Mit einem Balkonkraftwerk Solarstrom erzeugen

Stand: 05.09.2022 17:36 Uhr

Mit Solarpanels für den Balkon können auch Mieter auf dem Balkon ihren eigenen Strom erzeugen und im Haushalt nutzen. Wie funktionieren die Mini-PV-Anlagen und muss man den Eigenverbrauch versteuern?

Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern gehören vielerorts zum Landschaftsbild. Mit ihnen produzieren Hauseigentümer ihren eigenen sauberen Solarstrom und machen sich so ein Stück weit unabhängig von hohen Energiepreisen. Doch auch für Wohnungsbesitzer und Mieter gibt es mittlerweile gute Möglichkeiten, selbst Strom zu produzieren.

Stecker-Solargeräte, im Handel auch als Mini-PV, Plug-In- oder Balkon-Kraftwerke bezeichnet, lassen sich auf Balkonen oder Terrassen montieren oder ohne feste Installation aufstellen. Der erzeugte Strom lässt sich direkt im Haushalt nutzen und senkt so die Stromrechnung. Die bürokratischen Hürden für den Betrieb der Mini-Anlagen in Deutschland wurden mittlerweile gesenkt.

Balkonkraftwerk: Mobil und ohne Netz-Einspeisung

Von Photovoltaikanlagen auf Dächern unterscheiden sich die Geräte in mehrfacher Hinsicht: Sie sind deutlich kleiner und so konzipiert, dass auch Laien sie installieren können. Tatsächlich handelt es sich bei den Balkon-Kraftwerken technisch gesehen um elektrische Haushaltsgeräte und nicht um Anlagen. Bei einem Umzug lassen sich die Solargeräte ohne großen Aufwand wieder abbauen und mitnehmen. Im Gegensatz zur Photovoltaikanlage für Hausdächer sind sie nur für den eigenen Verbrauch gedacht und nicht dazu, Strom ins Netz einzuspeisen.

Wie funktionieren Solaranlagen für den Balkon?

Zwei Bewohner installieren ein Balkonkraftwerk. © NDR Foto: Nicole Bath
Stecker-Solargeräte sind einfach zu installieren und können bei einem Umzug auch wieder abgebaut werden.

Die im Handel erhältlichen Geräte bestehen meist aus einem oder zwei Solarmodulen und einem sogenannten Wechselrichter. Je nach Anbieter sind bereits Bauteile zur Anbringung etwa am Balkon mitgeliefert oder müssen separat bestellt werden. Nach der Montage oder Aufstellung an einem geeigneten Standort schließt man das Solarmodul an den Wechselrichter an. Dieser wandelt den Gleichstrom, den das Modul aus dem Sonnenlicht produziert, in Wechselstrom um.

Über ein Kabel lässt sich die Anlage mit einer Steckdose in der Wohnung oder auf dem Balkon verbinden. Geräte, die an das Stromnetz des Haushalts angeschlossen sind, etwa Waschmaschine, Computer und alle Geräte, die auf Standby-Modus stehen, nutzen nun vorrangig den eingespeisten Solarstrom.

Welche Steckdose ist notwendig?

Das Solargerät kann entweder an eine spezielle Einspeise-Steckdose ("Wieland-Steckdose"), die ein Elektriker installieren muss, oder alternativ an eine herkömmliche Schuko-Steckdose angeschlossen werden. Letzteres ist aber rechtlich nur zulässig, wenn der Wechselrichter über einen sogenannten NA-Schutz verfügt. Allerdings bestehen einige Netzbetreiber auf einer Einspeise-Steckdose.

Wie sicher sind die Geräte?

Eine Mini-Solaranlage an einem Balkon. © NDR Foto: Irene Altenmüller
Vor einer Montage der Solarmodule müssen Vermieter und Eigentümergemeinschaft zustimmen.

In der Regel erfüllen die beim Kauf mitgelieferten Wechselrichter die Anforderungen, die auch für normale Photovoltaikanlagen gelten und sind damit sicher. Noch existiert keine eigene Gerätenorm für Stecker-Solargeräte, sie wird derzeit noch entwickelt. Es empfiehlt sich daher, steckerfertige Geräte zu kaufen und dabei auf das Siegel der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS) zu achten, die einen Sicherheitsstandard festgelegt hat.

Wichtig: An eine Steckdose sollte man immer nur ein einziges Stecker-Solargerät beziehungsweise einen Wechselrichter anschließen. Die Kopplung mehrerer Geräte über eine Mehrfachsteckdose wäre gefährlich.

Was kosten die Geräte und wie viel Strom produzieren sie?

