Buchcover: Zanib Mian: Planet Omar - Nichts als Ärger © Löwe-Verlag

"Planet Omar" - Ein Kinderbuch mit muslimischem Helden

Stand: 04.12.2020 11:23 Uhr

Kinderbücher mit Protagonistinnen und Protagonisten, die einen anderen kulturellen Background oder andere Wurzeln haben, gibt es viele. Aber speziell Bücher, in denen auch der muslimische Glaube Teil der Geschichte ist?

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von Susanne Birkner

"Mir würde spontan gar nichts einfallen." Jasmin Özerdogan zuckt mit den Schultern. "Schade eigentlich, weil wir zuhause zu 80 Prozent Deutsch sprechen und ich mir die Bücher zu unserem Glauben immer aus der Türkei mitbringe. Es wäre schöner, wenn ich sie mal auf Deutsch vorlesen könnte und nicht nur auf Türkisch."

"Ich hätte gerne, dass die glauben wie ich, genau wie ich sprechen und genau wie ich aussehen", stimmt ihre sechsjährige Tochter Melis zu. Die Erstklässlerin aus Hamburg liebt Bücher - und ihrer Mutter fehlt "die Unterscheidung in einem Buch, dass man erklärt, was für Feste und Bräuche es gibt. Es wird ja auch Weihnachten in Kinderbüchern thematisiert, und es wäre gut, wenn man auch thematisiert, dass auch Bayram gefeiert wird."

Ein Kinderbuch mit Witz und Herz

Im Loewe-Verlag ist jetzt der erste Band einer neuen Buchreihe erschienen, die genau das macht: "Planet Omar" - eine Art "Gregs Tagebuch" mit einem muslimischen Jungen mit pakistanischen Wurzeln in London. Programmleiterin Jeannette Hammerschmidt war begeistert, als ihr die Lizenzrechte zu dem englischen Buch angeboten wurden: "Das war das erste Buch dieser Art, was ich überhaupt auf dem internationalen Buchmarkt entdeckt habe. Ich habe geguckt, ob es so etwas schon auf dem deutschen Markt gibt, aber nichts gefunden. Warum es das nicht gibt, kann ich nicht sagen. Insofern waren wir sehr interessiert und haben gleich gesagt, dass wir das machen müssen."

Buchinformationen:

Planet Omar - Nichts als Ärger
von Zanib Mian
illustriert von Nasaya Mafaridik
aus dem Englischen übersetzt von Ann Lecker
Loewe-Verlag
ISBN: 978-3-7432-0769-1
Preis: 9,95 Euro

Demnächst erscheint Band 2.

Omar lebt mit seinen Eltern, seiner fiesen großen Schwester und seinem nervigen kleinen Bruder in London. Alles ist gut, doch dann zieht die Familie um, weil Mama, eine Wissenschaftlerin, ihren Traumjob bekommen hat. Die neue Nachbarin ist offen feindselig, ein Junge aus der Klasse mobbt Omar und erzählt ihm, alle Muslime werden aus dem Land geworfen - aber mit Witz und Herz packt Omar die neue Situation an. Und beten, glauben, fasten sind ganz natürliche Teile der Geschichte.

"Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre das Zuckerfest mein Lieblings-Eid, weil ich da viel mehr Geschenke bekomme. Vielleicht ist ja allen bis zum Opferfest das Geld ausgegangen. (...) Meine Mama bestellt viele Geschenke und Eid-Kleidung im Internet. Das ist super lustig. Wenn der Postbote kommt, rennt sie im ganzen Haus herum, schreit Aarrggghhh und sucht nach ihrem Kopftuch. Das nie dort ist, 'wo sie es hingelegt hat'. (...) Ein oder zweimal hat sie sogar meinen Kapuzenpulli als Hidschab benutzt." Leseprobe

"Bücher sind eine tolle Möglichkeit, interkulturelle Empathie zu vermitteln"

Auch die Londoner Autorin Zanib Mian trägt Hidschab in dem Video, in dem sie über ihre neue Buchreihe sagt: "Ich habe diese Bücher geschrieben, weil Bücher eine tolle Möglichkeit sind, interkulturelle Empathie zu vermitteln und weil sie durch Geschichten und Humor zeigen, warum Menschen unterschiedlicher Herkunft Dinge so tun, wie sie sie tun."

Die ebenfalls muslimische indonesische Illustratorin Nasaya Mafaridik hat für den Auftaktband die Comic-Elemente gezeichnet, die Zanib Mians Witz noch unterstreichen. "Wir brauchen Bücher, die Kindern zeigen, dass es Probleme gibt, dass es Unterschiede gibt, dass es aber auch Vorurteile gibt und dass man diese abbauen kann", sagt Jeanette Hammerschmidt. "Und wir brauchen natürlich auch Bücher, in denen sich muslimische Kinder, die in unserem Land leben, wiederfinden."

Und vielleicht gibt es demnächst auch Kinderbücher, in denen nicht ein muslimischer Junge aus einer pakistanischen Familie in London die Hauptrolle spielt, sondern ein gläubiges türkisches Mädchen wie Melis aus Hamburg. Durchaus möglich - und wünschenswert, meint die Programmleiterin des Löwe-Verlags: "Ich habe schon sehr viele positive Rückmeldungen - von anderen Verlagen jedoch noch nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass wir da etwas losgetreten haben."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 04.12.2020 | 15:20 Uhr

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