Stand: 20.06.2020 21:15 Uhr

Werder verliert in Mainz - Abstieg nur vertagt?

von Ines Bellinger, NDR.de
Ridle Baku (FSV Mainz 05), Marco Friedl (Werder Bremen), Christian Groß(Werder Bremen) im Kampf um den Ball. © gumzmedia/nordphoto Foto: gumzmedia
Die Bremer warfen in Mainz alles rein - es reichte nicht.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Werder Bremen hat die Entscheidung im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga noch einmal vertagt - allerdings fast ohne eigenes Zutun. Nach der 1:3 (0:2)-Niederlage beim 1. FSV Mainz 05 und dem zeitgleichen 1:1 von Fortuna Düsseldorf gegen den FC Augsburg sind die Grün-Weißen am letzten Spieltag auf einen Stolperer der Düsseldorfer angewiesen, die in der Tabelle jetzt zwei Punkte vor Werder auf dem Relegationsplatz rangieren. Die Mannschaft von Florian Kohfeldt braucht zu Hause gegen den 1. FC Köln am kommenden Sonnabend - es wird das 1.900. Bundesliga-Spiel für Werder - in jedem Fall einen Sieg. Verliert Düsseldorf parallel in Berlin, zieht Werder noch vorbei. Holt die Fortuna einen Punkt, braucht Bremen einen Sieg mit mindestens vier Toren Differenz. Mainz indes ist nach dem Sieg gegen Werder aller Sorgen ledig.

Kohfeldt: Kämpfen bis zum letzten Moment

"Wir haben heute eine große Chance vergeben. Es wäre möglich gewesen, an Düsseldorf vorbeizuziehen. Das haben wir nicht geschafft", sagte Kohfeldt nach dem Spiel. "Jetzt ist es sehr schwer, den Klassenerhalt noch über die Relegation zu realisieren. Aber wir sind es allen im Verein schuldig, bis zum letzten Moment zu kämpfen, so lange es rechnerisch noch möglich ist." Werder-Kapitän Niklas Moisander richtete trotz der bitteren Enttäuschung den Fokus auf das Saisonfinale gegen Köln: "Wir müssen gewinnen und so viele Tore machen wie möglich. Erst danach können wir schauen, was Düsseldorf macht."

Werders Anfangsoffensive verpufft

Im Vergleich zum 0:1 gegen Bayern München nahm Kohfeldt zwei Wechsel in seiner Startformation vor.

33.Spieltag, 20.06.2020 15:30 Uhr

1. FSV Mainz

3

Werder Bremen

1

Tore:

  • 1:0 Quaison (25.)
  • 2:0 Boetius (30.)
  • 2:1 Osako (58.)
  • 3:1 Fernandes (85.)

1. FSV Mainz: Fl. Müller - R. Baku, St. Juste, Niakhaté, Brosinski - Latza (56. Barreiro Martins), Kunde Malong (65. Fernandes) - Boetius, Quaison (46. Öztunali), Onisiwo (77. Hack) - Mateta (64. Szalai)
Werder Bremen: Pavlenka - Veljkovic (86. Selke), Groß (46. Bartels), Moisander - Gebre Selassie (44. Augustinsson), M. Eggestein, Klaassen, Friedl (82. Pizarro) - Bittencourt (46. Füllkrug) - Sargent, Osako
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Christian Groß vertrat als zentraler Baustein im Defensivverbund Kevin Vogt, dessen Adduktorenbeschwerden keinen Einsatz zuließen. Außerdem setzte Kohfeldt den ebenfalls angeschlagenen und in den vergangenen Wochen auch nicht überzeugenden Milot Rashica auf die Bank. Für ihn stürmte Joshua Sargent. Der Mainzer Coach Achim Beierlorzer setzte nach dem überraschenden 2:0-Erfolg in Dortmund auf die Trumpfkarte Robin Quaison. Der Schwede hatte beim 5:0 im Hinspiel in Bremen einen Dreierpack geschnürt.

Die Bremer hielten sich nicht lange bei der Vorrede auf. In der vierten Minute legte Yuya Osako den Ball im Mainzer Strafraum zu Sargent ab, der aus zehn Metern hart und platziert abschloss. Doch Torwart Florian Müller tauchte blitzschnell ins rechte Eck ab und klärte zur Ecke. Kurz darauf jagte Leonardo Bittencourt den Ball aus 15 Metern an die Toraufhängung (7). Das Kohfeldt-Team presste enorm hoch, was im Rückwärtsgang nicht ohne Risiko war. In der elften Minute befreite sich Mainz erstmals über die rechte Seite. Die anschließende Flanke lupfte Abnehmer Jean-Philippe Mateta über Werder-Torwart Jiri Pavlenka - aber auch über das Tor.

Zu diesem Zeitpunkt führte Augsburg in Düsseldorf mit 1:0.

Mainzer Doppelschlag vor der Pause

Während die Bremer Anfangsoffensive abebbte, kamen die Mainzer stetig besser ins Spiel. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf. Nach einem Freistoß von Daniel Brosinski kassierte Werder das 22. (!) Gegentor nach einem Standard in dieser Saison. Theodor Gebre Selassie klärte zunächst noch den Kopfball von Karim Onisiwo, doch der nachsetzende Quaison drückte den Ball über die Linie (25.).

Der Nachricht vom 1:1 in Düsseldorf folgte der nächste Nackenschlag. Danny Latza und Jean-Paul Boetius durften sich nahezu ungestört durch die Mitte Richtung Werder-Strafraum kombinieren. Boetius hatte noch genügend Zeit, sich die Ecke für seinen Flachschuss auszusuchen - 2:0. Bereits nach einer halben Stunde stand Bremen vor einem Scherbenhaufen, zumal nun auch noch Gebre Selassie mit einer Verletzung am linken Sprunggelenk ausgewechselt werden musste (44.). Mit zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz ging Werder in die Kabine.

Osakos Treffer reicht nicht

Mit dem Wiederanpfiff zog Kohfeldt zwei Offensivoptionen, brachte Niclas Füllkrug und Fin Bartels für Groß und Bittencourt.

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Füllkrug führte sich mit einer Großchance ein, doch der Mainzer Keeper Müller ließ sich nicht tunneln (53.). Kurz darauf keimte Hoffnung auf. Nach unbändigem Einsatz von Füllkrug und Zuspiel von Davy Klaassen knallte Osako den Ball aus sieben Metern unter die Querlatte zum 2:1 ins Mainzer Tor (58.). Vorne machten die Bremer Druck, hinten verließen sie sich ganz auf Pavlenka. Mit zwei brillanten Paraden gegen Adam Szalai (66.) und Onisiwo (69.) hielt der tschechische Keeper seine Mannschaft im Spiel.

Kohfeldt fischte sein letztes Ass aus dem Ärmel, brachte Claudio Pizarro in der Hoffnung auf einen Geniestreich des 41-Jährigen. Doch in die verzweifelten Bremer Bemühungen, noch den Ausgleich zu erzielen, fiel das 3:1 für Mainz durch den eingewechselten Edimilson Fernandes (85.).

In den Schlussminuten richteten sich die Blicke des Bremer Personals nach Düsseldorf, wo ein weiteres Tor für die Fortuna den zweiten Abstieg der Bremer nach 1980 bereits besiegelt hätte.

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Sportclub | 21.06.2020 | 22:30 Uhr

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