Jazz Talk

Christian Erber im Gespräch mit dem Bassisten Sigi Busch

Freitag, 05. Juli 2019, 22:05 bis 23:00 Uhr, NDR Info

Am Mikrofon: Christian Erber

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Mit 10 Jahren bekam Sigi Busch Violinunterricht, wechselte im Alter von 15 Jahren zur Posaune und mit 18 dann zum Kontrabass.

Der Bassist Sigi Busch gehört - neben Ed Kröger und Uli Beckerhoff - zu den "großen Drei" der Bremer Jazzszene. Seit fünf Jahrzehnten steht der 75-Jährige auf den Bühnen der Welt. Jetzt hat er sein Quartett "BuschMusic" reaktiviert, das er Anfang der 1990er Jahre gegründet hatte. Damals konzentrierte sich die Band auf Interpretationen von Stücken jüdischer Komponisten, die in der Berliner Cabaret-Szene der 1920er Jahre verwurzelt waren. Nach einer längeren Kreativpause melden sich "BuschMusic" nun mit einem neuen Album in neuer Besetzung zurück. Inzwischen dominieren Eigenkompositionen von Busch das Repertoire des Quartetts, das Dirk Piezunka (Saxofon), Martin Flindt (Gitarre) und Christian "Hille" Klein komplettieren.

Reale 99 Prozent

Der Albumtitel "How Real is Real" ("Wie real ist die Wirklichkeit?") bezieht sich auf das gleichnamige Buch von Paul Watzlawik. Darin argumentiert der berühmte Psychologe und Kommunikationsforscher, dass es keine unverfälschte Wirklichkeit gibt, sondern diese stets das Ergebnis zwischenmenschlicher Kommunikation ist. Eine durch Wahn, Täuschung und Verstehen manipulierte Realität. Diese Realität, so Busch, gebe es natürlich nicht nur in der Politik, sondern auch in der Musik. "Von der Stimmkorrektur bis zum Timing kann man in den Tonstudios nahezu alles aufhübschen, so dass selbst untalentierte Musiker und Sänger ganz passabel klingen. Bei unserem Album beträgt der Realitätsfaktor dagegen rund 99 Prozent", erklärt der Bassist mit einem Augenzwinkern.

Im Jazz Special auf NDR Info blickt Sigi Busch auf seine musikalische Karriere und prägende Begegnungen - u.a. mit Gil Evans - zurück. Außerdem spricht er über die "Kunst des tiefen Tons", seine Liebe zu den Gedichten von Wilhelm Busch und über das Fahrradfahren, das ihm schon manche Inspiration für seine Kompositionen geliefert hat.