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von Andreas Brauns

Erzbistum, Erzbischof - Was bedeutet die Silbe "Erz" eigentlich?

"Ich möchte mal eine Erklärung: Was unterscheidet da ein Erzbistum von einem Bistum, einen Erzbischof von einem Bischof? Gibt es da überhaupt einen Unterschied oder sind Erzbistum und Erzbischof nur so was wie ein Ehrentitel?"

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Bischofskreuz.

Teilweise trifft Ihre Vermutung zu, aber es ist - wie so oft - etwas komplizierter. Ein Erzbistum ist ebenso wie ein Bistum ein kirchlicher Verwaltungsbezirk - mit einem eigenen Bischof an der Spitze. Rein rechtlich gibt es zwischen einem Erzbistum und einem Bistum keinen Unterschied. Hier im Norden ist das Erzbistum Hamburg, das 1995 gegründet wurde, den Bistümern Hildesheim und Osnabrück gleich gestellt. Für den Begriff Bistum gibt es in der katholischen Tradition noch den Begriff der Diözese. Diese Bezeichnung stammt aus dem Römischen Reich. Dort wurden im 3. Jahrhundert unter Kaiser Diokletian jeweils mehrere Provinzen zu einer Diözese zusammengefasst, um so das große Reich in Veraltungseinheiten zu gliedern. Diese Gliederung hat die katholische Kirche übernommen. In evangelischen Landeskirchen gibt es die Untergliederung in Sprengel.

In der katholischen Kirche signalisiert der Titel "Erzbistum" in der Regel: Dieser Bischofssitz hat in der Geschichte der Kirche eine wichtige Rolle gespielt. Er war für Gläubige so eine Art Metropole, ein Hauptort, eine Hauptstadt des Glaubens. Darum hat dort auch ein Metropolit seinen Sitz, ein Oberbischof. Er ist der Vorsteher einer Kirchenprovinz, zu der der Vatikan mehrere Bistümer zusammengelegt hat. Im Norden ist der Hamburger Erzbischof Werner Thissen so ein Oberbischof. Der südlichste deutsche Metropolit sitzt in München: Es ist Kardinal Reinhard Marx. Er leitet das Erzbistum "München-Freising".

Erzbischof zuständig für kirchliche Disziplin

Der Leiter eines Erzbistums ist mehr als ein normaler Bischof, ein Diözesanbischof in Hildesheim, Magdeburg, Münster oder Osnabrück. Der Erzbischof ist für den Glauben und die kirchliche Disziplin in der gesamten Kirchenprovinz verantwortlich. Darum trifft er sich regelmäßig mit den Bischöfen, die in seiner Provinz ein Bistum leiten.

Als Zeichen seiner besonderen Stellung trägt der Erzbischof in Gottesdiensten das Pallium: Ein fünf bis 15 Zentimeter breites weißes Band, in das sechs schwarze Seidenkreuze eingestickt sind. Getragen wird das Pallium wie eine Stola. Der Papst verleiht es den Erzbischöfen als Zeichen der Teilhabe an seiner Leitungsgewalt. Wer das Pallium erhält, schwört dem Papst und seinen Nachfolgern Treue. Während also "Erzbistum" nur ein Ehrentitel ist, steht der "Erzbischof" zwischen Papst und den ganz normalen Bischöfen.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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