Stand: 08.06.2020 22:40 Uhr

3:3 - Kiel schockt HSV in letzter Sekunde

von Hanno Bode, NDR.de
Joel Pohjanpalo (M.) vom Hamburger SV trifft im Spiel gegen Kiel zum 2:1 © Witters Foto: Valeria Witters
Joel Pohjanpalo (M.) traf beim 3:3 gegen Kiel doppelt für den HSV.

Es ist wie verhext für den HSV gegen Holstein Kiel. Auch im vierten Zweitliga-Duell mit dem Nordrivalen gelang den Hamburger Fußballern kein Erfolg. Im Geisterspiel am Montagabend setzte sich der Spuk dabei in einer zuvor noch nicht gekannten Dimension fort: Bis in die vierte Minute der Nachspielzeit führte das Team von Coach Dieter Hecking, dann erzielte Jae-sung Lee noch den 3:3-Endstand. Der HSV verpasste damit den Sprung auf den zweiten Tabellenplatz, den weiter der VfB Stuttgart (0:0 gegen Osnabrück) innehat.

Leih-Stürmer Joel Pohjanpalo (23., 67.) und Kapitän Aaron Hunt per Elfmeter (21.) waren für die Hanseaten erfolgreich, Alexander Mühling (9.) sowie Emmanuel Iyoha (64.) hatten vor dem Last-Minute-Ausgleich für die "Störche" getroffen.

Hecking: "Sehr, sehr ärgerlich"

"Natürlich ist man jetzt erst einmal enttäuscht. Denn es ist jetzt doch leider nach der Corona-Pause das dritte oder vierte Mal, dass wir in der Nachspielzeit wichtige Punkte liegenlassen", sagte Hecking. Als "sehr, sehr ärgerlich" bezeichnete der Trainer das Zustandekommen des Unentschiedens.

Mühling bringt Kiel früh in Führung

Steilpass Leibold auf Sonny Kittel - Abstoß Kiel. Seitenwechsel Hunt zu unbekannt - Einwurf Holstein. Passversuch Julian Pollersbeck ins Mittelfeld - Seitenaus. Dem HSV mangelte es in den ersten Minuten - gelinde ausgedrückt - an Präzision. Den folgenschwersten Schnitzer in einer schaurigen Hamburger Anfangsphase leistete sich jedoch Bakery Jatta. Der für den am vergangenen Spieltag gegen Wehen Wiesbaden (3:2) wirkungslosen Louis Schaub in die Startelf gerückte Außenangreifer spielte den Ball nach einem Einwurf unbedrängt in die Füße von Kiels Iyoha und leitete so den Konter zum 1:0 für die Gäste ein. Salih Özcan setzte kurz darauf Mühling in Szene, der Pollersbeck mit einem platzierten Rechtsschuss keine Abwehrchance ließ. Wie gegen Wehen lag der Aufstiegsaspirant früh zurück. Abermals stellte der sechsmalige deutsche Meister unter Beweis, dass er im Vergleich zur Vorsaison nicht nur an fußballerischer Qualität gewonnen hat, sondern auch mental gefestigter ist.

Umstrittener Elfmeter führt zum Ausgleich

So ließ sich die Hecking-Elf nicht davon demoralisieren, dass ein Kopfballtreffer von Rick van Drongelen nach einem Videobeweis durch Schiedsrichter Bastian Dankert die Anerkennung verwehrt wurde - Jatta stand im Abseits (16.). Fünf Minuten später entschied der Referee aus Rostock sehr zum Ärger der Gäste auf Foulelfmeter für die Hamburger. Kittel war nach einem Zweikampf mit Phil Neumann im Kieler Strafraum zu Boden gegangen. Der Unparteiische wertete den eigentlich recht harmlosen Armeinsatz des Holstein-Verteidigers offenbar als Ellenbogencheck. Alle Proteste der KSV-Profis halfen nichts. Hunt durfte zum Penalty antreten und verwandelte sicher.

Kiel unaufmerksam - Pohjanpalo erzielt 2:1

Lediglich 120 Sekunden später ließ sich die Abwehr der Schleswig-Holsteiner von einem langen Ball von van Drongelen auf Leibold übertölpeln. Der Linksverteidiger passte in die Mitte zu Pohjanpalo - der Rest war für den Finnen Formsache. Auf den zweiten Gegentreffer fand Holstein bis zur Halbzeit keine passende Antwort mehr. Zum wiederholten Male in dieser Saison hatte sich die KSV durch Unachtsamkeiten im Defensivverhalten um ein besseres Resultat gebracht.

Abwehrreihen patzen auch nach Wiederbeginn

30.Spieltag, 08.06.2020 20:30 Uhr

Hamburger SV

3

Holstein Kiel

3

Tore:

  • 0:1 Mühling (9.)
  • 1:1 Hunt (21., Foulelfmeter)
  • 2:1 Pohjanpalo (23.)
  • 2:2 Iyoha (64.)
  • 3:2 Pohjanpalo (67.)
  • 3:3 J. Lee (90. +3)

Hamburger SV: Pollersbeck - Vagnoman, Letschert, van Drongelen, Leibold - Fein - Hunt (62. Dudziak), Kinsombi (76. G. Jung) - Jatta (90.+1 Harnik), Pohjanpalo (76. Hinterseer), Kittel (76. Amaechi)
Holstein Kiel: Gelios - Neumann (65. Dehm), Wahl, Thesker, van den Bergh - Meffert (89. Schmidt) - Mühling, S. Özcan (76. Porath), J. Lee, Reese (89. M. Baku) - Iyoha
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Dass die Arbeit gegen den Ball nicht unbedingt zu Stärken der "Störche" gehört, zeigte sich auch nach dem Wiederbeginn. So trennte Lee Timo Letschert im eigenen Strafraum mit einer Grätsche vom Ball (48.). Der Niederländer fiel - und Schiedsrichter Dankert darauf rein. Er zeigte zunächst erneut auf den Punkt, revidierte seine Entscheidung dann aber nach Sichtung des Videomaterials. Dennoch war das riskante Tackling des Südkoreaners irgendwie sinnbildlich für das teils zu unbedachte Kieler Abwehrverhalten. Aber auch der HSV war hinten weiter immer für einen Fehler gut. Beim Zustandekommen des 2:2 kam van Drongelen zunächst gegen Lee zu spät, dann konnte Iyoha am langen Pfosten unbedrängt vollenden. Die Gäste schienen das Momentum nun auf ihrer Seite zu haben. Doch es kam anders: Der frühere Kieler David Kinsombi flankte aus dem Halbfeld gefühlvoll auf Pohjanpalo, der mit dem Kopf zum 3:2 für die Hausherren traf.

Pollersbeck mit einer Rettungstat zu wenig

Holstein rannte hernach an - allerdings ziemlich kopflos. Erst in der Nachspielzeit musste sich Pollersbeck bei einem Kopfball von Hauke Wahl noch einmal richtig anstrengen. Er wehrte ihn zum Eckstoß ab (90.+1.). Die entscheidende Rettungstat? Nein! Denn kurz darauf tauchte Lee in abseitsverdächtiger Position vor dem Schlussmann auf und überwand ihn. Der Ball trudelte im Zeitlupen-Tempo ins Netz. "Mit dem Punkt sind wir sehr zufrieden. Wir konnten uns am Ende für ein gutes Spiel belohnen", erklärte Neumann dem NDR Hörfunk. Sein Trainer Ole Werner schlug in dieselbe Kerbe: "Ich muss heute den Hut ziehen vor der Moral meiner Mannschaft."

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Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 08.06.2020 | 20:00 Uhr

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