Schiedsrichterin Wildfeuer: Pionierin "Bibi" traut ihr Großes zu

Stand: 11.01.2021 10:11 Uhr

Die neue FIFA-Schiedsrichterin Franziska Wildfeuer vom VfB Lübeck nimmt sich Bibiana Steinhaus zum Vorbild, und die lobt sie in den höchsten Tönen. Assistentin Levke Scholz neckt ihre Chefin gerne wegen ihres "Sprachfehlers".

von Ines Bellinger, Alexander Kobs und Martin Roschitz

Fitnesstest nach FIFA-Vorgaben, Englisch-Prüfung - alles kein Problem. Nur wenn es um ihre Muttersprache geht, muss sich die Wahl-Lübeckerin Wildfeuer hin und wieder ein paar Sprüche gefallen lassen. "Man merkt natürlich am Dialekt, dass sie aus Bayern kommt, aber sie kann auch schon sehr gut Hochdeutsch", sagt Levke Scholz, die seit drei Jahren als Assistentin zum Team der Schiedsrichter-Aufsteigerin vom VfB Lübeck gehört. Dafür, so erzählt Scholz, bekomme sie regelmäßig einen Rüffel von ihrer Chefin, wenn sie nicht gerade sitze. Denn Franziska Wildfeuer ist im Hauptberuf Physiotherapeutin.

Mit dem Hochdeutsch klappte es ganz gut bei Wildfeuers erstem Auftritt im NDR Sportclub, wo die ehrgeizige junge Frau über ihren Karriereplan sprach. Sie arbeitet in einer Praxis in Bad Schwartau als selbstständige Therapeutin, was ihr die Möglichkeit gibt, ihre Termine rund um den Fußball besser zu koordinieren. "Meine Patienten sind auch meine Fans. Die haben großes Verständnis", sagt sie. Zudem ist ihre Frau auch fußballbegeistert. Läuft alles nach Plan, muss die 27-Jährige bald noch mehr Zeit für die Schiedsrichterei aufbringen. Denn nach ihrem Aufstieg in die FIFA-Riege Ende des Jahres warten neben Spielen in der Frauen-Bundesliga und der Männer-Regionalliga auch internationale Einsätze bei Frauenspielen auf sie. Freilich ersetzt sie Bibiana Steinhaus nicht 1:1. "Ich steige in der dritten Kategorie ein und muss mich Jahr für Jahr hoffentlich hochkämpfen."

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Ihr Ziel: die Elite-Klasse, der von den vier deutschen Schiedsrichterinnen auf der FIFA-Liste momentan nur Riem Hussein angehört. Die Schiedsrichterin von der TSG Bad Harzburg darf auch Spiele der Dritten Liga bei den Männern pfeifen. Dort will auch Wildfeuer hin - und höher hinaus nach dem Vorbild von Steinhaus, die auch Spiele in der Männer-Bundesliga leitete. "Bibiana ist eine Pionierin für uns Schiedsrichterinnen. Sie hat einen Weg beschritten, den bisher noch keine deutsche Schiedsrichterin beschreiten konnte", sagt sie.

Steinhaus, die zwar im Herbst ihre Karriere auf dem Platz beendet hat, aber nach wie vor als Video-Schiedsrichterin pfeift, ist voll des Lobes über Wildfeuer: "Es zeugt von ihrem Talent, ihrem Einsatz und ihrem Können, dass sie in so jungen Jahren für diese Aufgabe überhaupt schon nominiert wird. Ich bin mir ganz, ganz sicher, dass die Regionalliga nicht die letzte Stufe in ihrer Laufbahn gewesen ist."

"Bibiana ist eine Pionierin für uns Schiedsrichterinnen. Sie hat einen Weg beschritten, den bisher noch keine deutsche Schiedsrichterin beschreiten konnte." Franziska Wildfeuer

Bayerns Jann-Fite Arp diskutiert mit Schiedsricherin Riem Hussein. © imago images/HärtelPRESS
Riem Hussein pfeift in der Dritten Liga, hier im Austausch mit Jann-Fiete Arp.

Wildfeuers Plus: Sie hat bis zur B-Jugend bei der SpVgg Ruhmannsfelden in Niederbayern mit Jungs Fußball gespielt - auf eine Frauenmannschaft hatte sie danach keine Lust - und weiß, wie man Spielerinnen und Spieler auch in emotional aufgeladenen Situationen nehmen muss. "Franzi ist in sich ruhend", lobt ihre Assistentin Scholz. "Das gibt auch dem Spiel Ruhe." Im Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV) hilft Wildfeuer dabei, Nachwuchs zu akquirieren und dass in der immer noch sehr männlich betonten Schiedsrichter-Gilde Frauen besser akzeptiert werden. Potenziellen Einsteigerinnen empfiehlt sie zunächst eine Art Hospitanz. "Es gibt im SHFV das sogenannte Schiedsrichter-Praktikum an, da kann man mal reinschnuppern, wie alles so abläuft, ohne Verpfllichtungen", erzählt sie.

Manchmal will sie zu viel auf einmal

Kumpeltyp "Franzi" wurde trotz ihren "Sprachfehlers" beim VfB Lübeck schnell akzeptiert und integriert und angesichts ihrer Leistungen gefördert. Sie ist extrem ehrgeizig und sehr kritisch mit sich. "Und manchmal ist das auch ein kleiner Stein im Weg, dass ich zu viel auf einmal will." Dennoch rät ihr Vorbild Steinhaus dazu, das Trikot "ruhig schon mal eine Nummer größer zu wählen, denn ich bin sehr sicher: Sie wird da ganz schnell reinwachsen".

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 10.01.2021 | 22:50 Uhr

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