Stand: 05.07.2020 07:45 Uhr

Kolumne: "Sommerfrische mit dünner Haut"

von Christine Oberlin
Mehrere verschlossene Strandkörbe an einem Strand. © MacRein / photocase.de Foto: MacRein / photocase.de
Wegen der Corona-Pandemie kann Urlaub nur unter Einschränkungen stattfinden.

Ferienstart in sechs Bundesländern im Juli-Monat, Sommerfrische in der Stadt und auf dem Land. Im vorigen Jahr hätte ich das Lied "Summertime And The Livin' Is Easy" im Kopf gehabt und vor mich hin gesummt. Doch aktuell will sich die gelöste Stimmung noch nicht einstellen. Unser Alltag erfordert sehr viel Konzentration und Aufmerksamkeit, seitdem die Covid-19-Pandemie und ihre Bekämpfung im Vordergrund stehen. Pandemie heißt übersetzt "alles Volk" betreffend. Wohl wahr - die Einschränkungen und Sorgen im Leben einzelner oder von Familien werden noch eine Weile für uns alle dazugehören.

Dabei mache ich eine spannende Beobachtung, die mir aus meinem Dilemma mit dem noch fehlenden Sommer-Feeling hilft: Die Einschränkungen bewirken bei vielen eine Besinnung auf das Wesentliche, und gleichzeitig werden sie offener und aufmerksamer für andere. Denn nur gemeinsam ist diese Krise zu bewältigen.

Mit sich selbst gut umgehen

Es ist also wieder die alte und wunderbare Wahrheit aus der Bibel im Spiel, die mir zu mehr Gelassenheit und innerer Freiheit verhilft. Schon im Doppelgebot der Liebe steht: Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst. Beides Lieben soll nach der Liebe zu Gott in einem guten Gleichgewicht stehen.

Christine Oberlin © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Da wo ich lebe, kann ich mit ganzem Herzen sein, sagt Pastorin Christine Oberlin.

Der Mystiker und Mönch Bernhard von Clairvaux hat vor fast 900 Jahren dazu gesagt: "Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wie kann der gut sein? Denke also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: Tu das immer. Ich sage nicht: Tu das oft. Aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen."

Auch diese Wahrheit gehört dazu: Die Probleme dieser Welt kann ich nicht lösen, aber da, wo ich lebe, mit ganzem Herzen sein. Und mich immer wieder einmal mich mir selbst gönnen.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 05.07.2020 | 07:45 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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