Günstige Komplettpakte bekommt man bereits ab 250 Euro. Die sind jedoch häufig nicht sehr leistungsstark. Sinnvoller sind Geräte ab etwa 350 Euro, teurere Modelle können bis zu 800 Euro kosten. Experten gehen davon aus, dass ein Haushalt mit ihnen circa 10 bis 20 Prozent seines Stroms selbst produzieren kann. Der Stromzähler läuft dann einfach langsamer. Wie viel Strom erzeugt wird, hängt allerdings von der Ausrichtung der Anlage sowie von den jährlichen Sonnenstunden in der Region ab.

Je nach Ertrag dauert es im Schnitt etwa sechs bis neun Jahre, bis sich die Anschaffung bezahlt macht. Ein Beispiel: Ein typisches Stecker-Solar-Modul ist 1,00 Meter mal 1,70 Meter groß und hat eine Leistung von circa 300 Watt. Ist es nach Süden hin ausgerichtet, liefert es etwa 200 bis 300 Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Vermieter oder Eigentümergemeinschaft muss zustimmen

Vor der Installation bedarf es der Zustimmung des Vermieters für das Anbringen der Module an Balkonbrüstung oder Hauswand. Bei einer Eigentümergemeinschaft (WEG) ist eine mehrheitliche Zustimmung ausreichend. Die Geräte müssen sturmfest montiert sein. Bei denkmalgeschützten Gebäuden kann es darüber hinaus weitere Vorgaben geben.

Vorschrift: Netzbetreiber informieren

Ein Stromzähler
Wichtig: Der Stromzähler darf sich nicht rückwärts drehen. Hier muss eventuell umgerüstet werden.

Nach der Montage muss man dem Netzbetreiber sowie der Bundesnetzagentur die Inbetriebnahme des Stecker-Solargeräts mitteilen. Bei Geräten mit einer Leistung bis 600 Watt dürfen das auch Laien machen. Erst bei einer Leistung über 600 Watt muss ein Elektriker herangezogen werden. Viele Stromversorger stellen für die Mitteilung bereits Formulare auf ihren Websites bereit, außerdem hat die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie einen Musterbrief erstellt.

Stromzähler muss eventuell ausgetauscht werden

Wichtig: Der Stromzähler darf sich nicht rückwärts drehen. Dazu kommt es zwar im Normalfall nicht, da die eingespeiste Strommenge zu gering ist. Wer hier sichergehen will, kann aber einen Stromzähler mit Rücklaufsperre oder auch einen Zweirichtungszähler installieren lassen. Die Umrüstung erfolgt in der Regel über die Netzbetreiber. Einige Betreiber haben aber bereits erklärt, dass sie einen Zählerwechsel nicht für erforderlich halten, sofern nur ein Modul angeschlossen ist. Sollte einmal dennoch Strom ins Netz eingespeist werden, bekommt man dafür keine Vergütung.

Keine Steuern auf eigenen Verbrauch

Da die Anlagen nur für den Eigenverbrauch gedacht sind und keine Vergütung erfolgt, falls doch einmal Strom eingespeist werden sollte, werden übrigens keine Steuern fällig.

Antworten auf weitere wichtige Fragen rund um den Betrieb von Steckersolargeräten gibt die Verbraucherzentrale sowie eine Website des Vereins Energiewende ERH.

Weitere Informationen
Zwei Solar-Panels an einem Balkon. © Solarheld /Infinitum Energie
12 Min

NDR MV Live: Eigener Solarstrom vom Balkon - wie geht das?

Der erzeugte Strom lässt sich direkt im Haushalt nutzen und senkt so die Stromrechnung. 12 Min

Eine Frau reinigt ein Solar-Panel an einem Balkon. © NDR

Mehr Balkon-Solaranlagen in Hamburg angemeldet

Laut Stromnetz Hamburg gab es dieses Jahr bereits über 200 Anmeldungen - mehr als doppelt so viele wie letztes Jahr. mehr

Ein Hausdach mit Sonnenkollektoren. © colourbox

Photovoltaikanlagen: Vorteile, Kosten und Förderung

Trotz niedriger Einspeisevergütung kann sich die Investition lohnen - vor allem, wenn Hausbesitzer den Strom selbst nutzen. mehr

Solaranlage auf einem Wohnhaus © colourbox Foto: Gollander Photo

Mit der Photovoltaik-Anlage die Stromkosten senken

Der Aufbau einer solchen Anlage lohnt schon auf kleineren Flächen. So können auch private Haushalte Gutes für die Umwelt tun. mehr

Dieses Thema im Programm:

Markt | 12.09.2022 | 20:15 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Haushalt

Mehr Verbrauchertipps

Ein Miniaturhaus und Geld im dunklen Lichteinfall. © Fotolia.com Foto: denphumi

Steuerrecht: Immobilien erben wird 2023 teurer

Ab Januar soll sich die Bewertung von Immobilien ändern. Davon betroffen werden rund die Hälfte aller Erbschaftsfälle sein. mehr