahrzehnte Männermode - ist mal amüsant, mal redundant. Nicht jede Klamotte taugt als Rebellen-Gewand. Aber im Buch zu blättern und mehr über die Geschichte mancher Stücke zu lesen, macht Spaß.

The Rebel's Wardrobe

von Bryan Szabo, Thomas Stege Bojer (Hg.)
Seitenzahl:
288 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
gestalten
Bestellnummer:
978-3-96704-072-2
Preis:
50 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 22.01.2023 | 16:20 Uhr

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Bildbände

Eine Abbildung aus dem Buch "The Rebel's Wardrobe" © gestalten Verlag

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