Mitarbeiter stellen Stühle auf für den Außenbereich einer Gastronomie.

Nach langer Corona-Pause: Außengastronomie darf öffnen

Stand: 12.04.2021 11:32 Uhr

Seit Montag (12.4.) dürfen Schleswig-Holsteins Gastronomen wieder draußen bewirten - allerdings nur da, wo die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt. Doch nicht nur niedrige Temperaturen sorgen dafür, dass die Stimmung in der Branche eher verhalten ist.

Hans Peter Blöser betreibt in Dahme (Kreis Ostholstein) ein Restaurant. Mit Strandblick gibt es Steak und Bier, nachmittags Kaffee und Kuchen. Heute, am Montag, öffnet er wieder, mit Corona-Sicherheitsabstand kann er genau vier Tische in seinem Außenbereich aufstellen. "Was mache ich bei Regen? Da könnte ich meine Mitarbeiter wieder nach Hause schicken. Ich sitz' dann da und sage: 'Okay, war nichts.' Die Kalkulation ist nicht richtig. Und für die Waren ist das auch nicht richtig", sagt er. Zwei Mitarbeiter werden sich um den Außenbereich kümmern - vorerst.

35 Mitarbeiter - "Ein zu großes Risiko"

Das "Seaside" in Grömitz (Kreis Ostholstein) wird erst gar nicht öffnen. Betreiber Frank Köpp bräuchte 35 Mitarbeiter, um den Außenbereich des Restaurants wieder zu eröffnen, denn auch unter Beachtung aller Corona-Maßnahmen können hier 100 Gäste Platz nehmen. Die meisten Mitarbeiter sind allerdings gerade in Kurzarbeit. "Frau Merkel sagt vielleicht am Dienstag oder Mittwoch: 'Ihr dürft die Außengastronomie doch nicht aufmachen.' Wenn ich alles wieder hochfahre, kann es sein, dass ich am Freitag alles wieder rückgängig machen muss", sagt Köpp.

2.500 bis 4.000 Euro würde das Hochfahren der Terrasse kosten - nur die Lebensmittel gerechnet. Zur unsicheren politischen Lage kommt das Aprilwetter. Für Kopp ist die Gefahr zu groß, dass alles wieder im Müll landet. Daher hat er sich entschieden, das "Seaside" nicht wieder zu öffnen.

Lübecker Bucht: Etwa 40 Prozent öffnen

Laut Frank Berger vom Dehoga Ortsverband Lübecker Bucht befürchten viele der Lokalbetreiber wegen der kreisweiten Inzidenz nach kurzer Zeit wieder schließen zu müssen, weswegen sie den Betrieb erst gar nicht hochfahren. Berger geht davon aus, dass etwa 40 Prozent der Hotels und Gaststätten an der Lübecker Bucht an diesem ersten Öffnungstag Speisen und Getränke für Gäste im Außenbereich servieren.

Gastronomen auf den Inseln: Wer soll kommen?

Auf Sylt und Amrum plagen die Gastronomen auch noch andere Sorgen: Selbst wenn sie ihre Außenbereiche öffnen, wer soll kommen? Denn Urlauber dürfen aktuell nicht auf die Inseln. Deswegen machen auch hier einige Betriebe am Montag gar nicht erst auf und die, die öffnen, tun das in erster Linie als positives Signal für ihre Mitarbeiter.

Dehoga: Manche Restaurants haben einen Standortvorteil

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Schleswig-Holstein, Axel Strehl, sieht den Standort der Betriebe als entscheidendes Kriterium: Lohnen könne sich die Außengastronomie zum Beispiel im Speckgürtel von Hamburg oder in beliebten Orten an der Lübecker Bucht. Die nordfriesischen Inseln oder auch Landgasthöfe im Landesinneren ohne attraktive Terrassen haben von der Öffnung der Außengastronomie wenig bis nichts, sagt er.

Die Stadt Neumünster sowie die Kreise Herzogtum Lauenburg und Segeberg haben keine stabile Sieben-Tage-Inzidenz unter 100. Dort bleibt die Außengastronomie vorerst geschlossen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.04.2021 | 19:30 Uhr

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