Ein Ordner mit Mund-Nasen-Schutz im Fußballstadion © IMAGO / Poolfoto

Nächster Corona-Gipfel: Gibt es Geisterspiele im Sport?

Stand: 02.12.2021 08:22 Uhr

Gibt es Geisterspiele im Sport? Beschlüsse sollen heute bei den nächsten Bund-Länder-Beratungen gefasst werden. Einige Länder sind (noch) für Teilausschlüsse.

"Es gibt unterschiedliche Ansätze", hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nach einem ersten digitalen Treffen am Dienstagnachmittag gesagt und empfahl, "bis zum Jahresende in den Profiligen ohne Zuschauer auszukommen". Alle seien sich zumindest einig gewesen, "dass im Fußball etwas passieren muss".

Sollten sich die Regierungschef in den Gesprächen mit Angela Merkel und Olaf Scholz nicht auf eine bundeseinheitliche Regelung verständigen, würde man "in Bayern einen Alleingang" machen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erklärte kurz darauf, dass das Meinungsbild beim Fußball noch "von null bis 30 Prozent der Stadion-Kapazitäten" reiche.

Einen Alleingang Bayerns wird es aber so oder so nicht geben - zumal in Sachsen bereits am vergangenen Sonntag die Begegnung zwischen RB Leipzig und Bayer Leverkusen (1:3) ohne Zuschauer stattgefunden hat. "Man kann davon ausgehen, dass die Bundesliga ohne Zuschauer weiterspielen soll. Das ist eine richtige Entscheidung", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Auch Baden-Württemberg ist für Geisterspiele.

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Sollten im Profi-Fußball flächendeckend Geisterspiele angeordnet werden?

Ob es eine einheitliche Regelung geben wird, soll heute bei einem weiteren Treffen entschieden werden. Für diesen Tag sind auch Beschlüsse angekündigt worden. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte im Vorfeld der Beratungen zwar Geisterspiele explizit nicht ausgeschlossen, allerdings auch die Möglichkeit erwähnt, "auf eine Kapazitätsgrenze von 25 Prozent herunterzugehen". Hamburg werde sich einer "bundeseinheitlichen Regelung anschließen", erklärte der Erste Bürgermeister Hamburgs Peter Tschentscher (SPD).

Weitere Informationen
Archivbild: Zwei Zuschauer auf leeren Rängen beim Spiel Hansa Rostock gegen Halle. © imago images/Fotostand Foto: Fotostand

Nur 1.000 Zuschauer: Marien kritisiert Politik - Hansa verschenkt Tickets

Fußball-Zweitligist Hansa Rostock kritisiert die Begrenzung von 1.000 Besuchern im Ostseestadion. MV-Gesundheitsministerin Drese weist die Vorwürfe zurück. mehr

Weserstadion wird am Freitag wohl halb voll sein

Fakt ist, dass die Inzidenzwerte im Norden deutlich unter denen im Süden und Südosten liegen. Allerdings sind auch in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen weitere Verschärfungen und Beschränkungen besprochen worden - unabhängig von dem Gipfel-Treffen. So muss Zweitligist Hansa Rostock sein Zuschauerlimit im Ostseestadion ab sofort auf 1.000 Fans begrenzen. Werder Bremen hat sich mit der Stadt Bremen darauf geeinigt, dass zum Spiel gegen Erzgebirge Aue am Freitag nur Dauerkartenbesitzer eingelassen werden. Das 42.100 Zuschauer fassende Weserstadion wird wohl halb voll sein.

Weitere Informationen
Die Werder-Profis lassen sich von den Fans im Weserstadion feiern. © IMAGO / foto2press

Werder Bremen: Nur Dauerkarten-Besitzer gegen Aue zugelassen

Der Fußball-Zweitligist einigte sich mit dem Senat auf diesen Kompromiss. Das Stadion wird wohl zur Hälfte ausgelastet. mehr

Habeck: "Volle Stadien waren ein Fehler"

Klar ist, dass komplett gefüllte Stadien erst einmal wieder Geschichte sein werden. "Dass es am letzten Wochenende noch große Bundesligaspiele mit Zigtausenden von Besuchern gab, ist angesichts der dramatischen Lage im Land nicht mehr zu verantworten", hatte der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) im ZDF-Morgenmagazin gesagt. "Es war ein Fehler, dass die Bundesliga am Wochenende in vollen Stadien gespielt hat. Das ist völlig klar, das hätte man unterbinden sollen", so Grünen-Chef Robert Habeck. Die Möglichkeit dazu habe auch schon bestanden.

