Stand: 12.05.2019 19:17 Uhr

Pleite in Paderborn - Der HSV bleibt Zweitligist

von Matthias Heidrich, NDR.de

Aus und vorbei: Der HSV hat den anvisierten, oftmals als alternativlos titulierten Wiederaufstieg in die Bundesliga verpasst - außer Fußball-Deutschland wird am letzten Zweitliga-Spieltag Zeuge eines Wunders. Auch im "Alles oder nichts"-Spiel am Sonntag beim direkten Konkurrenten SC Paderborn präsentierte sich der Tabellenvierte aus Hamburg desolat und verlor am Ende verdient mit 1:4 (0:1). Da der Dritte Union Berlin gleichzeitig gegen Magdeburg gewann und die um 21 Treffer bessere Tordifferenz als der HSV aufweist, ist ein Sprung der "Rothosen" auf den Relegationsrang nur noch theoretisch möglich.

HSV-Einzelkritik: Lasogga chancenlos, Sakai überfordert

Trainer Wolf: "Irgendwann war es egal, wie du aufstellst"

"Mir tut das extrem leid für die Fans und Mitarbeiter. Wir haben seit Wochen eine Entwicklung in die falsche Richtung", sagte Trainer Hannes Wolf, der sich ratlos zeigte: "Irgendwann war es egal, wie du aufstellst. Wir sind dagegen nicht angekommen. Führungsspieler waren entweder nicht da oder nicht in der Verfassung." Der HSV-Coach nahm sich bei seiner Kritik allerdings nicht aus: "Ich kann jetzt nicht sagen: 'Ich kann nix dafür.' Ich bin ein Teil davon." Ob er in der nächsten Saison noch Trainer in Hamburg sein werde, vermochte er nicht einzuschätzen. "Wie das jetzt weitergeht, kann ich in diesem Moment nicht sagen", meinte der 38-Jährige.

"Wenn du Vorstand Sport beim HSV bist in der Zweiten Liga, dann gibt es nur eine Zielsetzung: den Aufstieg. Dass das nächstes Jahr eine Herausforderung ist, ist allen klar, aber wir werden alles dafür tun. Das hat dieser Verein und haben unsere erstligareifen Fans verdient. Das wird immer der Auftrag sein." HSV-Sportchef Ralf Becker

Becker: Das nächste Jahr muss anders werden

Ralf Becker, der schon vergangene Woche kein generelles Treuebekenntnis über die Saison hinaus gegeben hatte, ließ sich nicht in die Karten gucken. "Von mir gibt es dazu jetzt nichts Neues. Wir verdauen erst einmal das Spiel, dann werden wir das eine oder andere besprechen, und dann planen wir die Zukunft", antwortete der Sportvorstand auf die Frage nach Wolf. Gleichzeitig stellte er klar, dass in der nächsten Saison beim HSV einiges anders laufen muss: "Es ist wichtig, dass wir das klar analysieren und abstellen, was wir abstellen können. Denn nächstes Jahr können wir uns so eine Phase nicht mehr erlauben."

Hunt: "Haben uns mehr verpisst als gestellt"

Torwart Tom Mickel, der den kranken Stammkeeper Julian Pollersbeck in Paderborn vertrat, konnte direkt nach dem Spiel noch nicht so weit vorausblicken: "Ich bin einfach leer. Wir haben das ganze Jahr auf den Wiederaufstieg hingearbeitet. Es tut sehr, sehr weh, dass es jetzt nicht klappt. Man weiß, was noch ein Jahr Zweite Liga für den HSV bedeutet. Da hängen auch viele Jobs dran." Der erst zur zweiten Hälfte eingewechselte HSV-Kapitän Aaron Hunt ging derweil mit seinem Team hart ins Gericht: "Heute war eine Mannschaft auf dem Platz, die Angst hatte. Wir haben es einfach nicht verdient aufzusteigen. Es ist einfach katastrophal. In den entscheidenden Spielen haben wir uns mehr verpisst als gestellt. Wir haben alle versagt."

Hamburger Kollektivschlaf - Vasiliadis trifft für Paderborn

33.Spieltag, 12.05.2019 15:30 Uhr

SC Paderborn

4

Hamburger SV

1

Tore:

  • 1:0 Vasiliadis (25.)
  • 2:0 Vasiliadis (46.)
  • 2:1 van Drongelen (71.)
  • 3:1 Antwi-Adjej (81.)
  • 4:1 Antwi-Adjej (86.)

SC Paderborn: Zingerle - Dräger, Schonlau, Hünemeier, Collins - Gjasula, Klement - Pröger (70. Tekpetey), Vasiliadis (84. Gueye), Antwi-Adjej - S. Michel (89. Zolinski)
Hamburger SV: Mickel - Bates (46. Hunt), Lacroix, van Drongelen - G. Sakai, G. Jung (71. Wintzheimer), Janjicic, Douglas Santos - Narey, Lasogga, Jatta (56. Arp)
Zuschauer: 15000 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

Dabei hatte es in Paderborn zu Beginn nicht schlecht ausgesehen für den HSV. Die Gäste drängten auf das 1:0 und hatten nach einer Viertelstunde Pech. Klaus Gjasula klärte den Kopfball von Leo Lacroix vor der Torlinie. SCP-Keeper Leopold Zingerle wäre geschlagen gewesen. Doch dann brach die 25. Minute an und der HSV verfiel defensiv in eine Art Kollektivschlaf: Paderborns Kai Pröger hatte an der Strafraumgrenze alle Zeit der Welt, HSV-Schlussmann Mickel wehrte den Schuss sträflich nach vorne ab, wo sich wiederum niemand für Sebastian Vasiliadis zuständig fühlte - 1:0 für Paderborn. Khaled Narey hätte den Hamburgern wieder Hoffnung geben können, doch der Flügelstürmer scheiterte frei von halbrechts mit einem schwachen Abschluss an Zingerle (31.).

Zweiter Nackenschlag 19 Sekunden nach Wiederanpfiff

Die zweite Hälfte war gerade einmal 19 Sekunden alt, da kassierte der HSV den nächsten Nackenschlag. Lacroix stellte sich im Zweikampf gegen Vasiliadis derart hemdsärmelig an, dass der Paderborner keine Mühe hatte, in den Strafraum einzudringen und das 2:0 für die Gastgeber zu markieren. Die Hanseaten mussten nun aufmachen. Paderborn hatte viel Platz, verpasste aber mehrfach die Vorentscheidung und ließ die "Rothosen" wieder ins Spiel kommen: Rick van Drongelen verkürzte in der 71. Minute nach einer Ecke per Kopf auf 1:2.

Die Hoffnungen der Hamburger währten allerdings nicht lange. Christopher Antwi-Adjej schoss in der 81. und 86. Minute den 4:1-Sieg für Paderborn heraus. "Zweite Liga, Hamburg ist dabei", skandierten die Fans der Gastgeber. Dem war nichts mehr hinzuzufügen.

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Sportclub | 12.05.2019 | 22:30 Uhr

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