Stand: 13.03.2020 14:38 Uhr

Coronavirus: Freitagsgebete ausgesetzt

Das Corona-Virus beschäftigt auch die Glaubenssgemeinschaften in Norddeutschland. So werden die meisten evangelischen und katholischen Gottesdiensten an diesem Wochenende nicht stattfinden. Die Landeskirchen und Bistümer haben entsprechende Empfehlungen ausgesprochen. Auch der türkisch-islamische Moscheeverband DITIB hat entschieden, dass die Freitagsgebete nicht stattfinden sollen. Ein Gespräch mit Emine Oğuz, Geschäftsführerin des DITIB-Landesverbandes in Niedersachsen und Bremen.

Frau Oğuz, die DITIB hat bundesweit die Freitagsgebete abgesagt. Nun zählt das Freitagsgebet zu den religiösen Pflichten im Islam. Warum haben Sie sich jetzt zu diesem Schritt entschieden?

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Emine Oğuz ist Geschäftsführerin der DITIB in Niedersachsen und Bremen.

Emine Oğuz: Wir haben sehr lange überlegt, ob wir diesen Schritt gehen. Eigentlich haben wir schon den Gemeindemitgliedern mitgeteilt, dass die Freitagsgebete erstmal nicht abgesagt werden, dass jeder hygienische Sicherheitsvorkehrungen vorbereiten soll und einen eigenen Gebetsteppich mitbringt. Als immer mehr Veranstaltungen abgesagt wurden - und wir haben viele Menschen auf engstem Raum in den Moscheegemeinden -, haben wir gesagt: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Wir müssen der Verantwortung Sorge tragen und für diesen Freitag erstmal aussetzen.

Das heißt, es kann auch sein, dass es die nächsten Wochen so fortgesetzt wird? Oder entscheidet sich das kurzfristig?

Oğuz: Wir werden sehen. Eigentlich hatten wir geplant, auch schon für nächsten Freitag abzusagen - dieser Freitag ist ein bisschen spontan geworden. Einige Kommunen sind auf die Gemeinden zugekommen und haben vor einer erhöhten Gefahr gewarnt. Also haben wir uns dafür entschieden, das einheitlich abzusagen, weil wir eventuelle Ansteckungen nachher nicht nachvollziehen könnten. Wir können nicht innerhalb von einer halben Stunde bis zu tausend Personalien festhalten. Deshalb haben wir lieber eine solche Sicherheitsvorkehrung getroffen und diese sehr strikte Maßnahme durchgeführt.

Ein Koran auf Koranständer und einem Gebetsteppich in einer Moschee. © NDR Foto: Julius Matuschik

Freitagsgebete wegen Corona ausgesetzt

NDR Kultur - Freitagsforum -

Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus hat der türkisch-islamische Moscheeverband DITIB entschieden, die Freitagsgebete abzusagen. Ein Gespräch mit Emine Oğuz von der DITIB Niedersachsen.

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Wie fallen unter den Gläubigen die Reaktionen darauf aus?

Oğuz: Es gibt Stimmen, die das befürworten, die das die ganze Zeit schon nachverfolgen. Es gibt aber auch einige, die sagen, es sei ein Pflichtgebet, das nicht nachgeholt werden kann. Das könne man auch nicht zu Hause, wie das normal Mittagsgebet, vollziehen. Es müsse in der Gemeinschaft vor Ort gemacht werden. Die sind natürlich ein bisschen verärgert und denken, das sei eine übertriebene Maßnahme und Panikmache. Wir haben mit den zuständigen Ministerien und Behörden gesprochen, sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene und in der Kommune, und ich denke, es ist einfach besser so. Die Sicherheit der Menschen geht vor. Vielleicht können sie es jetzt nicht nachvollziehen, aber später werden sie wahrscheinlich zustimmen.

Gibt es da so eine Art religiöse Dispens, dass auch wenn diese Pflicht nicht eingehalten werden kann, das zu akzeptieren ist?

Oğuz: Ja, natürlich. Wir haben einen ehrenamtlichen Vorstand und wir haben gleichzeitig einen religiösen Beirat, der das theologisch auswertet und eine Fatwa ausspricht. Das bedeutet, dass das religiös abgesichert ist. Es ist nicht schlimm, wenn man dieser Pflicht nicht nachkommt - genauso wie z. B. kranke Menschen auch nicht daran teilnehmen müssen. Wir bitten alle Kranke und alle Gesunden zu Hause zu bleiben, damit sie sich nicht von den Kranken anstecken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 13.03.2020 | 15:20 Uhr