Stand: 26.10.2019 11:14 Uhr

Hansa-Keeper Kolke: "Rostock ist fußballbesessen"

Torhüter Markus Kolke wechselte im Sommer aus Wiesbaden zu Hansa Rostock.

Hansa Rostock ist in der Dritten Liga seit sieben Spielen ungeschlagen. Großen Anteil daran hat Torhüter Markus Kolke, der zuletzt in Magdeburg (1:0) mit mehreren starken Paraden die Serie gerettet hat. "Matchwinner" will der 29-Jährige jedoch nicht genannt werden, für ihn gewinnt und verliert die Mannschaft immer zusammen. Der Familienvater hat sich nach acht Jahren beim SV Wehen Wiesbaden schnell an der Ostsee akklimatisiert. Vor dem Heimspiel der Rostocker gegen 1860 München, das der Sportclub NDR Fernsehen und bei NDR.de live überträgt, sprach Kolke im Interview über Vaterfreuden, Aberglauben im Fußball und große Ziele mit Hansa.

Herr Kolke, wie haben Sie geschlafen?

Markus Kolke: (lacht) Ich habe den "Papa-Schlaf" entwickelt. Am Anfang habe ich nachts jede Kleinigkeit gehört. Aber mittlerweile höre ich nichts mehr. Aber wir haben auch Glück gehabt, unser Kleiner ist da nicht der Komplizierteste.

Wie wichtig ist es für Sie, dass es mit Ihrem Sohn zu Hause nicht um Profi-Fußball geht?

Kolke: Das ist wirklich brutal. Da kann das Spiel so schlecht gelaufen sein, wie es will. Oder auch, wenn das Training mal scheiße war. Wenn ich die Tür aufschließe, steht der Kleine da, und alles andere ist egal. Da haben Kinder eine gute Gabe.

Ist es nach so einem Spiel wie in Magdeburg, als Sie mit zahlreichen Paraden den Sieg festgehalten haben, trotzdem schwieriger abzuschalten?

Kolke: Ich bin nach jedem Spiel aufgekratzt - da spielt das Ergebnis keine Rolle. Früher hatte ich noch mehr Probleme einzuschlafen. Jetzt weiß ich, dass ich schlafen muss, weil mein Sohn am nächsten Morgen mit mir spielen will (lacht).

Sie haben mittlerweile 222 Drittliga-Spiele absolviert - damit sind Sie Rekordhalter unter den Torhütern. Hat der 1:0-Sieg in Magdeburg jetzt trotzdem einen besonderen Platz - schließlich war es Ihr bisher bestes im Hansa-Trikot?

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Kolke: Das war ein typisches Torhüter-Spiel. Dass man sieben bis acht Schüsse auf sein Tor kriegt, kommt ja heutzutage kaum noch vor. Da hat sich der Fußball schon verändert. Manchmal gehen vier von sieben Schüssen rein, um alle zu halten, braucht man auch Glück. Ich habe mich natürlich gefreut, dass wir zu null gespielt haben. Und das bei so einem Ostduell mit solch einer Kulisse - da macht Fußball richtig viel Spaß.

Haben Sie vor der Partie eigentlich einen Espresso getrunken?

Kolke: Natürlich, wir haben immer eine Kaffeekanne in der Kabine stehen!

Mit elterlichem Schlafmangel hat das ja nichts zu tun, wie kommt es dann zu diesem Brauch?

Kolke: Das war noch in der A-Jugend. Mein Torwarttrainer in Aschaffenburg hat vor jedem Spiel und jedem Training in einer kleinen Küche die drei Torhüter um sich geschart, und dann haben wir zusammen einen Espresso getrunken. Er meinte, dass wir dann wacher und konzentrierter seien. Das war ein schönes Ritual.

Sind Sie in Sachen Fußball ein abergläubischer Mensch?

Kolke: Das kann man schon so sagen. Ich ziehe immer erst den rechten Handschuh an und dann den linken. Genauso ist es bei den Schuhen und Stutzen. Ich habe vor jedem Spiel einen bestimmten Ablauf. Meistens ziehe ich auch vor jedem Spiel ein neues Paar Handschuhe an.

Auch nach dieser Leistung gegen Magdeburg?

Kolke: Wahrscheinlich... (lacht) Ich überlege noch, aber wahrscheinlich schon.

Bei Ihrer Vertragsauflösung in Wiesbaden sagten Sie, Ihre Mission beim SVWW sei erfüllt. Hat es nicht trotzdem geschmerzt, in der Dritten Liga zu bleiben? Schließlich haben Sie noch nicht in der Zweiten Liga gespielt.

Kolke: Nein, absolut nicht. Meine Entscheidung stand schon länger fest, und ich bin kein Mensch, der irgendwas bereut. Ich genieße die Zeit hier oben, und mir fehlt absolut nichts.

Was mögen Sie denn an dieser Liga besonders?

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Markus Kolke ist mit 222 Spielen Drittliga-Rekordtorhüter.

Kolke: Die Liga wird jedes Jahr immer ausgeglichener. Unten und oben trennt nicht viel. Die Spiele sind meistens brutal eng. Und es wird auch noch ein Stück wahrer Fußball gelebt. Hier profitiert mal ein Team von einer Fehlentscheidung, und hinterher wird drüber diskutiert. Da greift kein Video-Schiedsrichter ein.

Und was ist anders daran, mit Hansa und nicht mit Wehen Wiesbaden in dieser Liga zu spielen?

Kolke: Die Städte kann man nicht miteinander vergleichen. Hansa hat auf jeden Fall eine ganz andere Tradition vorzuweisen. Das Umfeld ist Bundesliga-erprobt. Man merkt, dass die Stadt und das gesamte Bundesland fußballbesessen sind - nicht zuletzt daran, wie viele Fans auswärts mit dabei sind.

Wenn Sie Ihre "Mission" in Wiesbaden erfüllt hatten, mit welcher Mission sind Sie denn nach Rostock gekommen?

Kolke: Oha, gute Frage. Darüber habe ich bisher gar nicht nachgedacht. Nach drei Monaten ist es schwierig, schon die ganz großen Ziele zu formulieren.

Aber Sie würden Rostock nicht sofort verlassen, wenn während Ihrer Vertragslaufzeit bis 2021 auch hier der Aufstieg gelingen würde?

Kolke: (lacht) Nee, nee - das kann ich auf jeden Fall ausschließen!

Das Interview führte Florian Neuhauss, NDR.de

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Sportclub | 26.10.2019 | 14:00 Uhr

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