Stand: 14.02.2020 14:34 Uhr

Dating Halal - Online-Partnersuche für Muslime

von Kadriye Acar

Strenggläubigen Muslimen ist der Valentinstag ein Dorn im Auge. Das hätte mit dem Islam nichts zu tun, sagen sie. Junge Musliminnen und Muslime, die nicht so dogmatisch denken, hindert das nicht daran, der Angebeteten beziehungweise dem Angebeteten trotzdem einen Liebesbeweis zu überreichen. Und in digitalen Zeiten wächst auch das Interesse an Kontaktbörsen im Internet. Denn das bedeutet für Heiratswillige auch Freiheit. Sie können sich nämlich weltweit mit heiratswilligen Männern und Frauen in Verbindung setzen, ohne dass dies Eltern oder Familienangehörige kontrollieren können.

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Für heiratswillige Muslime, die bei der Partnersuche die Auswahl haben möchten, spielt das Internet eine große Rolle.

Samer Fahed hat spät zum Islam gefunden. Aber ab da wollte der groß gewachsene Deutsche mit palästinensischen Wurzeln alles richtig machen. Das heißt, auch die richtige Frau heiraten. "Ich habe festgestellt, dass der Heiratsmarkt in Deutschland sehr rar ist", erinnert sich der heute 51-Jährige. Er fragte seine Freunde, ob sie nicht eine passende Frau kennen würden - und musste feststellen, dass sie das gleiche Problem hatten. Nach einer langen Nacht der Einkehr und des Gebets kam ihm die Idee, wie er dieses Problem lösen könnte. Er gründete 2005 das Heiratsinstitut "Islamic Marriage".

Keine Verletzung von muslimischen Regeln

"Nach zwei Tagen hat das Telefon angefangen zu läuten", erzählt Fahed. "Die Nachfrage bei den Männern war immens hoch. Ich denke, bei den Frauen auch - aber subtiler. Daraufhin habe ich meine Mutter eingeschaltet. Und dann stand das Telefon bei ihr Mutter nicht mehr still." Der Rest ist Geschichte. Heute, so Samer Fahed, melden sich 20-30 Heiratswillige tagtäglich über das Portal an. Auch seine Frau Ayse, eine türkischstämmige Konditorin, hat er über das eigene Portal kennengelernt. Mittlerweile hat das Paar eine dreijährige Tochter.

Ein gebasteltes Smartphone mit einem Herz auf dem Display. © go2 / photocase.de Foto: go2 / photocase.de

Dating Halal - Online-Partnersuche für Muslime

NDR Kultur - Freitagsforum -

Gläubige Muslime profitieren vom Internet, wenn sie den Partner fürs Leben suchen. Hier treffen sie auf Gleichgesinnte und verletzen dabei keine muslimischen Regeln.

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Nach konservativ-islamischem Verständnis sind die privaten Lebensbereiche von heiratsfähigen Frauen und Männern grundsätzlich getrennt; die Ehe ist der einzige Ort, an dem diese Trennung legitimerweise aufgehoben ist. Aber erst einmal dahin kommen. Deswegen spielt das Internet bei der Partnersuche eine große Rolle. Man kann sich in Ruhe die Profile anschauen, verletzt dabei keine muslimische Regel, hält sich nicht mit einem fremden Mann in gleichen Raum auf.

Der Markt wächst

Aliyah Mounir, eine junge Ägypterin, die schon lange in Istanbul lebt, hat schon einige muslimische Apps und Online-Portale ausprobiert: "Wir sind mit dem Smartphone ständig unterwegs. Man chattet, kann entscheiden, wann man reingeht, ob man antwortet, ob man sich trifft. Das Internet können die Eltern nicht kontrollieren."

Der Markt der muslimischen Partnersuche wächst. Die Apps oder Portale heißen Minder, Muzmatch, Muslima Dating oder MyDiaspora.mobi. Auch Aliyahs Schwester Zeynep sucht hier nach Mr. Right, oder wenigstens nach ein bisschen Spaß: "Online ist es wesentlich praktischer. Man kann sich anonym das Profil anschauen. Und wenn einer einem nicht gefällt, kann man aus dem Netz verschwinden oder das Profil löschen. Trifft man jedoch einen Heiratswilligen mehrmals persönlich, erwarten alle, dass man bald heiratet."

Was die Mutter der beiden jungen Frauen noch nicht weiß: Aliyah hat bereits einen Mann kennengelernt, den sie heute - am Valentinstag - den Eltern vorstellen will.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 14.02.2020 | 15:20 Uhr