Stand: 05.02.2018 12:25 Uhr

Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung

von Julia Heyde de López

„Wir kommen auf Augenhöhe, als Beduinen zu Beduinen“, sagt der Abenteurer und Menschenrechtler Rüdiger Nehberg. So öffnen sich ihm und seiner Frau viele Türen – in Äthiopien, Ägypten und anderswo. Denn die beiden haben ein Anliegen: Rüdiger und Annette Nehberg engagieren sich seit vielen Jahren gegen weibliche Genitalverstümmelung.

„Wenn wir in Bescheidenheit kommen und nicht mit westlicher oder christlicher Überheblichkeit, dann haben wir sofort offene Ohren und eine große Gesprächsbereitschaft erlebt, und die Bereitschaft umzudenken“, sagt Rüdiger Nehberg. Nicht selbstverständlich bei einem so sensiblen Thema.

Uralte Praktik mit schweren Folgen

Annette Nehberg hat mit eigenen Augen gesehen, was bei der weiblichen Genitalverstümmelung passiert. Den Mädchen werden die Klitoris und manchmal auch Teile der Schamlippen weggeschnitten. Die Wunde wird dann geschlossen, zum Beispiel mit Akaziendornen. „Ein kleiner Strohhalm wird dann in die Scheide gesteckt, damit eine kleine Öffnung bleibt zum Urinieren und anschließend werden bei der schlimmsten Form der Genitalverstümmelung die Beine mit Stoff umwickelt, damit die Mädchen die Beine nicht öffnen können und die Wunde nicht aufreißt.“ Für die Mädchen hat das sehr schwere gesundheitliche Folgen.

Nehberg gegen Genitalverstümmelung

Die Genitalverstümmelung werde häufig mit der Religion begründet, erklären die Nehbergs. Dabei hat sie damit nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine uralte traditionelle Praktik, die in einigen Ländern Afrikas, sowie in Asien und im Mittleren Osten durchgeführt wird. Da viele Muslimas betroffen sind, beschlossen die Nehbergs, auf Vertreter des Islams zuzugehen. Mit ihnen organisierten sie Konferenzen, eine sogar an der Azhar-Universität in Kairo, einem wichtigen wissenschaftlichen und religiösen Zentrum des Islams.

Die höchsten Geistlichen der Welt nahmen an dem Treffen teil, erinnert sich Rüdiger Nehberg. Sie haben „den Mut aufgebracht, den Brauch zur Sünde zu erklären, zu einem strafbaren Verbrechen, das höchste Werte des Islam verletzt. Und diese tolle Botschaft, die ist ja historisch nach 5000 Jahren dieser Tradition, die nun zu verbreiten ist unser Ziel.“

Religion bringt Veränderung

Die Ergebnisse der Konferenz wurden in einem kostbaren „Goldenen Buch“ festgehalten. Es dient als Predigtgrundlage, Imame bringen es in die Moscheen und Gemeinden. Annette Nehberg ist überzeugt: Religion trifft ins Herz und bewirkt so Veränderung. „Denn es kann nicht sein, dass Gott den Menschen wunderbar geschaffen hat, und der Mensch sich dann erlauben kann, so brutal die Gesundheit der Frauen und Mädchen zu zerstören.“ Und Rüdiger Nehberg hat sich noch ein Ziel gesteckt: er will, dass die Botschaft zum Schutz der Mädchen in Mekka verkündet wird.

Erfolge in Äthiopien

In Äthiopien arbeiten die Nehbergs seit vielen Jahren mit dem nomadischen Volk der Afar. Bei ihnen war es üblich, die Mädchen innerhalb der ersten vier Lebenswochen genital zu verstümmeln, erklärt Annette Nehberg. Mit ihrem Verein „Target“ bauten sie in dem kargen Wüstengebiet eine Geburtshilfeklinik. Neugeborene Kinder werden dort gesundheitlich versorgt, bis sie ein Jahr alt sind. Und da lässt sich feststellen, dass die Genitalverstümmelung bei den Mädchen massiv zurückgeht, sagt sie.

„Unsere Motivation und unsere Kraft ist, dass wir Augenzeuge wurden von dem Verbrechen. Und als ich damals die Verstümmelung nicht verhindern konnte, habe ich den Mädchen geschworen, dass ich nicht aufhören werde zu kämpfen, bis entweder meine Kraft aufhört oder bis das Thema erledigt ist.“

Noch aber ist das Thema leider nicht erledigt. Daran erinnert am 6. Februar der Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung.

Dieses Thema im Programm:

Moment mal | 04.02.2018 | 09:15 Uhr