Imkerin Aischa Bach © NDR

Bienen im Islam: Die Vielfalt des Lebens bewahren

Stand: 15.10.2020 21:02 Uhr

In Deutschland gibt es nur wenige muslimische Betriebe, die Grundnahrungsmittel herstellen. Aischa Bach ist eine der wenigen Ausnahmen: Die Muslima betreibt in Hannover seit bald zehn Jahren eine Stadtimkerei. Immer wieder entdeckt sie für sich Parallelen zwischen ihrem Beruf und ihrem Glauben.

von Andrea Schwyzer

Aischa Bach steht in ihrer selbstgenähten cremefarbenen "Imker-Kutte", wie sie scherzhaft sagt, zwischen Sonnenblumen, Taschentuchbaum, Kräuterbeet und Silphie-Stängeln. Eine große Frau, eine Landwirtin aus Süddeutschland. Der Boden unter ihr, auf dem Lindener Berg in Hannover, ist allerdings extrem schwermetallbelastet. Gemüse ernten geht nicht, aber bienenfreundliche Pflanzen gedeihen dank Bachs grünem Daumen ganz hervorragend. Vor rund zehn Jahren, als ihre Jungs groß genug waren, entschied sie, wieder zu arbeiten - aber was? "Für mich war ein Kriterium, etwas zu machen, bei dem ich vom Glauben her ganz dahinterstehen kann", so Bach. Und so kam die gläubige Muslima zu den Bienen.

Das Bienenvolk: ein hochkompliziertes Gefüge

Imkerin Aischa Bach © NDR
Aischa Bach betreibt seit fast zehn Jahren eine Stadtimkerei in Hannover.

Acht Stück sind es in ihrem Garten, und Bach hat noch zwei weitere Bienenstände in der Stadt. Ihre Kinder helfen ihr bei der Arbeit, vor allem in der Hochsaison im Mai und Juni. Behutsam öffnet die Imkerin einen der Bienenstöcke. Die Tiere zwingen sie dazu, langsam und ruhig zu arbeiten. Biene an Biene, dicht gedrängt. Ein Sozialstaat, ein hochkompliziertes Gefüge, erklärt Aischa Bach: "Es gibt über eine Million Insektenarten, aber es gibt nur zwei Insektenarten - die Bienen und die Ameisen -, die Völker aufbauen, und die als Volk überwintern."

Und genau diesen Tieren hat Gott eine ganze Sure gewidmet - der Biene etwa die Sure Nummer 16:

"Dein Herr gab der Biene ein: 'Baue dir Häuser in den Bergen, in den Bäumen und in dem, was die Menschen errichten! Dann iss von allen Früchten, und folge den gebahnten Wegen deines Herrn!' Aus dem Leib der Bienen kommt ein Saft, von unterschiedlichen Farben. In ihm liegt Heilkraft für die Menschen."

Die Vielfalt des Lebens

Eine Biene auf einer Doldenblüte einer Zwiebel. © NDR Foto: Anja Deuble

AUDIO: Bienen im Islam: Die Vielfalt des Lebens bewahren (5 Min)

"Die Biene hat von Gott einen Auftrag bekommen: uns Menschen zu dienen", sagt Bach. Aus ihrer Arbeit geht der Saft hervor, "von unterschiedlichen Farben": Honig, mal fast weiß, perlmuttfarben. Mal goldgelb, fast orange wie Bernstein, bis hin zu braun-grün. Aischa Bach verkauft ihren Honig auf Wochenmärkten - grundsätzlich von Hand zu Hand. Verschicken will sie ihn aus ökologischen Gründen nicht, denn der Schutz der Umwelt, die Vielfalt des Lebens ist der 55-Jährigen wichtig. Das sei auch ganz im Sinne von Gott: "Im Koran steht zum Beispiel in Sure 15 im Vers 19, wo Allah sagt: 'Und die Erde, wir haben sie weit ausgebreitet und feste Berge auf sie gesetzt und auf ausgewogene Weise Leben aller Art auf ihr wachsen lassen.' Das impliziert ja die Vielfalt des Lebens, Biodiversität."

Um diese Vielfalt des Lebens zu bewahren, ist die Biene entscheidend, glaubt Aischa Bach. Sie nimmt beim Erhalt der Ökosysteme eine Schlüsselposition ein. "Für mich als Muslima bedeutet das: Die Biene schafft durch ihr Wirken - als Volk - für andere Tiere einen positiven Lebensraum. Und wenn wir als Menschen auch so leben und die Bedingungen für andere Lebewesen, für Mitmenschen verbessern, dann hat man doch einen Sinn im Leben gefunden."

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Viele Bienen in einem Bienenstock. © dpa - Bildfunk Foto: Karl-Josef Hildenbrand

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