Vor allem das Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach (4:1) am Sonnabend vor 50.000 Zuschauern hatte die Debatte um die Geisterspiele befeuert. Zahlreiche Spitzenpolitiker und Experten äußerten ihr Unverständnis. Es sei "in diesen Zeiten kaum zu vermitteln", kritisierte auch Pistorius, dass Fußballspiele trotz einer sich verschärfenden Corona-Lage immer noch vor großen Zuschauerzahlen stattfinden. "Ich habe da so meine Probleme mit - und Sie alle wissen, dass ich leidenschaftlicher Fußball-Anhänger bin", sagte der 61-Jährige.

Weitere Informationen
St.-Pauli-Profis laufen ins leere Millerntorstadion ein. © Witters

Corona-Krise: Wieder Geisterspiele im Fußball? Pro und Contra

Sollten im Profi-Fußball flächendeckend Geisterspiele angeordnet werden? Zwei Meinungen von Martin Seidemann und Claudia Hoogestraat vom NDR Hörfunk. mehr

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst kündigte am Mittwoch im Landtag an, die Zuschauerzahl bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen "deutlich zu reduzieren". Laut Medienberichten soll die Auslastung der Stadien maximal ein Drittel der Gesamtkapazität betragen. Geisterspiele wie in Bayern und Sachsen werde es aber nicht geben.

Regelungen nicht nur für den Fußball

"Aus meiner persönlichen Sicht passen volle Fußballstadien und eine Überlastung des Krankenhaussystems nicht zusammen, das entbehrt jeglicher Logik", erklärte der Bremer Virologe Andreas Dotzauer im "Weser-Kurier". "Die Zuschauer reisen an, reisen zurück, sitzen nach dem Spiel noch in Kneipen oder Restaurants, das sind alles Situationen, die sehr ansteckungsbehaftet sind."

Söder begründete seine strikte Haltung auf Twitter mit genau diesem Punkt: "Die hohe Mobilität bei der An- und Abreise ist aktuell nicht verantwortbar. Der Fußball hat eine große Vorbildfunktion. Wir müssen jetzt überall Kontakte reduzieren."

Neben dem Fußball werden aber auch die anderen Sportarten betroffen sein. Schließlich geht es um Großveranstaltungen in ihrer Gesamtheit. "Wir müssen Freizeitveranstaltungen deutlich zurückfahren", so Braun.

Weitere Informationen
Ein Handball liegt im Tornetz. © picture-alliance Foto: Frank Hoermann / Sven Simon

Niedersachsen: Handball- und Basketball-Verbände stellen Spielbetrieb ein

Der Amateurfußball in Niedersächsen will grundsätzlich weiterspielen. In Hamburg und Schleswig-Holstein gibt es bislang keine Entscheidungen. mehr

Orientierungsdebatte zu einer SARS-CoV-2-Impfpflicht im Bundestag am 26. Januar 2022 © picture alliance/dpa Foto: Kay Nietfeld

Coronavirus-Blog: Kontroverse Impfpflicht-Debatte im Bundestag

Befürworter und Gegner tauschten ihre Meinungen meist sachlich aus. Gesundheitsminister Lauterbach warb erneut für eine Einführung. Mehr Corona-News im Blog. mehr

Junge Basketballerinnen © imago images
8 Min

Corona: Die Jüngsten trifft die Pandemie besonders hart

Corona schürt die Ängste von Kindern und Jugendlichen. Dazu im Sportclub: Stefan Raid, 1. Vorsitzender der Deutschen Sportjugend im DOSB. 8 Min

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 30.11.2021 | 18:25 Uhr

Mehr Sport-Meldungen

Ein enttäuschter Yari Otto von Eintracht Braunschweig © IMAGO / Eibner

Dritte Liga: Braunschweig verliert, Meppen zurück in der Erfolgsspur

Die Eintracht unterlag am Mittwoch in Zwickau, der SVM gewann beim SC Verl. Schlusslicht TSV Havelse unterlag Wehen Wiesbaden. mehr