Stand: 11.04.2018 09:30 Uhr

Kolumne: "Papa peinlich"

von Oliver Vorwald
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Nicht filmen, kein Applaus: In der Pubertät dürfen Eltern ihren Kindern nicht zu nah kommen.

"Papa, du bist peinlich." Meine Tochter winkelt die Beine an, zieht den orangefarbenen Helm ins Gesicht. Ihre Freundin giggelt. Ich schalte den Kameramodus aus, stecke das Handy weg. Wir sind beim Kreiswettbewerb der Jugendfeuerwehren. Überall auf dem Sportplatz Trupps von Jungen und Mädchen in blauen Latzhosen. Ansagen flirren, die Sonne lacht, ich grummele. Ich darf nicht filmen.

Der Papa findet sich cool

Schon am Frühstückstisch hat meine 13-jährige Tochter mir jede Art von Fanverhalten strikt untersagt. Und als sie das in ausladenden Gesten einfordert, legt sie den Kopf schräg und blickt mich an wie meine Frau das macht, wenn ich den Ellenbogen beim Essen auf den Tisch lege. Peinlich. Ich? Pah! Rote Vintage-Sneaker, Guns-N-Roses-T-Shirt, Sonnenbrille. Ich finde mich mega für meine 49 Jahre. Den Bauch trage ich unter dem Gürtel, die Glatze ist mir erspart geblieben, ich treibe regelmäßig Sport - was den anderen Vätern nicht unbedingt anzusehen ist.

Konfrontiert mit den eigenen Sprüchen

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Radiopastor Oliver Vorwald hofft, dass seine Tochter nicht die Geduld mit ihm verliert.

Mit einem Mal kommt Bewegung in den Jugendfeuerwehr-Zug meiner Tochter. Sie geht voran, trägt den Wimpel, cooler Blick. Auf der Tartanbahn teilen sich die Jugendlichen auf. Meine Tochter steht an Position fünf. Sie muss eine Strecke von 20 Metern sprinten, dann die Spritze auf den Schlauch setzen. Startschuss, da laufen sie, das Herz trommelt. Meine Brust platzt beinahe vor Stolz, aber ich widerstehe tapfer allen Impulsen zum Anfeuern.

Zu meinen Konfirmanden habe ich immer gesagt: "Seid nett zu Hause: Pubertät ist, wenn Eltern anfangen schwierig zu werden." Da stehe ich nun, werde mit den eigenen Sprüchen konfrontiert und halte die Klappe. Meine Tochter verdient einen Anker der Hoffnung, damit sie die Geduld mit mir nicht verliert. Denn gefilmt, habe ich trotzdem.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Kreuz - Herz - Anker

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