Die Hand eines Geistlichen liegt auf einer Bibel. © Colourbox

"Rom hat gesprochen" - Zuspruch zur Weltkirche schwindet

Stand: 21.10.2021 12:45 Uhr

Früher hieß es: "Roma locuta, causa finita. Rom hat gesprochen, die Sache ist damit erledigt.“ Heute finden sich Katholiken nicht mehr so leicht damit ab. Die Gründe: Missbrauch und veraltete Machtstrukturen.

von Andreas Brauns

Der Gehorsam gegenüber Rom oder dem Vatikan mächtig gelitten hat. Daran sind die Strukturen der Weltkirche nicht ganz unschuldig. Denn was ist das für eine Kirche, die immer wieder Täter geschützt, die Opfer sexuellen Missbrauchs aber nicht beachtet hat?

Entscheidungen aus dem Vatikan sind befremdlich

Wer nimmt der Leitung einer solchen Kirche noch etwas ab, ohne es nicht zugleich kritisch zu hinterfragen? Zwar gibt es nach wie vor Katholiken, die jedes Schreiben aus Rom und jede Entscheidung, die dort getroffen wird, für unumstößlich halten. Doch sie stellen längst nicht mehr die absolute Mehrheit. Und selbst bei deutschen Bischöfen löst manches, was aus Rom kommt, Stirnrunzeln aus. Der Vatikan in Rom ist die Zentrale einer Weltkirche. Und die deutsche katholische Kirche ist nun mal nicht ihr Nabel. So wird manches im Vatikan veröffentlicht, was für deutsche Ohren befremdlich klingt.

Etwa wenn in einem Schreiben daran festgehalten wird: Allein Priester können Kirchengemeinden leiten. Dabei spielt es keine Rolle, wie wenig Priester es dafür gibt. An dem Prinzip wird nicht gerüttelt. Das wirkt wie aus der Zeit gefallen und ruft Widerspruch hervor. Nicht, weil die Order aus dem Vatikan kommt, also von ganz oben. Nein, es geht - wie in diesem Fall - darum, wie Glaube lebendig bleiben kann. Und das wollen viele nicht mehr allein der Kirchenleitung überlassen, sie möchten mitreden. In der katholischen Kirche gibt es auf der einen Seite jene, die möglichst nichts verändern wollen, um so die Kirche und ihren Glauben treu zu bewahren.

Katholische Kirche braucht dringend Reformen

Auf der anderen Seite sind da jene Frauen und Männer, die den Glauben und mit ihm die Kirche lebendig ins Morgen führen möchten, was in ihren Augen nur gelingen kann, wenn sich die manches in der Kirche ändert. Wenn Strukturen aufgebrochen werden, die nicht vom Himmel gefallen sind, sondern einst mit harten Bandagen erkämpft wurden. Es gilt heute nach neuen Lösungen zu suchen, damit es morgen in Gemeinden noch Seelsorge gibt. "Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt." Das dürfte Geschichte sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 23.10.2021 | 09:15 Uhr

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