Stand: 22.08.2018 12:54 Uhr

Trainer Doll als Tabellenführer entlassen

Trainer Thomas Doll muss Ferencváros Budapest nach fünf Jahren verlassen.

Dass im Fußball-Geschäft kein Platz für Sentimentalitäten ist, hat Thomas Doll in seiner langen Karriere als Spieler und Trainer bereits häufiger erfahren müssen. Doch was dem gebürtigen Malchiner nun widerfahren ist, hat selbst in diesem schnelllebigen Business Seltenheitswert. Trotz drei Pokalsiegen, eines Supercup-Erfolgs und einer Meisterschaft in den vergangenen fünf Jahren sowie zuletzt 17 ungeschlagenen Ligaspielen in Folge wurde der Coach von Ferencváros Budapest am Dienstag vor die Tür gesetzt. In der offiziellen Mitteilung des Vereins war zwar von einer "einvernehmlichen Trennung" die Rede.

Doch diesen Terminus zweifeln ungarische Medien erheblich an. Zumal der 29-malige Champion erstaunlich schnell einen Nachfolger präsentierte. Bereits am Mittwochvormittag wurde der Ukrainer Sergei Rebrov als neuer Übungsleiter vorgestellt. Er war zuvor bei Al-Ahli Dschidda in Saudi-Arabien tätig. Dem Land also, in dem auch Doll vor seinem Amtsantritt bei den Magyaren gearbeitet hatte.

Medien: Entlassung lange geplant

Warum der einstige Publikumsliebling- und Trainer des Hamburger SV bei Ferencváros trotz Vertrags bis 2019 und auf Platz eins stehend seinen Hut nehmen musste, ist öffentlich bis dato weder von ihm noch dem Club kommuniziert worden. Laut ungarischen Medien gab es dafür aber gleich mehrere Gründe. Unter anderem ist die Rede von einem "undurchsichtigen Spielsystem", verfehlter Einkaufspolitik sowie dem schwachen Abschneiden auf europäischer Bühne. Ferencváros - in der vergangenen Serie Vizemeister - war vor rund einem Monat in der ersten Runde der Qualifikation zur Europa-League-Gruppenphase an Maccabi Tel-Aviv gescheitert. Laut dem Portal "eitorfoci.hu" sei bereits kurz danach Rebrov von den Ungarn kontaktiert worden. Dolls Aus war demnach wohl bereits weit vor der nun erfolgten Trennung beschlossene Sache bei dem finanzstarken Club. Mit ihm musste auch Co-Trainer Ralf Zumdick gehen

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Doll war wegen seiner erfolgreichen Arbeit in Budapest in den vergangenen Jahren immer wieder mit deutschen Vereinen in Verbindung gebracht worden. Der bei Hansa Rostock ausgebildete Fußballer hatte stets betont, dass er sich bei den Magyaren sehr wohl fühle und schon "das richtige Angebot" kommen müsse, um über einen Abschied nachzudenken. Der 52-Jährige hatte seine Trainerlaufbahn beim HSV begonnen. Er führte die Hamburger 2006 in die Champions League, wurde dann ein halbes Jahr später aber wegen anhaltender Erfolglosigkeit beurlaubt. Es folgte ein kurzes Engagement bei Borussia Dortmund sowie Auslandsstationen in der Türkei und Saudi-Arabien, bevor er in Ungarn anheuerte.

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Sport aktuell | 22.08.2018 | 11:25 Uhr

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