Andre Breitenreiter bei seiner Vorstellung als Trainer des FC Zürich © picture alliance/KEYSTONE Foto: ENNIO LEANZA

Zurück im Geschäft: Breitenreiter nimmt auf Züricher Schleudersitz Platz

Stand: 10.06.2021 10:31 Uhr

André Breitenreiter hat zweieinhalb Jahre nach seiner Entlassung bei Hannover 96 einen neuen Trainer-Job gefunden. Der 47-Jährige übernimmt das Amt beim FC Zürich, der in der Vergangenheit nicht gerade viel Geduld mit seinen Übungsleitern aufbrachte.

von Hanno Bode

Nicht weniger als zehn Coaches verschliss der zwölfmalige Schweizer Meister in den vergangenen 15 Jahren. Genauer genommen verpflichtete und feuerte sie Ancillo Canepa. Der erfolgreiche Wirtschaftsprüfer ist seit 2006 Präsident beim FCZ und leitet den Super-League-Club nach übereinstimmenden Medienberichten nach Gutsherrenart. Getreu dem Motto: "Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird", soll der 68-Jährige demnach sportliche Entscheidungen im Alleingang treffen.

"Ich bin aber auch derjenige, der zusammen mit meiner Frau Heliane die finanzielle Gesamtverantwortung trägt", entgegnete Canepa jüngst im Interview mit der "Neuen Züricher Zeitung" (NZZ) der Kritik an seiner Amtsführung. Er und seine Gattin sind im Besitz von 90 Prozent der Aktien der Betriebsgesellschaft FCZ AG und sollen schon sehr, sehr viel Geld in den Club gepumpt haben.

Wie bei 96: Breitenreiter hat mächtigen Boss im Rücken

Ancillo Canepa, Präsident des Schweizer Fußball-Clubs FC Zürich © picture alliance/KEYSTONE Foto: JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Seit 2006 Präsident des FC Zürich: Ancillo Canepa.

Breitenreiter, der seit seiner Beurlaubung bei den "Roten" vereinslos war und zuletzt als Experte bei einem TV-Bezahlsender über den Bildschirm flimmerte, muss sich also ab sofort mit einem Clubboss arrangieren, der schon Trainer-Größen wie Lucien Favre vor die Tür gesetzt hat und in den Medien omnipräsent ist. Das dürfte den früheren Angreifer des Hamburger SV, VfL Wolfsburg und von Holstein Kiel an seine Zeit in Hannover erinnern. Bei 96 bestimmt bekanntlich Mehrheitsgesellschafter Martin Kind, wie die Dinge zu laufen haben.

Am 27. Januar 2019 hatte der Club-Boss in der Personalie Breitenreiter den Daumen gesenkt. "Die Leistungsentwicklung war so, dass wir ihn entlassen mussten. Es geht um 96", erklärte der Unternehmer damals.

"Freue mich auf die spannende Aufgabe"

Zweieinhalb Jahre später heißt es nun für Breitenreiter Canepa statt Kind, Zürich statt Maschsee und Super League statt Bundesliga. Gleich geblieben sind hingegen die freundlichen Phrasen, die Trainer bei ihren offiziellen Vorstellungen halt so dreschen. "Der FC Zürich gehört zu den Top-Adressen im Schweizer Fußball und ich freue mich sehr auf die neue, spannende Aufgabe. Die Gespräche mit dem Präsidenten-Ehepaar Heliane und Ancillo Canepa sowie Sportchef Marinko Jurendic waren sehr angenehm und haben mir die Entscheidung leicht gemacht", erklärte Breitenreiter am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

Breitenreiter nur die "B-Lösung" beim FC Zürich?

Dass der aus Langenhagen stammende Trainer dort auf dem Podest saß, war durchaus überraschend. Denn in den vorausgegangenen Tagen hatte der Schweizer Boulevard berichtet, dass der FCZ in Gesprächen mit dem früheren Schalke-Coach Manuel Baum gewesen sei. Der Name Breitenreiter fiel im Zusammenhang mit dem Beinahe-Absteiger der Vorsaison nicht. Aber erstens kommt es bekanntlich anders, und zweitens als man denkt. Einen Vertrag über zwei Jahre hat der ehemalige Aufstiegstrainer von 96 bei den Zürichern erhalten, die sich zuvor von Massimo Rizzo getrennt hatten.

Und als Bonbon zum Arbeitspapier dazu gab es für ihn jede Menge Vorschusslorbeeren von Boss Canepa. "Ich verfolge seine Trainerlaufbahn schon seit einigen Jahren. Mir hat imponiert, wie die von ihm trainierten Mannschaften seine Vorstellungen von Fußball konsequent umgesetzt haben", erklärte der FCZ-Chef. Bleibt für Breitenreiter nur zu hoffen, dass der ungeduldige Präsident seine Meinung nicht allzu schnell ändert...

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 10.06.2021 | 23:03 Uhr

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