Stand: 16.05.2020 08:40 Uhr

Kommentar: Profifußball ist nicht systemrelevant

von Matthias Steiner

Am heutigen Sonnabendmittag soll es losgehen mit den Geisterspielen im Profifußball. Die einen freuen sich, andere sind skeptisch. Matthias Steiner kommentiert.

Matthias Steiner im Studio von NDR 90,3 © NDR Foto: Marco Peter
NDR 90,3 Sportchef Matthias Steiner kommentiert die Geisterspiele im Profifußball.

Mögen die Spiele beginnen. Sollte es keine weiteren Infektionsfälle im Profifußball geben, wäre die Deutsche Fußball Liga (DFL) gerade noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen. Trotzdem, noch nie in der Geschichte der Bundesliga hat der Fußball so polarisiert. Die gefühlte Unantastbarkeit der Milliardenbranche bröckelt gewaltig. Immer mehr Menschen stellen die gesellschaftliche Bedeutung des Profifußballs infrage. Zu Recht. Die DFL hat es nicht geschafft, die Sonderbehandlung plausibel zu begründen. Theater, Kinos, Bars sind noch geschlossen. Kontakt-Wettkampfsport ist komplett verboten, nur die Profis dürfen kicken. Selbst die Ultra-Fans sind dagegen.

Bisher nur Lippenbekenntnisse der Liga

Beim FC St Pauli wird Präsident Oke Göttlich nicht müde zu betonen, dass sich der Profifußball ändern muss. In der Tat. Aber gleichzeitig erhöht der Club die Dauerkartenpreise. Vor Demut triefende Aussagen der Liga - etwa, dass es außer Frage stehe, dass künftig Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit zu den entscheidenden Werten gehören müssten - sind bisher nicht mehr als Lippenbekenntnisse.

VIDEO: Profifußball in Corona-Krise auf dem Prüfstand (2 Min)

Selbstbeschränkung bleibt ein frommer Wunsch

Ein Corona-Moratorium zum Beispiel, mit dem Verbot von Spielertransfers in diesem Sommer wäre ein mutiges Signal zum Schutz der kleineren Clubs - das würde allein schon zig Millionen Euro an Vermittlerhonoraren einsparen. Aber darauf zu hoffen, wäre naiv. Eine Selbstbeschränkung des Profifußballs mit klaren Gehaltsobergrenzen wird ein frommer Wunsch bleiben. Im Zweifel ist sich jeder selbst der nächste.

Abschottung gegenüber den Medien zu befürchten

Und noch etwas ist zu befürchten: Mich würde es nicht wundern, wenn Vereine wie der HSV zum Beispiel die Coronakrise ganz nebenbei nutzen, um sich noch weiter gegen die Medien abzuschotten. Von virtuellen Pressegesprächen, bei denen die Fragen vorher schriftlich einzureichen sind, ist es nicht mehr weit zu Spielerinterviews, die der Pressesprecher des Clubs führt und den Medien hinterher anbietet - kritische Fragen würde es dann nicht mehr geben.

Profifußball in Corona-Krise auf dem Prüfstand

Nur eines ist klar: Der Profifußball steht zu Zeiten von Corona zumindest mal auf dem Prüfstand. Die Öffentlichkeit wird genauer hinschauen, wie es weitergeht. Für mich persönlich steht schon jetzt fest: Der Profifußball ist nicht systemrelevant.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 16.05.2020 | 08:40 Uhr

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