Stand: 26.01.2020 13:53 Uhr

Wolfsburg in der Krise: "Auf jeder Ebene zu wenig"

Ratlos und frustriert: Wolfsburgs Stürmer Wout Weghorst.

Vor wenigen Monaten war der VfL Wolfsburg noch Tabellenzweiter in der Fußball-Bundesliga. Inzwischen sind die "Wölfe" im grauen Mittelmaß angekommen. Trainer Oliver Glasner hakt das Thema erneute Europa-League-Qualifikation bereits ab.

Die Ränge des Wolfsburger Fußball-Tempels hatten sich nach der 1:2-Pleite des heimischen VfL gegen die Hertha aus Berlin rasch geleert. Für die paar Zuhörer, die er wenige Minuten nach dem Ende des Bundesliga-Duells noch hatte, kündigte Stadionsprecher Georg Poetzsch noch die kommenden Heimpartien des Werksclubs an, um sie dann mit einem guten Ratschlag aus der Arena zu entlassen: "Wenn uns das Spiel schon keine warmen Füße beschert hat, dann vielleicht ja gleich die Heizdecke zu Hause oder noch ein Glühwein für den Nachhauseweg." Während der Anhang mindestens diese beiden Optionen hatte, den enttäuschenden Wolfsburger Fußball-Nachmittag bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt etwas zu vergessen, waren die Probleme der "Wölfe" mit einer Heizdecke und/oder einem Glühwein natürlich nicht zu lösen.

Schlager: "Werden aus der Situation herauskommen"

Sportclub -

Zwei Niederlagen nach der Winterpause haben Bundesligist VfL Wolfsburg in eine kleine Krise gestürzt. Im Sportclub zeigte sich Xaver Schlager jedoch zuversichtlich, dass der VfL wieder die Kurve kriegt.

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Weghorst "So haben wir uns das nicht vorgestellt"

"Das war einfach auf jeder Ebene zu wenig", resümierte VfL-Angreifer Wout Weghorst nach der dritten Pleite in Folge im NDR 2 Interview.

"Wir sind sehr ehrgeizig, so haben wir uns das nicht vorgestellt", ergänzte der Torjäger a.D. Den bis dato letzten seiner bisher sieben Saisontreffer hat der Niederländer am 13. Spieltag gegen Werder Bremen erzielt (2:3). Die Ladehemmung des 27-Jährigen, der angeblich vom Premier-League-Club Tottenham Hotspur umgarnt wird, ist auch ein Grund der Wolfsburger Krise. Denn einen anderen halbwegs zielsicheren "Knipser" haben die Niedersachsen nicht in ihren Reihen. Ärgste "Verfolger" von Weghorst in der internen Torschützenliste sind Josip Brekalo, Maximilian Arnold und Admir Mehmedi. Das Trio war jeweils zweimal erfolgreich. Mittelfeldmann Xaver Schlager hat daher auch eine ganz simple Erklärung, wie die aktuelle Misere zu beenden ist: "Wir müssen einfach das Tor treffen - fertig."

Schmadtke kritisiert Defensivverhalten

Das größte Defizit der Niedersachsen, die lediglich zwei der vergangenen zehn Erstliga-Begegnungen gewonnen haben, ist jedoch seit geraumer Zeit das Defensivverhalten. Immer wieder führen individuelle Patzer oder mangelnde Abstimmung zu Gegentreffern. So auch gegen die nur sehr bedingt durch hohe Kreativität auffallende "Alte Dame" von der Spree. "Beim ersten Tor ist der Angreifer in der Lage, aus der Bewegung zum Abschluss zu kommen. Beim zweiten stehen wir hinten zu tief, sodass es kein Abseits ist. Da muss man das Spiel auch mal nicht nur begleiten und mit den Augen decken", kritisierte Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport, bei "Sky". Als "mehr als kompliziert" bezeichnete der frühere Torwart die aktuelle Lage beim VfL.

Schmadtke: "Wir müssen uns resetten"

Einen Tag später forderte der Manager einen sportlichen Neustart und ein taktisches Umdenken. "Wir müssen anfangen, neue Wege zu gehen. Wir spielen vorne konstant mit drei Spitzen. Und mein Eindruck ist, dass uns das nicht dabei hilft, um Torchancen zu kreieren", sagte der 55-Jährige im "Doppelpass" von Sport1, stellte Coach Oliver Glasner aber nicht in Frage. "Es geht nicht um den Trainer. Sondern darum, wie wir diese Situation bewältigen können. Die haben wir gemeinschaftlich zu lösen. Wir müssen uns eher resetten."

Glasner hakt Saisonziel Europa League ab

Die ausgezeichnete Anfangsphase unter Glasner mit 22 ungeschlagenen Spielen (inklusive Testpartien) ist am Mittellandkanal längst in Vergessenheit geraten.

Nach der Pleite gegen Berlin wollte der Österreicher, der im vergangenen Sommer Bruno Labbadia ablöste, an die erneute Qualifikaton für das internationale Geschäft keinen Gedanken mehr verschwenden - zumindest nicht öffentlich. "Wenn wir mit zwei Niederlagen in die Rückrunde starten, können wir dieses Thema ad acta legen", sagte der 45-Jährige. Bis auf Rang zehn sind die Niedersachsen inzwischen durchgereicht worden, am neunten Spieltag waren sie noch Zweiter: Bonjour Tristesse. Mittelmaß ist aber bekanntlich so gar nicht nach des Gusto des VfL-Eigners, einem recht bekannten ortsansässigen Autobauer. Und so könnte die Stimmung in Wolfsburg unabhänig von den Temperaturen in Bälde noch frostiger werden, sollten es auch in den kommenden beiden Partien gegen die Abstiegskandidaten SC Paderborn und Fortuna Düsseldorf keine Kehrtwende geben.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 26.01.2020 | 22:50 Uhr