Nicht verkaufte Kleidung: Wegwerfen statt spenden?

Stand: 21.01.2021 12:24 Uhr

Die Lager bei Textilhändlern und -herstellern im Land sind voll, die Kleidung stapelt sich. Die Einzelhändler hoffen auf Corona-Hilfen und finden individuelle Wege, um die Ware loszuwerden.

von Doreen Pelz

Nach Weihnachten gab es Reklamationen oder Rückgaben im Wert von 25.000 Euro, erklärt Kai Först, Leiter von Nortex in Neumünster. "Diese Teile würden wir gern spenden. Gerade eine Jacke in der kalten Jahreszeit, damit könnten wir Menschen helfen. Das können wir aber leider nicht, weil wir dafür dann die Umsatzsteuer auf den Verkaufspreis an das Finanzamt abführen müssten." Geld, das Nortex und viele andere Mode- und Textilunternehmen gerade während der Corona-Krise nicht zusätzlich ausgeben wollen und können. Wegwerfen der alten Ware ist da die günstigere Alternative.

Wegwerfen statt spenden?

Die Anfrage von NDR Schleswig-Holstein, ob es geplant sei, die Zahlung der Mehrwertsteuer im Spendenfall in der Pandemie auszusetzen, verneint das Bundesfinanzministerium und verweist auf EU-Recht. Das Ministerium schlägt vor, die Sachen zu deutlich niedrigeren Preisen oder als Sonderposten zu verkaufen. Die Händler hoffen zwar noch auf den Abverkauf im Februar, doch klar ist: Auch das geht nur mit starken Rabatten. Denn die Kunden haben kein Interesse an alten Kollektionen. Und im Frühling alte Wintersachen zu verkaufen, ist ebenso schwierig.

Nach Hochrechnungen des Handelsverbands Nord werden eine halbe Milliarde Teile zwischen Mitte Dezember und Ende Januar nicht verkauft. Für die Händler ein riesen Problem, erklärt Mareike Petersen vom Verband: "Wovon sollen die Händler denn die neuen Kollektionen bezahlen, die schon vor einem Jahr bestellt wurden, vor dem ersten Lockdown?"

Forderung nach Coronahilfen

Der Geschäftsführer eines großen Sportausstatters mit mehreren Filialen in Kiel, Lübeck und Neumünster, Knud Hansen, geht sogar so weit, den Bund zum Aufkaufen der Kleidung und Schuhe zu bitten. "Mit den Coronahilfen drei, wie sie genannt werden, kann doch der Bund uns Händlern einen ordentlichen Preis für die Sachen bezahlen. Die gekauften Schuhe und Klamotten können dann ja vom Bund an die Bedürftigen in der Welt gespendet werden", schlägt Hansen vor. Denn aktuell gibt es in seinem Lager immer weniger Platz. Der Lockdown ist Hansen zu folge dieses Mal zu einer noch ungünstigeren Zeit gekommen. Die Winterware könne er im Frühjahr nicht mehr verkaufen. "Es gibt große Online-Händler, die die neue Ware natürlich auch geordert haben. Das heißt, uns wird mit Neuware Konkurrenz gemacht. Und dann heißt es - ach guck mal, die Onliner haben die aktuellen Modelle da und der stationäre Einzelhandel verkauft die Modelle aus dem Vorjahr", befürchtet Hansen.

VIDEO: Die Pandemie als Chance für bewussten Kleidungskonsum (3 Min)

Manche Händler überlegen sich individuelle Lösungen

Im kleinen Laden Hygge 14 in Eutin verkauft Sylke Becker zwar weiter Ware online, nur bringt das längst nicht so viel ein wie sonst. Und viel Winterware muss jetzt weg. In den Müll werfen kommt für Becker nicht in Frage, auch wenn von "gewinnbringend verkaufen" keine Rede mehr sein könne. Für ihre Kunden, die weiter bestellen, packt die Ladenbesitzerin "Gute-Laune-Tüten": Mithilfe weniger Angaben zu Größe, Stil und farblichen Vorlieben, stellt sie Sachen im Wert von rund 150 Euro zusammen. Die Kunden und Kundinnen müssen aber nur 50 Euro dafür zahlen. "Ich bin froh, dass ich so wenigstens jemanden glücklich machen kann", erklärt Becker die Aktion. Bei Nortex in Neumünster werden zurückgegebene Winterjacken jetzt für einen Euro pro Stück an einen Aufkäufer weitergegeben. Der wiederum schreddert die Sachen und benutzt die Materialien weiter oder verkauft die Kleidung weiter ins Ausland.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.01.2021 | 08:00 Uhr

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